In der Riege der Formel Eins-Teamchefs gibt es eine Person, die einen besonderen Platz einnimmt: Frank Williams. 43 Jahre lang war er Teamchef seines Formel 1-Teams, Williams F1: Es waren sieben Fahrerweltmeisterschaften und neun Konstrukteursweltmeisterschaften, die das Williams-Team unter Frank Williams gewann. Damit gehört das Team zu den erfolgreichsten Teams der Formel Eins-Geschichte. 

Die Anfänge des Williams F1 Team

Gemeinsam mit dem Renningenieur Patrick Head setzte sich Frank Williams Ende der Siebziger zum Ziel, als eigenständiger Konstrukteur in die Formel Eins einzusteigen. 

1978 wurde das Team Williams Grand Prix Engineering gegründet – beteiligt waren Frank Williams selbst und der Renningenieur Patrick Head. Williams verpflichtete für die Formel Eins-Saison 1979 den Schweizer Fahrer Clay Regazzoni und den australischen Automobilfahrer Alan Jones.
Es war Clay Regazzoni, der am 14. Juli 1979 zum ersten mal mit einem Williams-Auto einen Grand Prix gewann. Dieser Sieg läutete eine Erfolgsserie für Frank Williams ein: Sein Teamkollege Alan Jones gewann vier der restlichen sechs Rennen der Saison von 1979. 

Das Geheimnis hinter Williams F1

Bereits in der Saison im darauffolgenden Jahr, der Saison von 1980, dominierte das Williams-Team: Innerhalb von zwei Saisons gelang dem Team ein Aufstieg, der bis heute eine Seltenheit in der Geschichte der Formel Eins geblieben ist. Worin lag das Geheimnis hinter dem plötzlichen Erfolg von Williams? Teil des Erfolgs war der weiterentwickelte Rennwagen Williams FW07: Der Rennwagen, der seine Premiere beim Grand Prix von Spanien 1979 feierte, wurde in den folgenden Saisons stetig weiterentwickelt: Es gab einen FW07B, FW07C und einen FW07D. Es waren insbesondere High-Speed-Rennstrecken, auf denen Williams punkten konnte: Aus technologischer und aerodynamischer Sicht war der Williams FW07 in all seinen Variationen anderen Rennautos voraus. 

Erster Konstrukteurstitel

In der Formel Eins-Saison von 1980 gelang es Alan Jones, für Williams den ersten Weltmeistertitel zu gewinnen: Alan Jones gewann die Fahrerweltmeisterschaft und Williams gewann den Konstrukteurstitel. Jones dominierte die Punktetabelle und sein Teampartner Carlos Reutemann triumphierte 1980 bei einem nassen Rennen in Monaco: Das war einer der Gründe, weshalb Williams-Fahrer Reutemann später eines der Vorbilder für Ayrton Senna war.
Nach einem weiteren Sieg in der Konstrukteursweltmeisterschaft 1981 war es Zeit für eine Weiterentwicklung: Der neue FW08 war 1982 eine technologische Innovation. Zugleich war der FW08 das letzte Williams-Auto mit Saugmotor. 

Die Ära Williams-Honda

Zur Saison von 1983 stand Frank Williams vor einer Herausforderung: Die Ära der Saugmotoren in der Formel Eins war beendet – es kündigte sich die Phase der Turbomotoren an. Frank Williams gelang es, einen Deal mit Honda einzugehen: Der japanische Motorenhersteller stellte zwischen Herbst 1983 und 1987 die Motoren für das Williams-Team bereit. Der Turbowagen, der ein Ergebnis englisch-japanischer Zusammenarbeit war, feierte beim Großen Preis von Südafrika 1983 seine Premiere. 

Tragödie

1986 ereignete sich eine Tragödie im Leben von Frank Williams. Kurz vor dem Saisonauftakt im französischen Le Castellet auf dem Circuit Paul Ricard wurde Frank Williams vor Ort in einen Autounfall verwickelt. Folge des Unfalls war eine Querschnittlähmung – fortan war Frank Williams auf einen Rollstuhl angewiesen. Nachdem er sich wieder erholt hatte, nahm er wieder die Leitung seines Rennstalls auf: Williams ließ sich von seiner Lähmung nicht daran hindern, weiterhin seiner Leidenschaft nachzugehen: Im Leben von Frank Williams gab es nichts, das ihn so sehr fesselte wie den Motorsport. 

