Fortsetzung von Teil eins

Seine Amerika-Reise hinterließ einen bleibenden Eindruck bei Curd Jürgens: Auf der einen Seite schätzte er den Mut der US-amerikanischen Kulturbranche, alte Werte mit neuen Werten zu verknüpfen. Andererseits irritierte ihn die Art und Weise, wie Produktionsfirmen mit ihren Schauspielern umgingen: Ganz anders als in Europa war für viele Studios in Amerika der Schauspieler ein reines Mittel zum Zweck, der sich den Gegebenheiten zu unterwerfen hatte.
Ohne Zweifel erhoffte sich Curd Jürgens, dass sein USA-Aufenthalt ihm dabei helfen würde, einen Fuß in eines der Hollywood-Studios setzen zu können. Auf seiner Reise begleitete ihn unter anderem die Diseuse Greta Keller.

Ein scheinbar zufälliges Foto von Knef und Jürgens beim unschuldigen Shopping in Hollywood schien für beide eine gute Gelegenheit, sich als Hollywood-Star zu etablieren. 

Hildegard Knef

1951 entstand ein gemeinsames Foto von Hildegard Knef und Curd Jürgens in Hollywood: Für Jürgens, der eine Karriere in Hollywood anstrebte, kam dieses Foto gelegen. Heute würde ein einzelnes Foto kaum mehr genügen, um die Karriere eines Filmstars zu beflügeln. Damals war das anders: Als sich Jürgens mit Knef in „Schwabs Drugstore“ am Sunset Boulevard traf, damals ein Anlaufpunkt für viele Hollywood-Schauspieler, ging das Foto davon um die Welt. Zuvor hatte Knef genauestens darauf geachtet, nicht mit Jürgens alleine in einem Restaurant gesichtet zu werden: Zu viel Angst hatte sie vor den Klatschkolumnen Hollywoods. Ein scheinbar zufälliges Foto von Knef und Jürgens beim unschuldigen Shopping in Hollywood schien für beide eine gute Gelegenheit, sich als Hollywood-Star zu etablieren. 

Hildegard Knef kehrte Ende der Sechziger Jahre Hollywood desillusioniert den Rücken: Curd Jürgens erging es anders. 1951 war es allerdings noch nicht so weit für Curd Jürgens: Sein Hollywood-Durchbruch ließ noch etwas auf sich warten. Nichtsdestotrotz sorgten verschiedene Publicity-Aktionen, wie das gemeinsame Bild mit Knef, dafür, dass Jürgens zumindest kein Unbekannter mehr war in der Welt von Hollywood. 

Des Teufels General

In den Fünfzigern drehte Jürgens in Deutschland und Österreich einen Film nach dem anderen: Regisseure und Produzenten besetzten ihn besonders gerne in Uniformrollen. Seine große Figur und seine natürliche Autorität prädestinierten ihn für militärische Rollen. In den Filmen Liebe ohne Illusion und Teufel in Seide (beide 1955) tragen die Persönlichkeiten, die er spielt, bereits militärische Züge. Obwohl Curd Jürgens es nicht besonders darauf anlegte, militärische Rollen zu spielen, feierte er seinen internationalen Durchbruch mit einer Uniformrolle: 1955 spielte Curd Jürgens die Rolle des General Harras in der Verfilmung des Theaterstücks Des Teufels General (Theaterstück: Carl Zuckmayer, Verfilmung: Helmut Käutner). Der Film war so erfolgreich, dass Curd Jürgens bei den Filmfestspielen 1955 von Venedig den Coppa Volpi für die beste schauspielerische Leistung gewann. 

In Des Teufels General spielte Jürgens eine vielschichtige Rolle: Auf der einen Seite lässt sich General Harras als typischen Mitläufer charakterisieren, der die Nationalsozialisten auf ihrem Weg an die Macht unterstützte. Andererseits wandelt sich Jürgens’ Charakter, sodass er den Gegner des Nazi-Regimes schlechthin darstellt. 

