Fortsetzung von Teil eins

Nachdem Hollywood ihm einige Angebote gemacht hatte, entschloss er sich das Filmangebot Der silberne Kelch [The Silver Chalice, 1954], wo er eine der Hauptrollen übernehmen sollte, anzunehmen. Mit dem Auto machte sich Paul Newman auf die knapp 4500 Kilometer lange Reise von New York nach Kalifornien: Obwohl es seine erste große Hollywood-Rolle war, war Newman völlig enttäuscht von diesem Projekt. Etwa zur gleichen Zeit wurde Jenseits von Eden [East of Eden, 1955] mit James Dean in der Hauptrolle gedreht. Die beiden begegneten sich im Studio – folgt man Newmans Memoiren, bemitleidete James Dean den jungen Paul Newman dafür, in einen Film wie Der silberne Kelch mitspielen zu müssen. 

Rocky Graziano

1956 spielte Paul Newman in der Filmbiographie Die Hölle ist in mir [Somebody Up There Likes Me] die Rolle des Boxers Rocky Graziano. Steve McQueen spielte in dem Film die erste Nebenrolle seiner Filmkarriere. Ursprünglich war James Dean für die Rolle des Rocky Graziano auserkoren worden, aber kurz vor Beginn der Dreharbeiten kam Dean ums Leben.
Paul Newman nahm es nicht auf die leichte Schulter, den Boxer auf der Leinwand zu verkörpern: Newman traf sich mit Graziano und studierte die Persönlichkeit, die er verkörpern sollte, genauestens. Der Regisseur Bob Wise kommentierte später, wegen Paul Newmans akribischer Herangehensweise an den Filmstoff wurde der Film zu einem fundierten biographischen Werk.
Mit seiner Rolle in die Katze auf dem heißen Blechdach [Cat on a Hot Tin Roof, 1958] an der Seite von Elizabeth Taylor wurde Paul Newman zum ersten Mal für einen Academy Award nominiert. 

Der Film Der Wildeste unter Tausend bewirkte, dass Paul Newman von nun an ein Sexsymbol war.

Image als Sexsymbol

In den Sechzigern avancierte Paul Newman zu dem Filmstar, der bis heute in aller Welt bekannt ist: Der Produzent und Regisseur Martin Ritt äußerte später, dass Newman sich bei den Dreharbeiten zu Der lange heiße Sommer [The Long, Hot Summer, 1958] immer noch nicht bewusst war, welche Berühmtheit er mittlerweile war.
Als Martin Ritt einige Jahre später das Westerndrama Der Wildeste unter Tausend [Hud, 1963] realisieren wollte, erinnerte er sich an seine Arbeit mit Paul Newman bei Der lange heiße Sommer zurück.
Ritt stellte Newman das Projekt vor und Newman entschloss sich, bei dem Projekt mitzuwirken – Ritt betonte später, ohne Newman hätte er das Projekt niemals realisieren können.
Der Film Der Wildeste unter Tausend bewirkte, dass Paul Newman von nun an ein Sexsymbol war: Die Zusammenarbeit zwischen Martin Ritt und Paul Newman erwies sich für beide Filmschaffende als äußerst vorteilhaft. Ritt bekam die Möglichkeit, seine Westernprojekte zu realisieren und Newman konnte sein Image als Sexsymbol ausbauen. 

Connery und die Chilischoten

Ritt und Newman arbeiteten erneut für den Film Man nannte ihn Hombre [Hombre, 1967] zusammen. Im Film spielt Paul Newman die Rolle des weißen Manns John Russell, der von Apachen erzogen wurde. Obwohl der Film zu einem seiner bekanntesten Filme zählt, schreibt Newman in seinen Memoiren, er sei mit seiner Arbeit in dem Film unzufrieden gewesen. Die Dreharbeiten erwiesen sich als äußerst langwierig: Schwierige Wetterbedingungen machten die Dreharbeiten in Arizona zu einer Geduldsprobe für die gesamte Filmcrew.
Diane Cilento, die damalige Ehefrau Sean Connerys, spielte die weibliche Hauptrolle im Film. Connery war gerade auf dem Höhepunkt seines 007-Ruhms.
Newman erinnerte sich später, wie Connery die Filmcrew am Set besuchte und mit Newman ein örtliches Restaurant besuchte. Auf dem Tisch stand ein Teller mit den schärfsten Chilischoten, die man sich nur vorstellen kann: Es gibt Chilischoten, die einem bereits in kleinsten Mengen die Tränen in die Augen treiben. Connery verspeiste eine ganze Handvoll dieser Schoten und Newman wartete bereits darauf, den Mann, der James Bond war, gleich in Tränen ausbrechen zu sehen. Doch nichts dergleichen passierte: Es war, als ob Connery sich gerade eine einfache Scheibe Brot in den Mund geschoben hätte. Newman vergaß diese Situation Zeit seines Lebens nicht.