Obwohl das Jahr 1986 von einer persönlichen Tragödie für Frank Williams geprägt war, war die Formel Eins-Saison 1986 äußerst erfolgreich für das Williams-Team: Nelson Piquet, der bisher für Brabham gefahren war, stieß zum Team hinzu. Sein Teamkollege war Nigel Mansell. Das Williams-Rennauto FW11 war den anderen Fahrzeugen auf der Rennstrecke deutlich überlegen – das sicherte dem Team in Frank Williams’ Schicksalsjahr 1986 die Konstrukteursweltmeisterschaft. Zwischen beiden Williams-Fahrern gab es eine große Konkurrenz – beide waren darauf erpicht, mit dem überlegenen FW11 die Fahrerweltmeisterschaft zu gewinnen. Schließlich gewann Alain Prost die Fahrerweltmeisterschaft. 

Williams-Renault: Zurück an der Spitze

Mit dem Beginn der Neunziger läutete sich ein Jahrzehnt der Erfolge für das Williams-Team ein: Frank Williams schloss einen Deal mit dem französischen Motorenhersteller Renault, der bis 1997 andauerte. Doch zunächst war es ein anderes Formel Eins-Team, das zu Beginn der Neunziger die Rennstrecke dominierte: McLaren. Erst 1992 wurde die Dominanz des McLaren-Teams gebrochen: Williams-Fahrer Nigel Mansell stellte einen Rekord auf, indem er die ersten fünf Rennen einer Saison gewann. Schon früh in der Saison sicherte sich Mansell den Fahrertitel, wenig später folgte der erste Konstrukteurstitel für Renault. 

© Instituto Ayrton Senna
Ayrton Senna, © Instituto Ayrton Senna, entnommen aus Wikimedia Commons

1993 wiederholte sich das Erfolgsszenario für Williams: Mit Alain Prost als Fahrer gewann Williams die Fahrer- und Konstrukteursweltmeisterschaft.
Nachdem Alain Prost 1993 die Formel Eins verließ, nutzte Ayrton Senna die Gelegenheit und nahm Prosts Platz beim Williams-Team ein: Beim Großen Preis von San Marino 1994 kam Ayrton Senna, zum ersten Mal Williams-Fahrer, ums Leben.
Der Tod Ayrton Sennas war eine weitere Tragödie im Leben Frank Williams’: Fortan trug jeder Williams-Rennwagen das Senna-S als Inschrift an einem Bauteil. 

Ein letztes Mal an der Spitze

Trotz der Tragödie durch den Unfalltod Ayrton Sennas gewann Williams 1994 die Konstrukteursweltmeisterschaft. Dies gelang dem Williams-Team unter der Leitung von Frank Williams nur noch zwei Mal: 1996 mit Damon Hill als Fahrerweltmeister und 1997 mit Jacques Villeneuve als Weltmeister. Die Formel Eins-Saison von 1997 war bis heute die letzte Saison, in der Williams einen Konstrukteurs- oder Fahrertitel gewinnen konnte. 

Ein leidenschaftlicher Motorsportler

„Ich bin Motorsportler. Ich fahre auch, wenn mir keiner zuschaut, wenn keiner außer mir kommt. Ich bin so geboren, ich sterbe so.“

So formulierte es einst Frank Williams. Im Leben von Frank Williams gab es nur den Motorsport – das bezeugt auch das Buch seiner Frau Virginia Williams über das Leben mit ihrem Mann Frank Williams. Obwohl die Sternstunden des Williams-Teams in der Vergangenheit zu liegen scheinen, ist der Teamname bis heute ein großer Begriff: Das Team, das der Engländer aus dem „Dreck heraus“ gründete, wie er selbst formulierte, zählt zu den erfolgreichsten Formel Eins-Teams überhaupt. 

Am 28. November 2021 starb Frank Williams im Alter von 79 Jahren. Kurz nach seinem Unfall 1986 gaben ihm die Ärzte noch zehn Jahre: Sein Wille zum Leben und insbesondere seine Leidenschaft zum Motorsport verhinderten es, dass Frank Williams sich einer solch trüben Prognose hingab. 

Simon von Ludwig

Artikelserie über Ayrton Senna

Beitragsbild: v.l.n.r.: Patrick Head (Renningenieur und Mitgründer von Williams F1), Fahrer Carlos Reutemann und Frank Williams, 1981, entnommen aus Wikimedia Commons

Maßgebliche Quellen: Der englische und deutsche Wikipedia-Artikel über Frank Williams, das Buch „A Different Kind of Life“ von seiner Ehefrau Virginia Williams und verschiedene Statistiken zur Formel Eins-Geschichte

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