Eigentlich war es ein Unfall: Der englische Komponist Monty Norman erhielt 1962 den Auftrag, zum ersten Bond-Film Dr. No die Filmmusik zu komponieren. John Barry arrangierte. Was kam heraus? Eine Mischung aus Jazz, Klassik und Pop. Das James Bond Theme war fortan die Erkennungsmelodie jedes James Bond-Streifens.
1962 war es äußerst ungewöhnlich, genreübergreifende Musik zu komponieren: Was zunächst wie ein Unfall aussah, entpuppte sich schon bald als phänomenaler Erfolg.

„John Barry war einer der wenigen Menschen, die ein eigenes Genre der Filmmusik begründeten: Das Agentengenre.“

Das formulierte David Arnold, der selbst fünf Bond-Streifen musikalisch untermalte. 

James Bond Theme

Was Monty Norman und John Barry in die Welt setzten, wurde in den folgenden Jahrzehnten immer weiterentwickelt: Die Melodie blieb gleich, geändert wurden die Arrangements. 1969 war in Im Geheimdienst Ihrer Majestät ein Synthesizer zu hören, in den Siebzigern griff man zu Disco-Einlagen und in den Achtzigern verewigte sich die elektronische Musik im James Bond Theme.

Bis heute bleibt es Aufgabe des James Bond Theme, zeitgenössische musikalische Strömungen zu bündeln und so dem Zuhörer zu gefallen. Dabei untermalt das Theme vor allem actiongeladene Szenen.

George Lazenby mit Diana Rigg auf dem Pilz Gloria
George Lazenby mit Bond-Girl Diana Rigg auf dem Piz Gloria während der Dreharbeiten zu Im Geheimdienst Ihrer Majestät, © ETH-Bibliothek Zürich / Fotograf: Heinz Baumann, entnommen aus Wikimedia Commons

Die Königsdisziplin der Popmusik

Neben dem James Bond Theme gibt es noch eine musikalische Einlage, die keinem Bond-Film fehlen darf: Der James Bond-Titelsong. Auch er wandelte sich im Laufe der Jahrzehnte. Im ersten Film Dr. No nahm er noch eine hintergründige Rolle ein, spätestens aber in Goldfinger war der Bond-Song, wie man ihn bis heute kennt, geboren: Die Königsdisziplin der Popmusik, wie oft geschrieben wird. Die Sängerin Shirley Bassey gab den Song Goldfinger aus der Feder von John Barry zum Besten: Zum ersten Mal war der Bond-Song Bestandteil des Filmvorspanns. Es ist schwierig, an den Bond-Klassiker Goldfinger zu denken und dabei nicht das Echo der Stimme Shirley Basseys im Kopf zu hören. 

He strikes like Thunderball

Einen ähnlichen, aber doch eigenen Anklang wählte Tom Jones bei der Interpretation des Hits zum nächsten Bond-Film Feuerball: Die westliche Filmindustrie war in Bond-Manie verfallen – dementsprechend war auch der Text von Thunderball aus der Feder von John Barry:

He looks at this world and wants it all,
So he strikes like Thunderball. 

Die letzte Textzeile beschreibt die Wirkung, die ein James Bond-Film Mitte der sechziger Jahre erzielen konnte: Jeder neue Bond-Streifen schlug ein wie ein Feuerball.  

Doch Sean Connery verlor allmählich das Interesse an der Rolle des James Bond und verließ das Franchise nach Erfüllung seines Vertrags, der fünf Filme umfasste. Das Produzentengespann Broccoli und Saltzman engagierte George Lazenby in der Rolle des James Bond. Schon länger plante man eine Verfilmung von Ian Flemings Im Geheimdienst Ihrer Majestät. Da Lazenby zuvor noch nicht allzu viel Bekanntheit erlangt hatte, brauchte man ein weiteres Zugpferd: Louis Armstrong. Mit We Have All The Time In The World lieferten Satchmo und John Barry einen der romantischsten James Bond-Titelsongs. Hal David schrieb die Lyrics. 

Live and Let Die

1973 setzte ein Wandel in der Welt des Bond-Titelsongs ein: Nachdem 1971 Shirley Bassey mit Diamonds Are Forever im gleichnamigen Bond-Film zurückgekehrt war, ging man neue Wege: Paul und Linda McCartneys Live and Let Die, das Elemente des Progressive Rock in sich trägt, brachte frischen Wind in die Welt der James Bond-Titelsongs. Roger Moore hatte inzwischen die Rolle des James Bond übernommen. Live and Let Die war das erste Mal seit Dr. No, dass John Barry die musikalische Regie über den neuen Bond-Song abgab. Paul McCartney, der ehemalige Sänger und Bassist der Beatles als Interpret eines Bond-Songs: Mit Sean Connery hätte es so etwas nicht gegeben. Er sagte nämlich in seiner Rolle als 007 in Goldfinger:

„Man trinkt zum Beispiel nie einen 53er Dom Pérignon, wenn er eine Temperatur über 8 Grad hat. Das wäre genau so, als höre man den Beatles ohne Ohrenschützer zu.“ 

