Es war am 7. Dezember 1931, als der Name Cary Grant das Licht der Welt erblickte: Mit 27 Jahren unterschrieb Grant, der als Archibald Leach im englischen Bristol geboren wurde, seinen Vertrag mit dem Hollywood-Studio Paramount. Der Name Archibald Leach schien Paramount nicht passend für einen Hollywood-Schauspieler – also gaben sie ihm die Aufgabe, sich einen Namen auszudenken, der besser zu einem aufstrebenden Hollywood-Schauspieler passte.
Ein Jahr später spielte er an der Seite von Marlene Dietrich im Josef von Sternberg-Film Bonde Venus. Auf dem Filmplakat steht der Name Marlene Dietrichs über dem Titel – Cary Grants Name steht an dritter Stelle. Blonde Venus war der Film, mit dem Cary Grant zum ersten Mal einem größeren Publikum bekannt wurde – wenn auch Marlene Dietrich ganz klar im Fokus der Regiearbeit Josef von Sternbergs stand. 

Broadway und Stand-Up-Comedian

Cary Grant konnte auf zahlreiche Erfahrungen am Broadway zurückgreifen, bevor er in den Dreißigern in Hollywood berühmt wurde: Cary Grant sammelte in den Zwanzigern schauspielerische Erfahrungen als Stand-Up-Comedian. Mit einer Gruppe, die den Namen The Walking Stanleys trug, ging Cary Grant zu Beginn der zwanziger Jahre auf eine Tournee durch die Vereinigten Staaten. 1924 besuchte er im Rahmen einer Tournee zum ersten Mal Los Angeles – die Filmindustrie in Hollywood hinterließ bei ihm einen tiefen Eindruck.

Grants Karriere begann nicht auf der Kinoleinwand: Früh in seiner Karriere lernte er, zu improvisieren. Cary Grant war nicht ohne Grund ein erfolgreicher Stand-Up-Comedian: Er verstand es, im richtigen Moment das richtige Wort fallenzulassen, um das Publikum zum Lachen zu bringen. Grants komödiantische Veranlagung fand Eingang in viele seiner Hollywood-Streifen: Auch als Darsteller von ernsthaften Rollen wusste Cary Grant, wie er mit komödiantischen Dialogen einen Ausgleich zu tragischen Filmstoffen schaffen konnte. 

Cary Grant und Katharine Hepburn

Es war Katharine Hepburn, die Cary Grant 1940 für die Verfilmung von Die Nacht vor der Hochzeit anfragte. Hepburn besaß die Filmrechte und entschied über die Hauptbesetzung: Der Film wurde ein voller Erfolg.
Hepburn hatte Cary Grant bei den Dreharbeiten zu Sylvia Scarlett (1935) kennengelernt. Es war der erste von vier Filmen, in denen Grant und Hepburn gemeinsam spielten. Obwohl Sylvia Scarlett als Flop durchging, nahm der Film in den Karrieren von Grant und Hepburn eine entscheidende Rolle ein. Cary Grant und Katharine Hepburn spielten 1938 erneut in Leoparden küßt man nicht und im gleichen Jahr in Die Schwester der Braut

Alfred Hitchcock

Es dauerte nicht mehr lange, bis einer der größten Regisseure des 20. Jahrhunderts auf Cary Grant aufmerksam wurde: Alfred Hitchcock. An der Seite von Joan Fontaine besetzte Hitchcock Cary Grant in Verdacht (1941). In den insgesamt vier Hitchcock-Filmen, in denen Cary Grant mitwirkte, spielte Grant stets mysteriöse Rollen: Oft wurde dem Publikum bis zum Ende des Films nicht offenbart, ob Grants Charakter der Übeltäter im Film ist. Das Publikum erwartete nicht, dass Cary Grant einen Verbrecher spielte – und doch schaffte es Hitchcock, das Publikum zu verunsichern, indem zunächst alle Indizien auf Grant als Bösewicht hindeuteten. Erst am Ende der Filme folgte die Auflösung: Schließlich war es damals ausdrückliche Anweisung der Studios, dass Cary Grant keinen Mörder spielen durfte. 