Der Unbeugsame

Bevor Paul Newman seine Rolle in Man nannte ihn Hombre spielte, besuchte er ein Indianerreservat in New Mexico, um sich über die Gepflogenheiten und die Kultur der Indianer zu informieren. Obwohl Newman selbst mit seiner Verkörperung des Halb-Apachen John Russell nie ganz zufrieden gewesen sein mag, zählt dieser FIlm ohne Zweifel zu seinen überzeugendsten Arbeiten als Darsteller.
In seinen Memoiren erzählt Paul Newman, wie er einmal leicht angetrunken aus einer Bar kam und von der Polizei festgenommen wurde, weil er angeblich einen Hydranten mit dem Auto touchiert habe, eine rote Ampel überfahren habe und Polizisten angepöbelt habe. Unter großem Publicity-Andrang wurde Newman in den Knast gesteckt – der Richter wies die Klage jedoch ab.
Anders erging es dem Charakter des Luke Jackson, den Newman in Der Unbeugsame [Cool Hand Luke, 1967] spielte. Luke, ein dekorierter Soldat, wird für zwei Jahre ins Gefängnis gesteckt, weil er unter Alkoholeinfluss Parkuhren demolierte. Es ist durchaus möglich, dass Newman in dem hochdramatischen Gefängnisdrama seine eigene, glimpflichere Erfahrung verarbeitete – was wäre damals womöglich passiert, wenn er nicht Mr. Newman gewesen wäre?

Den Höhepunkt seiner Schauspielkarriere feierte Paul Newman ohne Frage in den Sechzigern.

Der Rennfahrer Paul Newman

Nachdem Paul Newman 1969 die Hauptrolle in Indianapolis [Winning, 1969] gespielt hatte, war er fasziniert von Autorennen: Newman avancierte zu einem erfolgreichen Rennfahrer, der unter anderem auch am 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1979 teilnahm. Sein letztes Rennen gewann Paul Newman wenige Monate vor seinem Tod.
Den Höhepunkt seiner Schauspielkarriere feierte Paul Newman ohne Frage in den Sechzigern: Doch auch in den Siebzigern spielte er noch in zahlreichen hochkarätigen Filmen mit – so zum Beispiel in Flammendes Inferno [The Towering Inferno, 1974] an der Seite von Steve McQueen.
Die mit sage und schreibe sieben Oscars prämierte Gauner-Komödie Der Clou [The Sting, 1973] mit Paul Newman und Robert Redford in den Hauptrollen zählt ebenfalls zu den Höhepunkten von Newmans Schauspielkarriere in den Siebzigern. 

Spätwerk und Vermächtnis

Bis kurz vor seinem Tod spielte Paul Newman in Spielfilmen mit oder lieh Charakteren in Filmen seine markante Stimme. Zu Paul Newmans Spätwerk zählt unter anderem das Drama Road To Perdition (2002), in dem Tom Hanks die Hauptrolle neben Newman spielte.
Ohne Zweifel zählt Paul Newman zu den bekanntesten Darstellern des Kinos des 20. Jahrhunderts: Er begann seine Karriere am Broadway und spielte ein breit gefächertes Repertoire an Rollen. Eines zeichnete Paul Newman immer aus: Er gab sich nie zu einhundert Prozent zufrieden mit dem, was er tat. Er machte es zu seinem Ziel, die Hintergründe zu jeder Filmrolle, die er spielte, zu recherchieren. Das führte dazu, dass Newmans Darstellungen stets authentisch und überzeugend waren. 

Simon von Ludwig


Maßgebliche Quelle: Newman, Paul: „Das außergewöhnliche Leben eines ganz normalen Mannes – Die Autobiografie“, 2022 Heyne Verlag

Beitragsbild: © Simon von Ludwig


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