Fortsetzung von Teil eins

Audrey Hepburn sprach fließend französisch: Das prädestinierte sie für eine Rolle in der französischen Produktion Monte Carlo Baby (1951): Der Film wurde in englischer und französischer Sprache gedreht. Obwohl Audrey Hepburn im Film nur für zwölf Minuten zu sehen war, waren die Dreharbeiten zu Monte Carlo Baby eine wichtige Erfahrung für sie: Hepburn sah zum ersten Mal die französische Riviera. Der US-amerikanische Filmmarkt hatte zunächst kein Interesse an der Produktion: Als Hepburn später ein Star war und der Film in den USA in die Kinos kam, wunderten sich die Zuschauer, weshalb Hepburn nur in solch einer kleinen Rolle besetzt wurde. 

Ein Herz und eine Krone

Hepburns Durchbruch in Hollywood kam keinesfalls von heute auf morgen: Vielmehr war es ein langer Weg, der sich über mehrere Jahre hinzog.
Am 18. September 1951 fand in London eine Probeaufnahme für den Film Ein Herz und eine Krone [Roman Holiday, 1953] statt: Die Verantwortlichen von Paramount waren begeistert von der jungen Schauspielerin. Paramount wollte Hepburn ursprünglich für sieben Jahre verpflichten. Schließlich handelte Hepburn einen Vertrag über zwei Jahre aus, der ihr es ermöglichte, weiterhin in Theaterstücken mitzuspielen: Hepburns Vertrag enthielt zahlreiche Freiräume, in deren Genuss andere Schauspielerinnen damals nicht kamen. 

Ihre Rolle in Ein Herz und eine Krone katapultierte Audrey Hepburn an die Spitze von Hollywood.

Gigi

Während der Dreharbeiten zum Film Monte Carlo Baby traf Audrey Hepburn im Hôtel de Paris die französische Schriftstellerin Colette, die gerade eine Broadway-Inszenierung ihres Stücks Gigi von 1944 vorbereitete. Colette suchte händedringend nach einer Hauptdarstellerin für ihre Inszenierung. Mit Audrey Hepburn wurde Colette fündig: Ende 1951 reiste Hepburn nach New York, um die Hauptrolle in Gigi am Broadway zu spielen. Den Vertrag mit Paramount für Ein Herz und eine Krone hatte sie zwar bereits unterschrieben, aber ihr Engagement am Broadway ging laut ihrem Vertrag vor. Erst nachdem Gigi am Broadway abgesetzt wurde, konnten die Dreharbeiten zu Ein Herz und eine Krone beginnen. 

Die Romanze Ein Herz und eine Krone mit Gregory Peck und Audrey Hepburn in den Hauptrollen kam bei der Kritik und dem Publikum gut an: Die Zuschauer waren besonders begeistert von der jungen Schauspielerin Audrey Hepburn, die keiner der bisherigen Hollywood-Stereotypen entsprach.
Ihre Rolle in Ein Herz und eine Krone katapultierte Audrey Hepburn an die Spitze von Hollywood: Von nun an war die Schauspielerin Audrey Hepburn ein internationales Phänomen. Das spiegelte sich in ihrem gesamten Lebensablauf wider: Von nun an war es nicht mehr egal, mit welchen Kleidern und Schuhen Hepburn in die Öffentlichkeit trat. Jedes Kleid, das sie von nun an trug, wurde sorgfältig ausgewählt und war Gegenstand von öffentlichen Diskussionen. Aus der jungen Frau, die eigentlich Balletttänzerin werden wollte, war nun eine Stilikone geworden. Egal, wo sie war: Die Menschen interessierten sich für sie. 

Eine Klasse für sich

Audrey Hepburn war keine zweite Greta Garbo, keine zweite Grace Kelly und auch keine zweite Marilyn Monroe: Sie kam mit ihrem eigenen Stil nach Hollywood, sowohl in schauspielerischer als auch in modischer und stilistischer Hinsicht. Das faszinierte zahlreiche Regisseure, die bereits mit vielen einflussreichen Hollywood-Schauspielerinnen zusammengearbeitet hatten: So war auch Billy Wilder, der unter anderem mit Monroe und Marlene Dietrich zusammengearbeitet hatte, von Hepburn fasziniert und besetze sie in seiner Liebeskomödie Sabrina (1954). Während der Dreharbeiten zum Film arbeitete Hepburn zum ersten Mal mit dem französischen Modeschöpfer Hubert de Givenchy zusammen, der ihren Kleidungsstil im Laufe ihrer gesamten Karriere enorm beeinflusste. 

Später arbeitete Hepburn erneut mit Billy Wilder für den Film Ariane – Liebe am Nachmittag (1957) zusammen.

