„Der Ozean war hier!“, hört man bis heute Winzer sagen, die Weinbau in der französischen Anbauregion Cognac betreiben. Vor 80 Millionen Jahren war der Ozean tatsächlich in Cognac: Das bezeugen die zahlreichen Fossilen, die sich in den Weinböden der Cognac verstecken. Nicht selten kommt es vor, dass man versteinerte Muscheln in der südwestfranzösischen Anbauregion findet.

Heute ist der Nordatlantik knapp 50 Kilometer entfernt: 80 Millionen Jahre hinterließen ihre Spur, ganze Kontinente verschoben sich. Doch was übrig geblieben ist, sind die Böden, in denen ganze Äonen der Erdgeschichte abgelesen werden können. 

Grundlage des Cognacs

Die Grundlage des Cognacs ist die Weißweinsorte Ugni Blanc, auch Trebbiano genannt, deren Wurzeln knapp 15 Meter tief in die Erde reichen. Ugni Blanc: Sie ist eine der ältesten und meistangebauten Rebsorten der Welt und wirtschaftlich extrem ertragreich. Nicht nur für den Cognac kommt Ugni Blanc zum Einsatz: Zahlreiche Weine mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung (DOC) basieren auf dieser Rebsorte. Oft wird die Rebsorte nicht als solche erkannt, da es sage und schreibe 157 Synonyme für die Rebsorte Ugni Blanc gibt. 

Anbaugebiete und Herstellung

70.000 Hektar Rebfläche, sechs Weingebiete: Das Kerngebiet der Region nennt sich Grande Champagne. Daneben gibt es die Petite Champagne, die Fins Bois, die Borderies, die Bons Bois und die Bois Ordinaires. Die Bezeichnung Fine Champagne verdient ein Cognac, der zur einen Hälfte aus der Grande Champagne und zur anderen Hälfte aus der Petite Champagne stammt.
Nach der Auslese wird zuerst leicht säurereicher Wein hergestellt, anschließend kommt es in einem zweifachen Brennverfahren zur Herstellung des sagenumwobenen Edelweinbrands.
Nun folgt das entscheidende Qualitätsmerkmal eines Cognacs: Die Lagerung. Die Lagerung des Weinbrands findet in Fässern aus Limousin-Eichenholz statt. Das Holz für jene Fässer wird aus den nahegelegenen Wäldern der Limousin-Region gewonnen. 

Karte des Weinbaugebiets um Cognac
© Bilz0rMap of Cognac Regions3CC BY-SA 3.0

Einstufung des Cognacs

Je nachdem, wie lange ein Cognac im Barrique lagert, wird er eingestuft: VS steht für „Very Special“ und setzt eine Fassreife von mindestens zwei Jahren voraus. Mit VSOP („Very Superior Old Pale“) gekennzeichneter Cognac lagerte mindestens vier Jahre im Fass und Cognac mit dem Etikett XO („Extra Old“) lagerte mindestens zehn Jahre. Meist ist eine Flasche Cognac eine Assemblage (Komposition) aus Branntweinen verschiedener Jahrgänge und Lagen.
Es lässt sich sagen: Je länger die Lagerzeit, desto kostbarer ist meist auch der Cognac. Durch eine längere Lagerzeit vermischen sich die Aromen aus dem Wein mit den Aromen aus dem Holzfass, in dem der Weinbrand gelagert wird. Durch die lange Lagerzeit erhält das eigentlich klare Destillat eine bernsteinbraune Färbung: Je länger die Lagerzeit, desto dunkler ist meist das Erzeugnis. 

Exportschlager Cognac

200 Millionen Flaschen Cognac werden jährlich exportiert – somit fließen knapp 98 Prozent der Cognac-Erzeugung in den Weltmarkt: Selbst in Fernost und in Indien ist der Name Cognac den Menschen ein Begriff. Besonders in den USA herrscht ein großer Cognac-Boom: Afroamerikanische GIs lernten den Cognac im Ersten Weltkrieg kennen und brachten ihn in die Heimat.
An der Cognac-Herstellung sind knapp 50.000 Winzer beteiligt, von denen aber nur 6.000 ihre Erzeugnisse selbst destillieren. Die meisten Winzer übergeben ihre Auslesen den 250 Brennereien und über 300 Handelshäusern, die den Cognac destillieren, lagern und weltweit vermarkten. 

Simon von Ludwig


Beitragsbild: © Simon von Ludwig, alle Rechte vorbehalten

Maßgebliche Quellen: Jarrard, Kyle: “The Seductive Saga of the World’s Most Coveted Spirit“, 2005 John Wiley & Sons und die Brockhaus-Enzyklopädie

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