Nobody Does It Better

Carole Bayer Sager, die Co-Songwriterin des Bond-Songs von 1977 zum Film Der Spion, der mich liebte, beschrieb die Lyrics ihres Bond-Songs Nobody Does It Better als „incredibly vain“ [dt. unglaublich eitel]. Es gab nur eine Sängerin in den Siebzigern, die sich mit Eitelkeit auskannte: Carly Simon. Fünf Jahre zuvor landete sie mit You’re So Vain einen großen Hit. Damit stand die Wahl fest.
Nobody Does It Better, gesungen von Carly Simon, ist bis heute einer der meistgespielten Bond-Hits. Außerdem war es der erste Bond-Song, der nicht den Titel des Films trug, in dem er gespielt wurde.
Co-Songwriter Marvin Hamlisch gab zu, für die Adaption des James Bond Theme in Der Spion, der mich liebte, ein wenig von den Bee Gees gestohlen zu haben. Die Szene, in der Bond und Anya durch die Wüste reiten, wurde mit Musik aus Lawrence von Arabien untermalt: Das großzügige Budget eines Bond-Streifen machte es möglich, Rechte von anderen Filmmusiken zu erwerben. 

Carly Simon 1974
Carly Simon 1974, © Elektra Records, entnommen aus Wikimedia Commons

Erstes Bond-Musikvideo

1983 befand sich das James Bond-Franchise auf einem Allzeithoch: Am 29. März 1983 wurde angekündigt, dass die Sängerin Rita Coolidge den neuen Bond-Song All Time High singen würde und außerdem im ersten James Bond-Musikvideo mitwirken würde. John Barry kehrte als Komponist zurück und verfasste gemeinsam mit Tim Rice gemeinsam die Lyrics zu All Time High

007 an der Spitze der Musikcharts

Mit dem Synth-Pop-Hit A View to a Kill von der Band Duran Duran demonstrierte das Bond-Franchise wieder einmal aufs Neue, dass es sich mit dem Musikgeschmack der Zeit bewegte: Der letzte James Bond-Film mit Roger Moore als 007 steht nicht nur aus musikalischer Sicht im Zeichen der Zeit, in der er gedreht wurde: James Bond kämpft gegen den Bösewicht Zorin (Christopher Walken), der plant, Silicon Valley dem Erdboden gleich zu machen, um mit seiner eigenen Firma ein Monopol auf dem Mikrochipmarkt aufzubauen. Das Musikvideo von Duran Duran führte dazu, dass zum ersten Mal ein James Bond-Song an den Spitzen der Charts landete. 

Zwischen Pop und Klassik

Im August 1986 wurde Timothy Dalton als neuer James Bond-Schauspieler angekündigt. John Barry ließ sich ein letztes Mal darauf ein, die Musik zum neuen James Bond-Film The Living Daylights zu komponieren. 1986 hatte Barry seinen vierten Oscar für den Soundtrack zu Out of Africa gewonnen. Gemeinsam mit dem Songwriter der norwegischen Band A-ha Pål Waaktaar verfasste er den Bond-Hit The Living Daylights. Es war das letzte Mal, dass John Barry sein umfangreiches Talent in einem Bond-Song unter Beweis stellte: Barry war Pop-Songwriter und Orchesterkomponist zugleich. Sein größtes Geheimnis aber war, neue Technologien der Musikwelt gekonnt einzusetzen. Als Ausgleich zum Pop von A-ha spielt Klassische Musik im Film The Living Daylights eine große Rolle: Das Bond-Girl Kara Milovy (Maryam d’Abo) spielt in mehreren Filmsequenzen Cello.
Zum Ende des Films spielt Kara mit einem Orchester Tschaikowskis Rokoko-Variationen: Am Dirigentenpult steht John Barry persönlich. Es war sein Abschied von James Bond.  

Skyfall

2012 erlebte der James Bond-Song in seiner ursprünglichen Form eine Renaissance: Adele und Paul Epworth komponierten gemeinsam den Bond-Song zu Skyfall. Die klassische Orchestrierung des Songs und Adeles Soul-Stimme erinnern an die ersten James Bond-Klassiker: Auch das ursprüngliche James Bond Theme, das nach dem ersten Chorus eingebettet wurde, fand Eingang in Skyfall

James Bond ohne Bond-Song: Heute undenkbar. Die musikalischen Größen Monty Norman und John Barry verewigten ihre Talente in den ursprünglichen James Bond-Soundtracks. Mit jedem Interpreten wächst das Repertoire an Bond-Songs, das inzwischen fast ein eigenes Genre gebildet hat. Der Bond-Song ist und bleibt die Königsdisziplin der Popmusik.

Simon von Ludwig

James Bond bei Der Bussard

Beitragsbild: Shirley Bassey 1971, © Rob Mieremet, entnommen aus Wikimedia Commons

Maßgebliche Quellen: Burlingame, John: The music of James Bond, 2014 Oxford University Press sowie der englische Wikipedia-Artikel über die Musik der James Bond-Filme

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