Audrey Kathleen van Heemstra Ruston wurde am 4. Mai 1924 in Brüssel geboren: Obwohl ihre Mutter dem holländischen Adel angehörte, verbrachte sie ihre Kindheit und Jugend nicht unbedingt in wohlhabenden Verhältnissen. Das Vorurteil, dass Hepburn wegen ihrer aristokratischen Herkunft aus einer wohlhabenden Familie käme, hielt sich ihr Leben lang und wurde regelmäßig von ihr dementiert.
Als Hepburn eine Jugendliche war, schaffte es ihre Mutter Ella van Heemstra, ihre Tochter unmittelbar nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges aus England nach Holland zu bringen. In einer der letzten Passagiermaschinen, die den Ärmelkanal überflogen, saßen Audrey Hepburn und ihre Mutter auf dem Weg nach Arnheim in den Niederlanden. 

Ballett

Ihre Jugend verbrachte Hepburn in den Niederlanden, die vom Krieg gezeichnet waren: Die Lebensmittel waren knapp, ihre Familie führte ein Leben voller Entbehrungen und teilte das Schicksal von zahlreichen anderen Familien. Trotz der äußeren Umstände war es Audrey Hepburn möglich, ihrer Leidenschaft in jungen Jahren nachzugehen: Dem Ballett. Als eine englische Ballettgruppe im Mai 1940 Arnheim besuchte, war es ein besonderes Ereignis für die junge Audrey Hepburn: Ihre Mutter ließ ihr zu diesem Anlass eigens ein Kleid schneidern. 

Ihre Mutter half der Ballettgruppe, den Auftritt in Arnheim zu realisieren: So kam Audrey Hepburn recht früh in Kontakt mit dem Showbusiness. 

England

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging Audrey Hepburn nach England: Durch die britische Herkunft ihres Vaters besaß sie die britische Staatsbürgerschaft. Dort arbeitete sie einige Zeit als Model für Modefotografien und traf unter anderem den späteren James Bond-Darsteller Roger Moore.
Ihren Traum, es eines Tages zu einer erfolgreichen Balletttänzerin zu bringen, gab Audrey Hepburn bald auf. Hepburn hätte nicht nur eine sehr lange Ausbildung absolvieren müssen, zur damaligen Zeit konnte eine Balletttänzerin von ihrer Arbeit kaum leben. 

Ende der Vierziger erhielt Audrey Hepburn ein besonderes Angebot: Eine Rolle im Musical High Button Shoes, das zur damaligen Zeit in den USA ein großer Hit war.

Später sagte sie, eigentlich wäre sie nie auf die Idee gekommen, Schauspielerin zu werden.

Aus der Not wurde eine Tugend

High Button Shoes feierte am 22. Dezember 1948 in London Premiere und wurde 291 Mal aufgeführt. Es war das erste Mal, dass Audrey Hepburn auf einer professionellen Bühne stand und ihr Talent als Tänzerin dem Publikum zeigen konnte.
In England trat Audrey Hepburn in verschiedenen Musicals auf und arbeitete als Fotomodell. Später sagte sie, eigentlich wäre sie nie auf die Idee gekommen, Schauspielerin zu werden. Vielmehr war es finanzielle Not, die sie zur Schauspielerei trieb. Aus der Not wurde eine Tugend: Anfang der Fünfziger Jahre trat Hepburn zwei bis drei Mal die Woche im Kabarett auf und zog so die erste Aufmerksamkeit auf sich. 

Erste Filmrolle

Eines abends saß Robert Lennard, Besetzungschef bei ABC, im Publikum: Er vermittelte ihr eine Rolle im Film Laughter in Paradise (1951). Filme vom britischen Studio ABC waren damals dafür bekannt, Quotenfüller zu sein: Das britische Kinopublikum bevorzugte meist die amerikanischen Streifen. Eine Quotenregelung sah allerdings vor, dass Kinos für zwei amerikanische Filme mindestens einen britischen Film zeigen mussten. Laughter in Paradise war allerdings eine Ausnahme: Der Film wurde positiv aufgenommen. Obwohl Hepburn nur eine kleine Rolle spielte, begann mit diesem Film ihre Filmkarriere. Von Hollywood – damals der Traum jeder jungen Schauspielerin – war sie allerdings noch weit entfernt. 

Erster Kontakt mit Hollywood

Der Erfolg von Laughter in Paradise bewog die Chefs von ABC dazu, Audrey Hepburn in weiteren kleineren Rollen zu besetzen: In der Komödie One Wild Oat (1951) spielte sie eine kleinere Rolle neben Roger Moore. Hepburns Rolle in Das Glück kam über Nacht [The Lavendel Hill Mob, 1951], in dem Alec Guinness die Hauptrolle spielte, beförderte Audrey Hepburns Filmkarriere: Alec Guinness war von der jungen Hepburn beeindruckt und empfahl sie dem MGM-Regisseur Mervyn LeRoy, der gerade in London den Monumentalfilm Quo vadis? (1951) drehte. LeRoy war aber der Meinung, dass Hepburn in keine der Rollen hineinpasste.
Noch war Audrey Hepburns Zeit nicht gekommen: Die Rollen in Quo vadis? gingen an andere Schauspielerinnen. Ihr Durchbruch ließ noch auf sich warten. Der etablierte Schauspieler Alec Guiness blieb aber der Überzeugung, dass ihr Durchbruch eines Tages kommen würde. 

Es war das erste Mal, dass der Name Audrey Hepburn in einem Atemzug mit Cary Grant, Vivien Leigh, David Niven und Charles Laughton genannt wurde.

Durchbruch?

Bisher hatte Hepburn nur kleinere Rollen gespielt: Im Drama Secret People (1952) spielte die junge Schauspielerin ihre erste große Filmrolle. Es war einer der letzten Filme, in denen Hepburn ihrer Leidenschaft des Tanzens nachging. Obwohl der Film als Flop durchging, wurde Audrey Hepburns Part positiv aufgenommen: Man vermutete, dass Hepburn bald den selben Weg wie andere erfolgreiche britische Schauspieler gehen würde und sich in Hollywood niederlassen würde. Es war das erste Mal, dass der Name Audrey Hepburn in einem Atemzug mit Cary Grant, Vivien Leigh, David Niven und Charles Laughton genannt wurde.
Doch bevor sie ihre Karriere nach Hollywood führen sollte, machte Audrey Hepburn noch einen Abstecher nach Frankreich…

Simon von Ludwig

Teil zwei.

Maßgebliche Quelle: Paris, Barry: „Audrey Hepburn“, 1996 Berkley Books

Beitragsbild: © Simon von Ludwig

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