Es war Ende der Dreißiger Jahre, als Katharine Hepburn auf die Liste der Schauspieler gesetzt wurde, die man als „Kassengift“ bezeichnete: 1937 hieß es in der amerikanischen Presse noch, dass Katharine Hepburn „die vielleicht beste Filmschauspielerin ist“.
Katharine wuchs in einem liberalen Elternhaus auf und wurde ermutigt, im Leben stets positiv zu denken. Wie Hepburn in ihren Memoiren schreibt, sah ihr Vater das professionelle Schauspielen als ein Lotteriespiel an: Trotzdem ließ Vater Thomas Hepburn seine Tochter gewähren und unterstütze sie bei ihrer Ausbildung. 

Kassengift

Die Brandmarkung „Kassengift“ bekommt man in Hollywood so schnell nicht wieder los: Neben Katharine Hepburn waren noch Marlene Dietrich und Joan Crawford ins Visier der unabhängigen Kinobesitzer in Amerika geraten, die nun alle drei auf ein Karrieretief zusteuerten.
Der Grund für die Brandmarkung der Schauspielerinnen waren Filme, die beim Publikum nicht zündeten: Flops. Doch ob Flop oder nicht – die Kinobesitzer mussten Leihgebühren an die Studios entrichten, die sich amortisieren mussten: Blieben die Publikumsströme aus, suchten sich die Kinobesitzer Sündenböcke. Damals erwischte es Katharine Hepburn, da sie in einigen Filmen mitspielte, die als Flop durchgingen.
Aus dieser Sackgasse führte nur ein Weg: Es musste ein Film her, der Katharine Hepburn wieder als Schauspielerin etablierte und das Publikum in die Kinos lockte. 

Howard Hughes

1935 traf Katherine bei den Dreharbeiten zum Film Sylvia Scarlett den Unternehmer und Luftfahrtpionier Howard Hughes: Die beiden verbrachten in den folgenden Jahren viel Zeit miteinander, Katharine lernte von ihm das Fliegen und Hughes baute währenddessen sein Geschäftsimperium weiter aus.
Mitte 1938 erhielt Katharine Hepburn einen Anruf vom Dramatiker Philip Barry: Er wollte sein Theaterstück The Philadelphia Story [dt. Titel: Die Nacht vor der Hochzeit] verfilmen. Das Theaterstück war noch nicht uraufgeführt worden. Howard Hughes, der sich mit Geschäften gut auskannte, riet ihr, noch vor der Premiere die Filmrechte zu kaufen.
Die Premiere des Theaterstücks war ein voller Erfolg: Mit Katharine Hepburn in der Hauptrolle wurde das Stück ganze 417 Mal am Broadway aufgeführt.
Schließlich kaufe Hughes für seine Freundin Katharine die Filmrechte an The Philadelphia Story.

Die Filmrechte bildeten die Grundlage für ihren späteren Erfolg. 

Eines abends traf Katharine Hepburn L.B. Mayer, den Chef von Metro-Goldwyn-Mayer: Es hatte sich inzwischen herumgesprochen, dass Katharine die Rechte an der Verfilmung von The Philadelphia Story besaß. Mayer zeigte Interesse daran, das Theaterstück zu verfilmen und Hepburn – wie schon im Theaterstück – in der Hauptrolle zu besetzen. Außerdem durfte Hepburn darüber entscheiden, wer die männlichen Hauptrollen übernehmen sollte und Regie führen sollte. Als Regisseur wählte Hepburn George Cukor aus, James Stewart und Cary Grant übernahmen die beiden männlichen Hauptrollen – eine vielversprechende Besetzung.
Der Film war ein Erfolg: Die Presse feierte das Comeback von Katharine Hepburn. Somit hatte Hepburn ihr Comeback selbst initiiert – mit der Hilfe von Howard Hughes. 

1956 wurde das Stück The Philadelphia Story erneut adaptiert – allerdings als Musical. Die Hauptrollen übernahmen Grace Kelly, für die es der letzte Hollywood-Film vor ihrer Hochzeit mit Fürst Rainier III. war, Frank Sinatra und Bing Crosby. 

Katharine Hepburn mit James Stewart in The Philadelphia Story, © MGM
Katharine Hepburn mit James Stewart in The Philadelphia Story, © MGM, entnommen aus Wikimedia Commons

Spencer Tracy

Die MGM-Studios merkten schnell, dass Katharine Hepburn nicht nur schauspielerisch beim Publikum ankam, sondern auch Entscheidungen hinsichtlich der Besetzung und des Marketings erfolgreich treffen konnte. In ihrem nächsten Film Die Frau, von der man spricht (1942) war Katharine Hepburn erstmals neben Spencer Tracy zu sehen: Es war der Beginn einer langjährigen Partnerschaft, die über ihre berufliche Tätigkeit weit hinausging und bis zu Spencer Tracys Tod 1967 anhielt.