Der Erfolg von Des Teufels General bestimmte Curd Jürgens’ Rollenprofil während der nächsten Jahre: Jürgens wurde in unzähligen Rollen besetzt, die sich rund um das Militär im Zweiten Weltkrieg drehten. Dank seiner Rolle in Des Teufels General hatte das internationale Kino nun auch Notiz von Curd Jürgens genommen: Im US-amerikanischen Kriegsepos Der längste Tag (1962), einer der letzten großen Kinofilme in Schwarzweiß, spielte Jürgens erneut einen General. Der Film versammelte ein großes Staraufgebot: Unter anderem spielten John Wayne, Robert Mitchum, Sean Connery und Richard Burton mit. 

Mit seinen früheren Rollen, die hauptsächlich militärische Züge trugen, fand Jürgens bei jungen Menschen relativ wenig Anklang. Das änderte sich mit seiner Rolle als James Bond-Bösewicht. 

Der Spion, der mich liebte

Mit seiner Rolle im James Bond-Film Der Spion, der mich liebte (1977) gingen gleich zwei Träume von Curd Jürgens in Erfüllung: Zum einen bekam er die Gelegenheit, sich in einem riesigen Franchise, das auch für Charakterrollen bekannt war, zu verewigen. Zum anderen kam er mit seiner Rolle als Bond-Gegenspieler Karl Stromberg bei der Jugend an: Mit seinen früheren Rollen, die hauptsächlich militärische Züge trugen, fand Jürgens bei jungen Menschen relativ wenig Anklang. Das änderte sich mit seiner Rolle als James Bond-Bösewicht. 

Schallplatten & Regie

Im Laufe der 1960er und 1970er nahm Curd Jürgens mehrere Schallplatten auf: Die meisten Aufnahmen waren im Schlager-Stil gehalten und erinnerten an Hans Albers oder Freddy Quinn. Besonders bekannt wurde sein Chanson 60 Jahre – und kein bisschen weise, das 1975 parallel zu seiner gleichnamigen Autobiographie erschien. In der Verfilmung von Bertolt Brechts Stück Die Dreigroschenoper (1963) sang Jürgens unter anderem Die Moritat von Mackie Messer

Neben seiner Tätigkeit als Schauspieler war er ebenfalls als Regisseur tätig: Sein Regiedebüt gab Curd Jürgens 1950 mit dem österreichischen Kriminalfilm Prämien auf den Tod. Im Laufe seiner Karriere führte Jürgens bei drei weiteren Filmen Regie. 

Aber er selbst sagte, dass sein eigenes Image nur zum Teil von ihm selbst geschaffen wurde: Einen Großteil seines Images hatte die Presse geschaffen.

Image

Curd Jürgens wusste zwar, wie er sich in der Öffentlichkeit darstellen musste, um als Star zu gelten. Aber er selbst sagte, dass sein eigenes Image nur zum Teil von ihm selbst geschaffen wurde: Einen Großteil seines Images hatte die Presse geschaffen. Manche Quellen behaupten, in seiner späten Filmkarriere sei sein Leinwandimage mit seiner echten Person verschmolzen: So sei zum Beispiel die Rolle des Karl Stromberg eine Reminiszenz an Curd Jürgens selbst, der – ähnlich wie Bond-Antagonist Stromberg – exklusive Wohnorte und Abgeschiedenheit vom Rest der Welt bevorzugt. 

Vermächtnis

Das Vermächtnis von Curd Jürgens ist umfassend: Seine Filmografie umfasst insgesamt 141 Titel. Damit gehört er zu den deutschsprachigen Schauspielern, die im 20. Jahrhundert am häufigsten auf der Kinoleinwand zu sehen waren.
Mit seinem schauspielerischen Spätwerk bewies Curd Jürgens, dass er immer noch erfolgreich sein konnte, als sich andere Schauspieler seiner Ära schon längst aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatten. Als Perle seines Spätwerks gilt seine Rolle im Bond-Film Der Spion, der mich liebte (1977), die auch zugleich eine seiner letzten größeren Rollen war. 1979 trat Curd Jürgens im Film Schöner Gigolo, armer Gigolo auf, für den Marlene Dietrich zum allerletzten Mal vor eine Kinokamera trat.
Am 18. Juni 1982 starb Curd Jürgens in München. Sein vielfältiges Filmerbe begeistert bis heute zahlreiche Kinoliebhaber.

Simon von Ludwig

Film und Fernsehen bei Der Bussard

Maßgebliche Quellen: Der Nachlass von Curd Jürgens und Specht, Heike: „Curd Jürgens – General und Gentleman“, 2015 Aufbau Verlag

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