Fortsetzung von Teil eins

Nach dem Triumph von Ordinary People schien Robert Redford unantastbar: Als Schauspieler und Regisseur hatte er Hollywoods Kronjuwelen errungen, doch der Preis war die Isolation. „Ich war immer der Außenseiter“, sagte er einmal in einem Interview später. Der Mann aus Utah, der Sundance zu einem Hort der Kreativität machte, sehnte sich nach Geschichten jenseits des Mainstreams.

In den frühen 1980ern vertiefte Redford sein Engagement für den unabhängigen Film: Sein Resort in Provo Canyon wurde zum Sundance Institute, einem Labor für unabhängige Filmemacher. „Die Industrie wurde vom Mainstream kontrolliert… Ich sah andere Geschichten, die keine Chance hatten“, erklärte er 2018. Die Labs luden Talente wie Quentin Tarantino und Steven Soderbergh ein, fernab kommerzieller Zwänge. 1985 entstand daraus das Sundance Film Festival in Park City – ein Meilenstein, der Indie-Kino revolutionierte.

Doch Redford kehrte zur Schauspielerei zurück: In The Natural (1984) verkörperte er den mythischen Roy Hobbs, einen Film mit vier Oscar-Nominierungen. Seine wahre Prüfung wartete jedoch in Afrika.

„Out of Africa“ – Die Savanne ruft

1985 drehte Sydney Pollack Out of Africa, die Verfilmung von Karen Blixens gleichnamigen Memoiren von 1937. Redford, ein Freund Pollacks seit 1960, übernahm die Rolle des Großwildjägers Denys Finch Hatton – dem Geliebten der dänischen Baronin Karen Blixen (Meryl Streep). Der Film, produziert von Universal und Mirage Enterprises, wurde größtenteils in Kenia bei den Ngong Hills gedreht, unter freiem Himmel, untermalt von John Barrys unvergesslicher Musik und David Watkins’ atemberaubender Kameraführung.

Ahnte er, dass diese Rolle – fernab der Western – sein Vermächtnis als Brückenbauer zwischen Alt und Neu unterstreichen würde?

Die Produktion war ein Abenteuer: Logistische Herausforderungen durch das Gelände, Monsune und die Weite der Savanne prägten die Dreharbeiten. Redford, der keine Vorerfahrung mit Flugzeugen hatte, lernte fliegen – essenziell für Finch Hattons Flugszenen. „Es war, als würde man in eine andere Welt eintauchen“, erinnerte er sich. Pollack, der zuvor The Way We Were (1973) mit Redford gedreht hatte, drängte auf Authentizität: Redford rasierte sich den Bart, den er sonst trug und gewöhnte sich einen britischen Akzent an, um dem realen Finch Hatton zu entsprechen. Streep, als Karen Blixen, managte die Farm allein, während ihr Ehemann Bror (Klaus Maria Brandauer) jagte; ihre Begegnung mit Denys begann mit einer Löwenrettung und mündete in einer leidenschaftlichen, doch freien Liebe – geprägt von Safaris, Kompass-Geschenken und dem Verlust von Freunden wie Berkeley (Michael Kitchen) an Malaria.

Redfords Darstellung war nuanciert: Finch-Hatton als charismatischer Freigeist, der Freiheit über Bindung stellte, spiegelte Redfords eigene Persönlichkeit wider. „Denys war ein Mann der Horizonte“, sagte Pollack über die Rolle. Der Film erhielt elf Oscar-Nominierungen und gewann sieben: Bester Film, Beste Regie (Pollack), Beste Kamera, Kunstregie, Musik, Ton und adaptiertes Drehbuch (Karl Luedtke). Streep wurde für die beste Hauptdarstellerin nominiert, Redford erhielt eine BAFTA-Nominierung. Out of Africa spielte über 350 Millionen Dollar ein und festigte Redfords Status als globaler Star. Ahnte er, dass diese Rolle – fernab der Western – sein Vermächtnis als Brückenbauer zwischen Alt und Neu unterstreichen würde?

Redfords Vision schuf einen Raum für Vielfältigkeit, inklusive indigener Stimmen.

Sundance und die einsame Spitze

Nach Out of Africa lenkte Redford den Fokus auf Regie: The Milagro Beanfield War (1988) thematisierte Umweltschutz in New Mexico, A River Runs Through It (1992) erzählte von Fliegenfischen in Montana. Quiz Show (1994), der einen TV-Skandal der 1950er aufgriff, brachte vier Oscar-Nominierungen, darunter für beste Regie. Als Schauspieler blieb er selektiv: In Indecent Proposal (1993) glänzte er als Milliardär, in The Horse Whisperer (1998), den er auch inszenierte, stellte er erneut sein Können in einer Literaturverfilmung unter Beweis.

Derweil blühte Sundance: Das Festival präsentierte Debüts wie Blood Simple (1985) der Coen-Brüder und sex, lies, and videotape (1989) von Soderbergh. Redfords Vision – „Kunst und Natur verbessern die Welt“ – schuf einen Raum für Vielfältigkeit, inklusive indigener Stimmen.

Vermächtnis

In den 2000ern zog sich Redford sukzessive zurück: In Spy Game (2001) trat er an der Seite von Brad Pitt in Erscheinung, in der US-amerikanisch-deutschen Produktion The Clearing (2003) traf er auf Helen Mirren. In All Is Lost  (2013) spielte er einen Segler im Ozean – eine stille Meisterleistung. Später verewigte er sich als Alexander Pierce in Captain America: The Winter Soldier (2014) und Avengers: Endgame (2019) zum Ende seiner Karriere hin im Marvel-Universum.

2018 kündigte er seinen Rückzug an: „Ich habe es seit meinem 21. Lebensjahr getan.“, so sein Statement. Sein letzter Film: The Old Man & the Gun (2018).

Robert Redford starb am 16. September 2025 in im Alter von 89 Jahren in seinem Resort in Utah. Er hinterließ zwei Töchter, sieben Enkelkinder und ein Erbe, das über Filme hinausreicht: Sundance veränderte das Kino, indem es Geschichten Raum bot, die sonst nie Anklang gefunden hätte. „Was könnte schlimmer sein, als einen Star zu spielen?“, fragte er einmal – doch Redford spielte nie nur die Rolle, für die er sich vertraglich verpflichtet hatte. Er war der Wächter der Wildnis, auf der Leinwand und in Utah.

Simon von Ludwig


Maßgebliche Quellen: Britannica: Out of Africa (2025); Sundance.org: Redford Legacy (2025); Biography.com: Robert Redford (2025)

Beitragsbild: Robert Redford 1989 im Weißen Haus, © George Bush Presidential Library and Museum, Public domain, via Wikimedia Commons


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