Katharine Hepburn und Spencer Tracy avancierten in den folgenden Jahrzehnten zu einem der beliebtesten Leinwandpaare Hollywoods. In insgesamt neun Filmen im Zeitraum zwischen 1942 und 1967 glänzten die beiden Seite an Seite.
Egal, ob es sich um eine Komödie, ein Drama oder um einen Western handelte: Die beiden Schauspieler erwiesen sich als Zugpferde, die die Zuschauer ins Kino lockten. Die letzte Zusammenarbeit zwischen Hepburn und Tracy Rat mal, wer zum Essen kommt (1967) brachte Hepburn einen Oscar ein. Insgesamt gewann Katharine Hepburn vier Oscars während ihrer Karriere. 

African Queen

Einer von Katharine Hepburns berühmtesten Filmen ist bis heute African Queen (1951). In dem Abenteuerfilm spielte Hepburn an der Seite von Humphrey Bogart. Der Abenteuerfilm spielt in Deutsch-Ostafrika während des Ersten Weltkriegs: Charlie Allnutt (Humphrey Bogart), Kapitän des Flussboots African Queen, nimmt sich mit der Missionarin Rose Sayer (Katharine Hepburn) vor, ein feindliches Schlachtschiff zu versenken.
Für seine Rolle in African Queen erhielt Humphrey Bogart einen Oscar für die beste männliche Hauptrolle.  

Shakespeare

Katharine Hepburn war in den Fünfzigern nicht nur auf der Kinoleinwand zu sehen: In den Fünfzigern glänzte Katharine Hepburn in Shakespeare-Rollen. Gemeinsam mit der Schauspielerin Constance Collier erarbeitete sich Katharine ein umfangreiches Shakespeare-Repertoire.
Mit dem Stück Wie es euch gefällt ging Hepburn auf eine Amerika-Tournee. 1955 studierte Hepburn mit dem Ensemble des Old Vic Theatre in London die Shakespeare-Stücke Der Kaufmann von Venedig, Der Widerspenstigen Zähmung und Maß für Maß ein. Sechs Monate lang tourte Katharine Hepburn mit diesen Inszenierungen durch Australien und feierte großen Erfolg. 

Im Historiendrama Der Löwe im Winter (1968) spielte Katharine Hepburn Herzogin Eleonore von Aquitanien, die Frau des englischen Königs Heinrich II. Der spätere James Bond-Darsteller Timothy Dalton gab als König Philipp II. von Frankreich in diesem Film sein Kinodebüt.
Der Film war ein Volltreffer: Sie räumte ihren dritten Oscar für die beste Hauptdarstellerin ab. Nach ihrem Oscar für Rat mal, wer zum Essen kommt, war es ihr zweiter Oscar in Folge.
Im Western Mit Dynamit und frommen Sprüchen (1975) spielte sie neben der Kinolegende John Wayne. 

Einmaliges Rollenrepertoire 

Katharine Hepburn bleibt bis heute eine unübertroffene Schauspielerin: Ihre zwölf Oscar-Nominierungen wurden bislang nur von Meryl Streep übertroffen. Ihr Rollenrepertoire war enorm vielfältig: Von der komödiantisch angehauchten Society-Dame in The Philadelphia Story bis zur historisch anspruchsvollen Rolle der Herzogin Eleonore von Aquitanien deckte Hepburn zahlreiche Rollenfächer ab.
1991 veröffentlichte Katharine Hepburn ihre Memoiren Me — Stories of my life. Die Memoiren wurden 2002 Gegenstand des One-Woman-Theaterstücks Tea at Five mit Star Trek-Schauspielerin Kate Mulgrew als Katharine Hepburn.

1999 wurde Hepburn vom American Film Institute auf Platz eins der Top-25-Liste der größten weiblichen Filmstars gewählt.
Katharine Hepburn starb am 29. Juni 2003 in ihrem Heimatstaat Connecticut.  

Simon von Ludwig

Als maßgebliche Quelle dienten die Memoiren Katharine Hepburns unter dem Titel „Ich — Geschichten meines Lebens“, auf deutsch 1991 im Heyne Verlag erschienen.

Beitragsbild: Katharine Hepburn ca. 1941, © MGM, entnommen aus Wikimedia Commons

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.