Fortsetzung von Teil eins

Armstrong war nicht nur maßgeblich an der Erfindung des Swing beteiligt, er galt auch lange Zeit als der King of Swing: Während der Blütezeit des Swing in den Dreißigern und Vierzigern feierte Louis Armstrong große Erfolge. 
1930 entschied sich Louis Armstrong, nach Los Angeles zu ziehen: Während der wirtschaftlichen Depression mussten viele Clubs schließen und Bands lösten sich auf. Nicht zuletzt blieb das Publikum aus. Doch Hollywood blieb eine Ausnahme: Die Hauptstadt der Filmprominenz zog zahlreiche Musiker aus der Jazzszene an – so auch Louis Armstrong. 

Der Entertainer

In den Dreißigern avancierte Louis Armstrong zu einem Entertainer: Er verstand es, Jazz-Musik mit Unterhaltung zu verbinden und feierte so großen Erfolg, sowohl auf der Bühne als auch auf der Platte. Durch seine Performance auf der Bühne erreichte Louis Armstrong auch Menschen, die damals noch gar nichts vom Jazz wussten.
1932 kam Louis Armstrong zu seiner ersten Auslandstournee in England an: In Europa war die Jazzmusik bisher kaum bekannt. Ein Reporter in England war sogar so nervös, dass er Armstrong anstatt Satchelmouth (engl. für Tornistermund, Armstrongs Spitzname) Satchmo nannte.
So entstand Louis Armstrongs Spitzname Satchmo, der ihn fortan begleiten sollte. 

Armstrong und sein Verhältnis zum Bebop

Ende der Dreißiger Jahre wirkte Armstrong in Jazz-Fassungen von Broadway-Stücken mit – unter anderem in A Midsummer Night’s Dream, einer Jazz-Version von Shakespeares Klassiker.
In den Vierzigern kam eine neue Stilrichtung des Jazz auf: Der Bebop. Damals galt der Bebop als Nachfolger des klassischen New-Orleans-Jazz, den Louis Armstrong repräsentierte: Mit der Geburt eines neuen Genres standen auch andere, jüngere Musiker im Vordergrund.
Auch die Swingära war nach dem Zweiten Weltkrieg zu Ende. 

Louis Armstrong blieb bei seinem Musikstil: Der Bebop hob alle Regeln, die bisher für den Jazz galten, auf. Für Armstrong, der aus New Orleans, der Geburtsstadt des Jazz kam, wäre es undenkbar gewesen, seinen Stil anzupassen. 

Louis Armstrong and His All Stars

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg begannen Hollywoods Regisseure, sich für die Jazzgeschichte zu interessieren: Im Film New Orleans (1947), der sich mit der Geburt des Jazz auseinandersetzt, spielte Louis Armstrong sich selbst.
Mit seiner Band Louis Armstrong and His All Stars feierte Armstrong ab Ende der Vierziger große Erfolge: Die Band wurde zu Jazzfestivals weltweit eingeladen und war erfolgreich im Plattengeschäft. Armstrong holte unter anderem den Pianisten Earl Hines in seine Band, mit dem er bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet hatte. Die All Stars waren eine Rückkehr zu den Wurzeln des Jazz: Diese Rückkehr wurde durch das allgemeine Interesse an der Geschichte des Jazz begünstigt. 

Zwischen 1947 und 1960 waren die All Stars die erfolgreichste Jazzband der Welt.
1956 trat Louis Armstrong mit seiner Band im Filmmusical Die oberen Zehntausend auf – die anderen Hauptrollen spielten Bing Crosby, Grace Kelly und Frank Sinatra. Louis Armstrong and His All Stars untermalten nahezu jedes Musikstück von Die oberen Zehntausend

Kultureller Botschafter

Armstrong war inzwischen ein kultureller Botschafter: Seine Rolle in der Erfindung des Jazz und des Swing machten ihn weltweit bekannt. Obwohl die Bebop-Musik ab 1945 den traditionellen Jazz immer mehr verdrängte, verharrte Louis Armstrong mit seiner Band wie ein Fels in der Brandung: Zwar interpretierte Armstrong später in seiner Karriere auch Schlagersongs, doch dem New Orleans-Jazz blieb er immer verbunden.

We Have All the Time in the World

Eines der letzten Highlights seiner Karriere als Musiker war der James Bond-Titelsong We Have All the Time in the World zum Lazenby-Bond Im Geheimdienst Ihrer Majestät (1969). Der Titelsong sticht bis heute aus der Reihe der James-Bond-Songs hervor.
Der Komponist John Barry wählte Armstrong für das Titellied aus, weil er „vermochte, den Song mit Ironie darzubieten“. Obwohl das Lied eine romantische Note trägt und deswegen gerne bei Hochzeiten gespielt wird, hat es im Film selbst eine ironische Bedeutung.
2021 wurde die Melodie von We Have All the Time in the World für den Daniel Craig-Bond Keine Zeit zu sterben verwendet. 

Louis Armstrong tourte bis kurz vor seinem Tod. Keiner konnte ihn davon abhalten, regelmäßig aufzutreten und sein Trompetenspiel zu üben. 
Am 6. Juli 1971 starb Louis Armstrong in seinem Haus in Queens, New York.

Simon von Ludwig

Jazz bei Der Bussard

Maßgebliche Quellen: Knauer, Wolfram: „Black and Blue – Louis Armstrong – Sein Leben und seine Musik“, 2021 Reclam Verlag und verschiedene Schallplatten mit Aufnahmen von Louis Armstrong

Beitragsbild: © Simon von Ludwig

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