Er verkörperte das Genre des Westerns wie kaum ein anderer Schauspieler: Ob in der Rolle des Doc Holliday oder eines Sheriffs, Douglas beherrschte ein großes Repertoire an Rollen.
Douglas stammte aus armen Verhältnissen: In einem seiner Bücher beschrieb Douglas später, er habe mit einem einzigen Film mehr Geld verdient als sein Vater in seinem ganzen Leben.
Um überhaupt an eine Ausbildung zu gelangen, musste Kirk Douglas hart arbeiten: Er soll unter anderem als Hausmeister gearbeitet haben, um sich seine Ausbildung zu finanzieren. Zunächst erhielt Douglas ein Stipendium, um Ringkampf zu studieren: Sein Stipendium für die American Academy of Dramatic Arts in New York folgte erst später.
Als einen entscheidenden Einfluss in seinem frühen Leben beschreibt Kirk Douglas eine Englischlehrerin, die ihn in der High School unterrichtete: Die Lehrerin soll in Douglas eine Faszination für Poesie und Literatur geweckt haben und ihn darin bestärkt haben, sich weiter fortzubilden. 

Ausbildung und der Film noir

Seine Ausbildung an der American Academy of Dramatic Arts führte Douglas an den Broadway: Anfang der Vierziger wurde seine Broadway-Karriere jedoch durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Nachdem er seinen Armeedienst bei der U.S. Navy abgeleistet hatte, kehrte er an den Broadway zurück und war bereit, seine Karriere als Schauspieler in Angriff zu nehmen.
Kirk Douglas studierte gemeinsam mit der Schauspielerin Lauren Bacall: Bacall soll den Produzenten Hal Wallis davon überzeugt haben, Kirk Douglas in Die seltsame Liebe der Martha Ivers [The Strange Love of Martha Ivers, 1946] zu besetzen.
Bei dem Film handelte es sich um einen film noir, wie er für die zweite Hälfte der Vierziger typisch war. Barbara Stanwyck spielte die Hauptrolle.
Der Film brachte Kirk Douglas sehr positive Kritiken ein – Douglas hatte das besondere Glück, mit seinem ersten Hollywood-Film einen Volltreffer zu landen. Fortan war er ein gefragter Darsteller in Hollywood. 

Kirk Douglas und Burt Lancaster – das ist eines der bemerkenswertesten Darstellerduos der späten Vierziger und Fünfziger.

Douglas und Burt Lancaster

Einige von Kirk Douglas’ frühen Filmen gelten heute als Klassiker, nicht zuletzt deswegen, weil sie für das film noir-Genre als genredefinierend gelten.
1948 spielte Kirk Douglas in Vierzehn Jahre Sing-Sing [I Walk Alone] zum ersten Mal an der Seite von Burt Lancaster: Es war der Beginn einer Zusammenarbeit, die sich über insgesamt sieben Filme erstrecken sollte. Kirk Douglas und Burt Lancaster – das ist eines der bemerkenswertesten Darstellerduos der späten Vierziger und Fünfziger.
Zu den bekanntesten Filmen mit Kirk Douglas und Burt Lancaster in den Hauptrollen zählen unter anderem Zwei rechnen ab [Gunfight at the O.K. Corral, 1957] und der Politthriller Sieben Tage im Mai [Seven Days in May, 1963]. Zu einem weiteren Western-Klassiker mit Kirk Douglas in der Hauptrolle zählt Der letzte Zug von Gun Hill [Last Train from Gun Hill, 1959].

Antike Mythen & van Gogh

Kirk Douglas war ab Mitte der Fünfziger nicht nur in Hollywood gefragt: Seine Rolle in der italienischen Monumentalproduktion Die Fahrten des Odysseus [Ulisse, 1954] katapultierte Kirk Douglas weit nach vorne. Mit zehn Millionen Dollar Herstellungskosten – das entspräche heute einem Budget von über hundert Millionen Dollar – zählte die Aufarbeitung der Odysseus-Sage damals zu den teuersten Farbfilmproduktionen überhaupt. Im Film spielte ebenfalls Anthony Quinn mit. 1956 spielte Kirk Douglas erneut an der Seite von Anthony Quinn im Biopic Vincent van Gogh – Ein Leben in Leidenschaft [Lust for Life]. Douglas übernahm die Rolle des van Gogh, Quinn spielte Paul Gauguin. Mit seiner Rolle als Vincent van Gogh zeigte Douglas, dass er keinen Western-Filmstoff brauchte, um als Darsteller zu brillieren. Die Rolle des van Gogh lag Douglas sehr am Herzen – er soll sogar einschneidende Bedingungen von MGM akzeptiert haben, um die Rolle spielen zu dürfen.
Ab Mitte der Fünfziger avancierte Douglas somit zu einem Charakterdarsteller. 