Krieg und Frieden

Viele Jahrzehnte hatte sich niemand für eine Verfilmung des zweitausend Seiten umfassenden Romans Krieg und Frieden von Leo Tolstoi interessiert: Das änderte sich abrupt Mitte der Fünfziger Jahre. Nun wollten scheinbar alle Hollywood-Studios auf einmal den monumentalen Roman auf die Kinoleinwand bringen. Schließlich verfilmten die Paramount Studios den begehrten Stoff. Audrey Hepburn spielte die Rolle der Natascha Rostowa. Der Produzent Dino de Laurentiis konnte sie für das Projekt gewinnen und schaffte es mit dem Zugpferd Audrey Hepburn, die anderen Studios von dem Vorhaben einer Verfilmung des Tolstoi-Stoffs abzubringen. 

Die Dreharbeiten zu Krieg und Frieden (1956) waren für Hepburn besonders anstrengend: Ihre vorherigen zwei Hollywood-Filme Ein Herz und eine Krone und Sabrina waren chronologisch abgedreht worden. Bei den Dreharbeiten zu Krieg und Frieden war sie aber gezwungen, an einem Tag eine naive Teenagerin zu spielen und am nächsten Tag eine reife Erwachsene zu verkörpern. 

Musicals & Western

Mit ihrem nächsten Hollywood-Film wurde ein Traum für Audrey Hepburn wahr: Ein süßer Fratz [Funny Face, 1957] war ein Filmmusical. Im Laufe des Films spielte und tanzte sie an der Seite von Fred Astaire und kehrte so zu ihren Wurzeln als Balletttänzerin zurück. In Ein süßer Fratz sang Audrey Hepburn auch zum ersten Mal vor einer Kamera und trainierte ihre Stimme.
1960 spielte Audrey Hepburn im Western Denen man nicht vergibt [The Unforgiven] mit: Es war ihr erster und zugleich der letzte Western, in dem sie mitspielte. Hinter den Kulissen gab es zahlreiche Ungereimtheiten, die dazu führten, dass das Skript mehrmals geändert wurde. John Huston führte Regie, Burt Lancaster spielte eine weitere Hauptrolle. 

Audrey Hepburn war keine zweite Greta Garbo, keine zweite Grace Kelly und auch keine zweite Marilyn Monroe.

Moon River & Charade

Nach Denen man nicht vergibt nahm sich Audrey Hepburn sich eine Auszeit von einem Jahr: Danach kehrte sie glamouröser denn je zurück. Truman Capote stellte sich eigentlich Marilyn Monroe für die Rolle der Holly Golightly in der Verfilmung seines Stücks Breakfast at Tiffany’s vor.
Doch die Paramount Studios setzten sich über den Autor hinweg und besetzten Audrey Hepburn in der Rolle der Holly Golightly in Frühstück bei Tiffany [Breakfast at Tiffany’s, 1961].
Die männliche Hauptrolle spielte George Peppard, nachdem für diese Rolle unter anderem auch Steve McQueen im Gespräch gewesen war.
Nicht zuletzt durch die einprägsame Titelmelodie Moon River (komponiert von Henry Mancini), die von Audrey Hepburn im Film gesungen wird, ist Frühstück bei Tiffany bis heute einer der bekanntesten Audrey Hepburn-Streifen. 

Unter Kritikern heißt es, Charade (1963) sei der beste Hitchcock-Film, den Hitchcock selbst gar nicht gedreht hat: Mit Cary Grant in der männlichen Hauptrolle weckte der Film beim Publikum die Erinnerungen an die zahlreichen Grant-Hitchcock Filmkollaborationen, die damals schon der Vergangenheit angehörten. Hepburn schlüpfte in die weibliche Hauptrolle der Regina Lampert. Der Film ist von zahlreichen Wendungen geprägt, mit Cary Grant, Walter Matthau, James Coburn und George Kennedy versammelte der Film außerdem ein großes Staraufgebot. 

Eliza Doolittle

Mitte der Sechziger erhielt Audrey Hepburn eine einmalige Chance: Ihr wurde angeboten, eine der größten Musicalrollen überhaupt, die der Eliza Doolittle in My Fair Lady, zu spielen. Für Audrey Hepburn, die besonders gerne in Musicalverfilmungen mitspielte, war es die Erfüllung eines Traumes. Die Produktion basierte auf dem Stück Pygmalion von George Bernard Shaw, das von einem Sprachprofessor handelt, der durch Sprachunterricht aus einer jungen Blumenverkäuferin (im Film gespielt von Audrey Hepburn) eine Herzogin machen möchte. Bei den Oscars 1965 räumte My Fair Lady den Preis für die beste Produktion ab.

Im Laufe der Siebziger und Achtziger spielte Audrey Hepburn in zahlreichen weiteren Filmen. Im Laufe der Jahrzehnte festigte sie ihren Status als Stilikone und wurde weltweit wegen ihres einzigartigen Stils geschätzt.
Audrey Hepburn starb am 20. Januar 1993 in ihrem Anwesen am Genfersee. 

Simon von Ludwig

Film & Fernsehen bei Der Bussard

Maßgebliche Quelle: Paris, Barry: „Audrey Hepburn“, 1996 Berkley Books

Beitragsbild: © Simon von Ludwig

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