Grace Kelly

Schon bald löste sich Cary Grant aus dem System der Hollywood-Studios: Ab Mitte der Fünfziger Jahre entschied Grant selbst, in welchen Filmen er spielen wollte, mit welchen Schauspielern er an seiner Seite spielen wollte und unter welchem Regisseur er arbeiten wollte. Über den Dächern von Nizza war der erste Film, in dem Cary Grant abseits des Hollywood-Studio-Systems mitwirkte. Seine Rolle als der ehemalige Juwelendieb John Robie neben Grace Kelly war eine der prägendsten Rollen in der Schauspielkarriere von Cary Grant. Grant beschrieb Grace Kelly als die „womöglich professionellste Schauspielerin, mit der ich jemals spielte“. Eine ähnliche Erfahrung wie mit Grace Kelly als Filmpartnerin machte Cary Grant später nicht mehr. 

Sophia Loren und letzte Zusammenarbeit mit Hitchcock

In den Fünfzigern spielte Grant außerdem in zwei Filmen gemeinsam mit Sophia Loren: In Stolz und Leidenschaft (1957) und Hausboot (1958) glänzten beide Schauspieler nebeneinander. Stolz und Leidenschaft war die erste US-Produktion mit Sophia Loren. Spätestens durch ihre Rolle in Hausboot wurde Sophia Loren einem internationalen Publikum bekannt. Gemeinsam mit Cary Grant hatte Sophia Loren ihren ersten Erfolg in Hollywood.
Ende der Fünfziger arbeitete Cary Grant zum vierten und letzten Mal mit Alfred Hitchcock zusammen. In Der unsichtbare Dritte (1959) spielt Cary Grant den Werbefachmann Roger Thornhill, der in geheimdienstliche Affären verwickelt wird und quer durch die Vereinigten Staaten flüchten muss. Der Showdown des Films auf dem Mount Rushmore bleibt bis heute vielen Cary Grant-Liebhabern im Gedächtnis. 

Cary Grant als James Bond?

Das James Bond-Produzentengespann aus Albert R. Broccoli und Harry Saltzman hatte ursprünglich Cary Grant für die Rolle des James Bond im Visier. Nach seiner Rolle in Der unsichtbare Dritte war das keine Überraschung. Doch Cary Grant machte deutlich, dass er nur für einen einzigen Film zur Verfügung stehen würde – nicht für die Verfilmung des gesamten James Bond-Franchise, wie Saltzman und Broccoli es planten. Schlussendlich fiel die Wahl auf Sean Connery.

1963 spielte Cary Grant zum letzten Mal eine Rolle, die typisch für ihn war: An der Seite von Audrey Hepburn und Walter Matthau spielte Grant in Charade. Charade wurde bekannt als der „beste Hitchcock-Film, den Hitchcock selbst nie gedreht hat“: Die Geschichte ist stark an eine Kriminalgeschichte à la Hitchcock angelehnt und verfügt über zahlreiche Wendungen. Die Filmmusik von Henry Mancini und der Drehort Paris lassen den Film noch attraktiver wirken. 

1966 zog sich Cary Grant mit der Geburt von seiner Tochter Jennifer von der Kinoleinwand zurück. In den folgenden zwanzig Jahren widmete er sich der Erziehung seiner Tochter und war als Geschäftsmann aktiv. Cary Grant starb am 29. November 1986 im Alter von 82 Jahren.

Simon von Ludwig


Maßgebliche Quellen: McGann, Graham: „Cary Grant – A class apart“, 1997 HarperCollins & der englische Wikipedia-Artikel über Cary Grant

Beitragsbild: © Simon von Ludwig


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