Seine Rolle im Film Die Fahrten des Odysseus hatte in Douglas eine Faszination für antike Mythen geweckt: Er produzierte in der Folge den Monumentalfilm Spartacus (1960) selbst. Dafür hatte er eigens die nach seiner Mutter benannte Produktionsfirma Bryna Productions gegründet, die zwischen 1955 und 1986 zahlreiche Filme produzierte. Schon früh in seiner Karriere war Kirk Douglas sich bewusst, dass er eine eigene Produktionsfirma brauchte, wenn er den größtmöglichen kreativen Freiraum genießen wollte.
Spartacus dreht sich rund um einen Sklavenaufstand im antiken Rom. Zusätzlich zu seiner Rolle als Produzent übernahm Douglas die Titelrolle des Spartacus. 

Für Douglas war Spartacus ein Herzensprojekt.

Spartacus

Da Douglas nun zum ersten Mal in seiner Karriere nicht nur Schauspieler, sondern auch Produzent war, machte er zahlreiche neue Erfahrungen: Douglas machte gar so viele bewegende Erfahrungen, dass er später ein eigenes Buch über die Produktion von Spartacus verfasste.
Der Film basierte maßgeblich auf dem gleichnamigen Roman von Howard Fast, der wegen seiner politischen Einstellung kein Verlagshaus fand, um sein Werk zu veröffentlichen: Er nahm die Möglichkeit wahr, das Buch im Eigenverlag zu veröffentlichen. Da Howard Fast wegen seiner kommunistischen Einstellung eine persona non grata war, sorgte schon die Veröffentlichung des Buchs für Aufruhr. Für Schlagzeilen sorgte dann Kirk Douglas, als er den Autor Dalton Trumbo verpflichtete, um das Drehbuch zu schreiben: Als einer der Hollywood Ten war Trumbo in den 1950ern auf der schwarzen Liste des Komitees für unamerikanische Tätigkeiten gewandert.
Mit diesem Auftrag holte Douglas Dalton Trumbo aus einem Karriereloch heraus – in seinem Buch über die Produktion von Spartacus beschreibt Douglas, wie der einst bestbezahlte Drehbuchautor Hollywoods mit einem alten Fahrzeug, das nur kaum die halbstündige Fahrt von Pasadena nach Beverly Hills durchhielt, in seiner Einfahrt parkte. Welche politische Einstellung Trumbo hatte, war für Douglas gänzlich unwichtig – für ihn ging es um die künstlerische Leistung, die Trumbo erbringen konnte. 

Der Monumentalstreifen Spartacus, in dem unter anderem auch Peter Ustinov, Tony Curtis, Laurence Olivier und Charles Laughton mitspielten, wurde ein großer Erfolg und gewann vier Academy Awards. Für Douglas war Spartacus ein Herzensprojekt: Ursprünglich hatte er die deutsche Schauspielerin Sabine Bethmann für die Rolle der Varinia vorgesehen. Als Stanley Kubrick den Posten des Regisseurs übernahm, verpflichtete er jedoch die Britin Jean Simmons für die Rolle. Obwohl Douglas Produzent war, hatte er nur teilweise die kreative Hoheit über den Film – für Bethmann wäre Spartacus die Chance schlechthin gewesen, doch nun blieb ihr Hollywood-Durchbruch Zeit ihres Lebens aus. 

Ein Mann voll Bescheidenheit

Trotz seiner Tätigkeit als Produzent blieb Kirk Douglas vor allem eines: Schauspieler. Produzieren wollte er nicht, um einen finanziellen Vorteil daraus zu ziehen, sondern um die größtmögliche kreative Hoheit über die Filme zu erhalten, in denen er spielte. Douglas spielte unter anderem an der Seite von Legenden wie John Wayne in Erster Sieg [In Ham’s Way, 1965] oder Gert Fröbe im starbesetzten Monumentalfilm Brennt Paris? [Paris brûle-t-il?, 1966]. 
Kirk Douglas vergaß nie, aus welchen armen Verhältnissen er ursprünglich kam: Er soll es bedauert haben, dass er seinen Kindern – unter ihnen der berühmte Charakterdarsteller Michael Douglas – nicht zeigen konnte, was es bedeutete, nicht im materiellen Überfluss aufzuwachsen.
Trotz seines Status als Hollywood-Stars blieb Kirk Douglas ein Mann voll Bescheidenheit, der großen Wert auf den künstlerischen Wert seiner Arbeit legte. 

Simon von Ludwig


Beitragsbild: Kirk Douglas 1955 in Amsterdam anlässlich der Dreharbeiten zu Vincent van Gogh – Ein Leben in Leidenschaft
Bildnachweis: Fotograaf Behrens, Herbert / Anefo, Nationaal Archief, CC0

Maßgebliche Quellen:

  • Douglas, Kirk: I Am Spartacus!: Making a Film, Breaking the Blacklist, 2012 Open Road Media
  • Douglas, Kirk: Let’s Face It: 90 Years of Living, Loving, and Learning, 2007 Wiley 

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