Er war einer der wenigen deutschen Schauspieler, die es nach dem Zweiten Weltkrieg zu internationalem Ruhm brachten: Gert Fröbe. Es waren nicht bloß zehn, nicht bloß fünfzig Filme, in denen Gert Fröbe mitwirkte – es waren knapp einhundert Filme. Seine bekannte Rolle als Auric Goldfinger im gleichnamigen James Bond-Film machte ihn weltbekannt.
Man bezeichnete den Charakterdarsteller als den „Hollywoodstar aus Zwickau“ – doch bis es soweit kam, ging Gert Fröbe einen langen Weg… 

Der rote Geiger von Zwickau

Als Gert neun Jahre alt war, entschied sein Vater: Sein Sohn soll Geige spielen lernen.
Was nun folgte, war Gert Fröbes erste Künstlerkarriere: Eine Karriere als Stehgeiger. Plakate in und um Zwickau warben „Gert Fröbe und seine Solisten spielen zum Nachmittagstanz“: Bald war Gert Fröbe berühmt als „Der rote Geiger von Zwickau“. Hintergrund des Spitznamens war sein rötlicher Haarschimmer. 

Mit neunzehn Jahren lernte Gert Fröbe eine einflussreiche Dame kennen, die ihn dazu eingeladen hatte, ihren Söhnen Geigenunterricht zu geben.
Die Frau war so vernarrt in Gert, dass sie entschied, ihm ein Malatelier zu errichten: Sie glaubte mehr an seine malerische Begabung als an seine musikalische. 

Karriere als Maler?

„Man spricht nicht gern von Kunst, wenn einer mit siebzehn Jahren zu malen beginnt und mit zwanzig ausstellt. Doch hier muß man eine Ausnahme machen: Gert Fröbe heißt der Kunstbeflissene, bei dessen Bildern es sich schon um Kunst handelt.“

Mit diesen Worten kam Gert Fröbe zu seiner ersten öffentlichen Bilderausstellung in Zwickau.
Nun überschlugen sich die Ereignisse: Als Reaktion auf die Bilderausstellung erhielt Gert Fröbe das Angebot, man würde ihm das Studium an der Kunstakademie in Dresden finanzieren.
Dresden war in den Dreißigern in der Welt der bildenden Kunst äußerst renommiert: Es rangierte gleich nach Paris und Berlin. 

Arbeit als Bühnenmaler

Als Gert Fröbe in Dresden ankam, riet man ihm jedoch vom Studium an der Kunstakademie ab: „An der Akademie kann man nämlich auch ‚verbildet‘ werden“, sagte man ihm. Stattdessen schlug man ihm vor, eine Lehrstelle beim Staatstheater Dresden anzunehmen – nicht als Schauspieler, sondern als Bühnenmaler. Drei Jahre lernte Gert Fröbe nun das Handwerk der Bühnenmalerei.
Einmal bekam Gert Fröbe den Auftrag, den Schauspieler Erich Ponto zu zeichnen: Zwischen den beiden entwickelte sich eine Freundschaft und Ponto entschied sich, Fröbe Schauspielunterricht zu geben. 

Bunte Abende

Als Erich Ponto für ein Engagement nach Berlin ging, folgte Gert Fröbe ihm. In Berlin nahm Gert Fröbe nun Schauspielunterricht bei Ponto und einem anderen renommierten Schauspiellehrer, Paul Günther. Das war Mitte der dreißiger Jahre: Fröbe war mit seiner Ankunft in Berlin nun am Puls der Zeit angekommen.
Fröbe war dazu verpflichtet, jede Rolle anzunehmen, die man ihm anbot: So erarbeitete er sich ein umfangreiches Repertoire.
Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffneten sich Chancen für Gert Fröbe: Die Tristesse der ersten Jahre nach dem Krieg wurde durch sogenannte „Bunte Abende“ überbrückt – Gert Fröbe schrieb dazu in seinen Memoiren:

„Bunte Abende hieß die Zauberformel gegen die Tristesse der Vorwährungsreformzeit. In Schliersee [Nähe München] organisierten Werner Bochmann und ich die «Bunten Abende». Im Ortskino sang statt Zarah Leander die Frau eines Versicherungsdirektors und statt Johannes Heesters ein Schneidermeister, der es später mit seinem Tenor zu lokalem Ruhm brachte.
Den Flügel hatten wir über holprige Waldwege mit einem Ochsengespann von einem Berggipfel aus einer entlegenen Scheune geholt (…). Ich machte die Ansagen und trug solide Klassik vor.“

