Es begann in Omaha, Nebraska: Fred Astaire, mit bürgerlichem Namen Frederick Austerlitz, wurde dort 1899 geboren. Seine Mutter war die Tochter von deutschen Eltern, sein Vater hatte österreichische Wurzeln. Gemeinsam mit seiner Schwester Adele entwickelte Fred früh ein Faible für die Poesie des Fußes – die Kunst des Tanzens. In ihrer Heimatstadt Omaha avancierten die beiden Geschwister schnell zu lokalen Berühmtheiten – es dauerte nicht lange, bis sich die Eltern ernsthafte Gedanken machten, wie ihre beiden Kinder aus ihrem Hobby einen Beruf machen könnten… 

New York

Die Familie Austerlitz entschied: Wenn aus ihren beiden Kindern professionelle Tänzer werden sollten, gab es nur einen Ort, an den sie gehen konnten: New York. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es keinen besseren Ort für aufstrebende Entertainer. Der Broadway und die stark ausgeprägte Vaudeville-Szene waren der Nährboden für eine erfolgreiche Karriere als Entertainer. Die Mutter begleitete ihre Kinder nach New York, der Vater blieb zuhause in Nebraska und stellte die Finanzierung der Tanzausbildung seiner Kinder sicher. 

Ruhm auf beiden Seiten des Atlantiks

Am 28. November 1917 traten Adele und Fred Astaire zum ersten Mal am Broadway auf: Das Stück Over the Top wurde zu einem Hit und manifestierte den Status von Adele und Fred Astaire, die inzwischen gelernt hatten, sich mit ihrem Talent einen Lebensunterhalt zu verdienen. Das Stück Over the Top wurde insgesamt 78 Mal aufgeführt.
Der Erfolg mit Over the Top war das Eintrittsticket in eine andere Welt: In den Zwanzigern feierten die Astaires Erfolge auf beiden Seiten des Atlantiks, in London wie in New York. Besonders mit dem Musical Lady, Be Good mit Musik von George und Ira Gershwin feierte das Duo großen Erfolg. 

Understatement

Die Kritiker waren stets der Meinung, Adele Astaire stünde im Mittelpunkt des Geschehens – oft wurde ihr Bruder nur in einem Nebensatz erwähnt. Deshalb war Fred Astaire auf der Suche nach einem Steckenpferd, nach etwas, durch das auch er glänzen konnte: So kam Fred Astaire zum Stepptanz. Schon zu dieser Zeit bemerkte das Publikum, dass Fred es nicht darauf anlegte, mit seinen Tanzeinlagen besonders aufzufallen: Sein Stepptanz war ein Understatement. Das Publikum war erstaunt, mit welcher Leichtfüßigkeit Fred Astaire über die Bühne glitt – oft wusste nur der versierteste Tänzer selbst, wie schwierig es war, den Stepptanz so mühelos aussehen zu lassen. 

Fred Astaire war längst nicht mehr bloß Tänzer: Er entwarf selbst Tänze und wirkte bei der Entstehung des Gershwin-Musicals Lady, Be Good mit. Das Klavierspielen lernte er in London, gemeinsam mit seinem Freund Noël Coward.
Als seine Schwester Adele 1932 einen englischen Adligen heiratete, löste sich das Astaire-Duo auf: Für Fred war es ein harter Umstieg, doch er nutzte die Gelegenheit, seine Karriere allein fortzusetzen. 

Durchbruch auf der Leinwand

In den Dreißigern gab es nur ein Medium, mit dem man die Menschen besser erreichen konnte als  auf dem Broadway: Das Kino. 1933 feierte Fred Astaire mit dem Musical Dancing Lady sein Leinwanddebüt – der Film wurde ein großer Erfolg.
Zu dieser Zeit stand Astaire bei den RKO Radio Pictures unter Vertrag, die ihn für seinen Debütfilm an die MGM Studios ausliehen. Fred Astaire spielte in dem Film noch keine Hauptrolle: Die Stars des Films waren Joan Crawford und Clark Gable.
Nachdem seine Schwester Adele sich von der Bühne verabschiedete, hatte Fred keine Tanzpartnerin mehr – ein herber Verlust für ihn. Doch wer sucht, der findet…
Noch im gleichen Jahr wurde er fündig und erzielte zugleich seinen Kino-Durchbruch: In Flying Down to Rio (1933) spielte Fred Astaire zum ersten Mal an der Seite von Ginger Rogers. 

