Am 25. Juni 1951 nahm ein Mann namens Steve McQueen die Subway zum Neighborhood Playhouse in New York, einer bekannten Schauspielschule: Kurz zuvor hatte sich der junge McQueen gefragt, ob er in Zukunft Fliesen legen wollte oder Schauspieler werden wollte. Seine Entscheidung fiel auf das Schauspielen.
Das Schauspielstudium finanzierte sich McQueen unter anderem mit seinen Gewinnen aus Pokerrunden.

Anfänge in Film und Fernsehen

Im Boxerfilm Die Hölle ist in mir (1956) spielte Steve McQueen seine erste Nebenrolle: Die Hauptrolle spielte Paul Newman. Wenig später spielte McQueen an der Seite von Frank Sinatra im Film Wenn das Blut kocht (1959).
Seine erste Hauptrolle spielte Steve McQueen im Science-Fiction-Film Blob – Schrecken ohne Namen (1958): Der Film avancierte zu einem Grusel-Klassiker.
Blob – Schrecken ohne Namen katapultierte Steve McQueen an die Spitze: Der Produzent Dick Powell entdeckte Steve McQueen durch den Sci-Fi-Film und nahm ihn für die Fernsehserie Der Kopfgeldjäger (Wanted: Dead or Alive) unter Vertrag. Zwischen 1958 und 1961 trat McQueen in knapp hundert Folgen auf und wurde so einem breiten Publikum bekannt. 

Aufstieg zum Kinostar

Obwohl er bereits in einigen Filmen gespielt hatte, war McQueen Anfang der Sechziger noch kein Filmstar: Erst durch den Western Die glorreichen Sieben (1960) mit Yul Brynner und Charles Bronson wurde Steve McQueen zu einem Kinostar. Bis heute ist der Western ein Klassiker des Genres. Nicht nur McQueen brachte durch Die glorreichen Sieben seine Kinokarriere in Gang: James Coburn und Charles Bronson profitierten genauso von dem Erfolg des Films und sind bis heute bekannte Namen.
1963 spielte Steve McQueen im Film Gesprengte Ketten die Hauptrolle: Der Film wurde in Süddeutschland gedreht. Neben McQueen spielten zahlreiche weitere Schauspieler von großer Bekanntheit mit. 

Sein Können als Pokerspieler stellte Steve McQueen 1965 im Film Cincinnati Kid unter Beweis. 

Motorsport

Steve McQueen war Zeit seines Lebens ein Motorsportliebhaber: McQueens größter Traum war es, in einem Motorsportfilm mitzuspielen. Für die Erfüllung dieses Traums kam der MGM-Film Grand Prix (1966) in Betracht, der von der Formel Eins handelt: Regie führte John Frankenheimer. Ursprünglich war eine Mitwirkung Steve McQueens geplant. Doch die Verhandlungen mit McQueen scheiterten und es entstand ein zweites Formel Eins-Filmprojekt: Day of the Champion, initiiert von den Warner Brothers Studios.
Es entstand ein Wettlauf zwischen MGM und Warner Brothers, wer zuerst einen Formel Eins-Film in die Kinos bringen würde.

Wettlauf um die erste Formel Eins-Verfilmung

Zahlreiche Aufnahmen waren schon angefertigt, doch sein enger Terminkalender machte McQueen einen Strich durch die Rechnung: 1965 hatte McQueen bereits drei andere Engagements, darunter auch Nevada Smith (1966).
Seine Rolle im Film Kanonenboot am Yangtse-Kiang (1966) verhinderte schlussendlich die Verwirklichung von Day of the Champion: Das Formel Eins-Projekt musste so weit nach hinten verschoben werden, dass sich Warner Brothers gezwungen sah, das Projekt zu beenden: MGM hatte den Wettlauf um die erste Formel Eins-Verfilmung gewonnen. 

Bullitt

Somit war McQueens Traum einer Rennsportverfilmung zunächst geplatzt.
„Jedes Mal, wenn er [McQueen] über Day of the Champion sprach, funkelten seine Augen“, schreibt seine Frau Neile Adams McQueen in ihrer Biographie über ihren Mann.
1968 spielte Steve McQueen die Hauptrolle im Krimi-Drama Bullitt, der zu einem echten Kult-Film avancierte. Einer der Gründe, weshalb der Film so erfolgreich wurde, war eine der längsten Verfolgungsjagden der Filmgeschichte: Ein 1968er Ford Mustang Fastback und ein Dodge Charger lieferten sich in San Francisco eine Verfolgungsjagd.
Der Ford Mustang, den Steve McQueen fuhr, hat bis heute Kultstatus: Es gibt sogar eine Replik des Bullitt-Ford Mustang. 