Der Fröbe

Als am 7. November 1945 das erste Kabarett in München wiedereröffnete, war Gert Fröbe dabei. Die bekannte Chansonniere Trude Hesterberg kündigte Gert Fröbe mit den folgenden Worten an:
„Prominenz erkennt man daran, daß man sagt der Albers, die Dietrich, die Zarah und so weiter. Ich bin überzeugt, daß man zu dem Mann, der jetzt kommt, auch eines Tages sagen wird der Fröbe.“

Trude Hesterberg sollte mit ihrer Vorhersage recht behalten: In den Fünfzigern spielte Gert Fröbe in französischen Kriminalfilmen Schurkenrollen und wurde dafür mit sensationellen Kritiken belohnt. Es war eine Vorschau auf das, was Gert Fröbe in den Sechzigern erwarten würde… 

Bond-Girl Tilly Masterson (Tania Mallet) jagt Goldfinger (Gert Fröbe) in der Schweiz
Bond-Girl Tilly Masterson (Tania Mallet) jagt Goldfinger (Gert Fröbe) in der Schweiz, © Comet Photo AG (ETH-Bibliothek Zürich), Wikimedia Commons

Gert Fröbe als Auric Goldfinger

Das James Bond-Produzentengespann Harry Saltzman und Albert Broccoli hatte Gert Fröbe in seiner Rolle als Kindermörder in „Es geschah am helllichten Tag“ gesehen: Die beiden waren überzeugt davon, dass Gert Fröbe einen exzellenten James Bond-Schurken abgeben würde.
Gert Fröbe lehnte das Angebot, im dritten James Bond-Film mitzuspielen, ab.
Obwohl schon zwei erfolgreiche Bond-Filme gedreht worden waren, war Fröbe nicht überzeugt.
In seinen Memoiren schrieb Gert Fröbe, den Argumenten seiner Frau sei es zu verdanken gewesen, dass er dann doch mitgespielt habe.
Neben Sean Connery als James Bond spielte Gert Fröbe einen der einprägsamsten James Bond-Schurken.
Auf die Frage, wie die Schlussszene in Goldfinger gedreht wurde, in der Gert Fröbe als Goldfinger aus einem Flugzeug fällt, antwortete er:

„Wenn wir durch den Druckabfall in der Kabine schweben, dann hängen Connery und ich wie Marionetten an Drähten, und als ich schließlich aus dem Fenster gesaugt wurde, lag ich – für die Kamera unsichtbar – auf einem Schlitten, den Arbeiter von draußen mit einem kräftigen Ruck durchs Fenster zogen (…) Ein geschwollenes Steißbein und ein halbes Dutzend blauer Flecken haben mich noch lange an diesen spektakulären Ausstieg aus dem Film erinnert.“

Royal Performance

Nach dem Erfolg von Goldfinger ging die Reise des Erfolgs für Gert Fröbe weiter: Der Film „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“ wurde für die Royal Performance, eine Vorführung des Films in Anwesenheit der englischen Königsfamilie, ausgewählt.
Nach der Vorstellung fragte ihn die englische Königin Elisabeth II.:
„Was spielen Sie denn als nächstes?“ Gert Fröbe antwortete: „Einen Baron, Majestät.“ Die Königin hakte nach: „Einen guten oder einen bösen?“ Fröbe erwiderte: „Einen deutschen, Majestät.“, woraufhin die Königin mit einem nachdenklichen „Aha“ das Gespräch beendete.
In den Siebzigern setzte Gert Fröbe seine erfolgreiche Schauspielkarriere fort. Unter anderem spielte er an der Seite von Romy Schneider in „Ludwig II.“ (1972) und Tony Curtis in „Monte Carlo Rallye“ (1969).

In den Achtzigern spielte Gert Fröbe vorrangig in Fernsehserien.
1988 veröffentlichte Gert Fröbe seine Memoiren „Auf ein Neues, sagte er… und dabei fiel ihm das Alte ein“. Im gleichen Jahr verstarb Gert Fröbe in München. 

Simon von Ludwig

Beitragsbild: Gert Fröbe (rechts) 1965 mit dem Schauspieler Terry-Thomas (links) bei der Premiere des Films „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“, © Eric Koch / Anefo, Wikimedia Commons

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