Ginger Rogers und Fred Astaire

Das Duo Fred Astaire und Ginger Rogers avancierte zu einem der erfolgreichsten Filmduos der Hollywood-Geschichte: Die beiden drehten zwischen 1933 und 1938 insgesamt neun Filme zusammen. Diese Filme festigten den Status der RKO Studios als eines der einflussreichsten Filmstudios – das Paar Rogers-Astaire war das Zugpferd schlechthin für die RKO Studios.

Astaire erhielt durch seinen Vertrag einen Prozentsatz der Profite eines jeden Films – etwas, das zur damaligen Zeit höchst ungewöhnlich war. 

Blue Skies

1939 entschloss sich Fred Astaire, die RKO Studios zu verlassen und fortan selbst seine Filmprojekte auszuwählen. Der Höhepunkt seiner Tätigkeit als Filmschauspieler ohne Bindung an ein Studio war Blue Skies (1946): Fred Astaire glänzte besonders bei der Darbietung des Songs Puttin’ On The Ritz, die bis heute unvergessen bleibt. Mit Bing Crosby in einer weiteren Hauptrolle war dem Film Blue Skies großer Erfolg beschieden.
Fred Astaire hatte ursprünglich vor, nach Blue Skies in den Ruhestand zu gehen und in keinen Filmen mehr mitzuwirken. Er hatte Puttin’ On The Ritz als seinen Abschiedstanz auserkoren.

Doch kein Ruhestand?

Sein Plan, in den Ruhestand zu gehen, ging nicht auf: Nichtsdestotrotz markierte der Film Blue Skies 1946 eine Zäsur in der Karriere von Fred Astaire. An der Seite von Judy Garland und Audrey Hepburn spielte Astaire Ende der Vierziger und Anfang der Fünfziger zwar immer noch einige Tanzrollen, doch lange nicht mehr mit dem gleichen Erfolg wie zuvor. Außerdem hatte sich die Filmwelt nach dem Zweiten Weltkrieg stark verändert: Musicalfilme verloren immer mehr an Popularität.
Schließlich kündigte Astaire Ende der Fünfziger an, keine Tanzfilme mehr machen zu wollen: Zu diesem Zeitpunkt hatte Astaire in 30 Musicalfilmen innerhalb von 25 Jahren mitgewirkt. 

Bis kurz vor seinem Tod blieb Fred Astaire als Schauspieler aktiv: Er nahm Rollen in verschiedenen Fernsehserien und Filmen an, 1974 wurde er sogar einmal für einen Oscar für den Film Flammendes Inferno nominiert. 

Bereits 1947 gründete Fred Astaire die Fred Astaire Dancing Studios, heute eine internationale Kette von Tanzstudios. 

Modeikone und die Verfilmung seines Lebens

Neben Cary Grant galt Fred Astaire als der am besten angezogene Schauspieler in Hollywood-Filmen – bis ins hohe Alter blieb Fred Astaire eine Modeikone.
Schon zu Lebzeiten gab es immer wieder Angebote an Fred Astaire, sein Leben zu verfilmen. Fred Astaire verfügte in seinem Testament, dass es niemals eine Verfilmung seines Lebens geben dürfte.

Fred Astaire starb im Alter von 88 Jahren am 22. Juni 1987. Bis heute bleibt er einer der einflussreichsten Tänzer überhaupt: Seine Einflüsse reichen bis in die heutige Musikwelt. So widmete der Popsänger und Tänzer Michael Jackson seine Memoiren Fred Astaire und bezeichnete Astaire als sein größtes Vorbild. 

Simon von Ludwig


Maßgebliche Quellen: Levinson, Peter J.: “Puttin‘ On The Ritz – Fred Astaire and the fine art of panache“, St. Martin’s Press New York & der englische und deutsche Wikipedia-Artikel über Fred Astaire


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