Filmerfolge und Rückzug aus der Branche

In den späten Sechzigern und frühen Siebzigern hielt der Erfolg von Steve McQueen an: Filme wie Thomas Crown ist nicht zu fassen (1968) oder Getaway (1972) manifestierten den Status von Steve McQueen als Kinostar. Die Schauspielerin Ali MacGraw, die McQueen während der Dreharbeiten zu Getaway kennenlernte, wurde seine zweite Ehefrau.
Nach seiner Mitwirkung in Papillon (1973) und im Katastrophenfilm Flammendes Inferno (1974) zog sich McQueen zunächst aus der Filmarbeit zurück.
McQueen war unter anderem für Hauptrollen in Der große Gatsby (1974), Superman (1978) und Apocalypse Now (1979) im Gespräch: Zu einer Mitwirkung McQueens kam es bei keinem dieser Filme. 

Le Mans

1970, fünf Jahre nach dem Aus von Day of the Champion, realisierte sich Steve McQueens Traum eines Motorsport-Films: Der Film Le Mans handelt vom 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Bis heute ist der Film ein Meilenstein des Motorsportfilms. Handlung und Dialoge sind zweitrangig: Der Fokus liegt auf den Rennszenen. Mit dem Film konservierte McQueen den Motorsport, wie er damals war: Tödliche Unfälle und die Bereitschaft der Rennfahrer, ihr Leben auf der Rennstrecke zu lassen, spielen eine wichtige Rolle. 

King of Cool

Steve McQueens Rollen als abenteuerlustiger Actionheld brachten ihm den Spitznamen „King of Cool“ ein: Doch McQueen hatte nicht nur eine coole Seite. 1978 spielte er im Film Ein Feind des Volkes die Hauptrolle. Der Film basiert auf dem gesellschaftskritischen Drama Ein Volksfeind des norwegischen Schriftstellers Henrik Ibsen.

McQueen stellt im Film den norwegischen Arzt Dr. Thomas Stockmann dar, der die Bevölkerung vor unsauberem Wasser warnt und deshalb zum Volksfeind erklärt wird. Die Rolle passte nicht zu McQueens üblichen Actionrollen und offenbarte sein schauspielerisches Potenzial abseits von Actionstreifen. 

Letzte Rollen

Kurz vor dem Abschluss seiner Filmkarriere spielte Steve McQueen die Hauptrolle im Spätwestern Ich, Tom Horn (1980). Die Handlung beruht auf der wahren Geschichte des Westernhelden Tom Horn. Steve McQueen beschäftigte sich im Vorfeld der Dreharbeiten intensiv mit seiner Rolle: Vier Jahre vor Beginn des Drehs startete McQueen seine Recherche über Tom Horn und konnte so die Rolle besonders überzeugend darstellen. 

Steve McQueen spielte seine letzte Rolle 1980 im Film Jeder Kopf hat seinen Preis: Er spielte die Rolle eines Kopfgeldjägers.
Das Vermächtnis des „King of Cool“ Steve McQueen bleibt bis heute unerreicht: Durch seine Rollen als Actionheld machte er sich unsterblich. Dass McQueen auch Rollen außerhalb des Actiongenre beherrschte, bewies er mehrmals während seiner Karriere. 

Eines seiner Erkennungszeichen war seine Leidenschaft für den Motorsport: Manchmal soll Steve McQueen sogar das Drehbuch von Filmen nachträglich modifiziert haben, um seiner Leidenschaft für den Motorsport Ausdruck zu verleihen.
McQueen starb am 7. November 1980 im Alter von 50 Jahren in Mexiko. 

Simon von Ludwig

Film und Fernsehen bei Der Bussard

Beitragsbild: © Simon von Ludwig

Maßgebliche Quellen: Sandford, Christopher: „McQueen – The Biography“, 2001 HarperCollins & McQueen Adams, Neile: „My Husband, My Friend – A Memoir“, 2012 AuthorHouse

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