Teil eins

Wenn sein Name fiel, hielten selbst die renommiertesten Produzenten von Hollywood inne: Seine Präsenz auf der Leinwand – ruhig, unnahbar, von einer natürlichen Autorität geprägt – definierte eine Ära des amerikanischen Kinos. Obwohl er in über fünfzig Filmen mitwirkte und als Regisseur Meilensteine setzte, zählt Robert Redford zu jenen Gestalten, die das Hollywood-Establishment herausforderten, indem sie Unabhängigkeit und Authentizität über Glanz und Glamour stellten.

Der gebürtige Kalifornier wuchs in bescheidenen Verhältnissen in Santa Monica auf: Charles Robert Redford Jr., geboren am 18. August 1936, verlor seine Mutter Martha an eine Blutvergiftung, als er gerade einmal sechs Jahre alt war. Sein Vater, Charles Robert Redford Sr., arbeitete als Milchfahrer und später als Buchhalter bei Standard Oil. Die Familie zog nach Van Nuys, wo der junge Redford mit den Kindern von Filmgrößen wie Dore Schary zur Schule ging – ein Umfeld, das ihn früh mit dem Zauber des Kinos in Berührung brachte. Doch der Alltag zu dieser Zeit war geprägt von zahlreichen Unsicherheiten: Eine Karriere als Schauspieler anzustreben, das kam Redford wohl zur damaligen Zeit nicht als erste Option in den Sinn. Zunächst dachte Robert Redford, dass er Baseballer werden würde: Dank eines Stipendiums an der University of Colorado glänzte er als Pitcher, doch Partys und Alkohol lenkten ihn ab. 

Er brach das Studium ab, reiste durch Europa – in Paris diskutierten Bohemiens mit ihm über den Algerienkrieg während er sich als Straßenmaler betätigte – und kehrte zurück in die USA, um am Pratt Institute Theaterdesign zu studieren. Beinahe wäre Robert Redford also gar kein Schauspieler geworden, sondern ein Bühnengestalter. Wäre da nicht der Ruf des Theaters gewesen, denn 1959 schrieb er sich außerdem an der American Academy of Dramatic Arts in New York ein und erlernte die Schauspielkunst. 

Der junge Vater balancierte Familie und Karriere.

Broadway und erste Schritte

1959 debütierte Redford am Broadway in der Komödie Tall Story, gefolgt von The Highest Tree. Es waren kleine Rollen, doch sie zeigten sein Potenzial: Ein junger Mann mit klarem Blick und einer Aura, die trotz seiner kleinen Rollen das Publikum fesselte. 1963 kam der Durchbruch mit Neil Simons Barefoot in the Park, in dem er den frisch verheirateten Paul Bratter spielte – eine Rolle, die ihn zum Star des Stücks machte. Das Stück lief über 1.500 Mal und Hollywood nahm Notiz vom jungen Schauspieler. Gleichzeitig wagte er sich ins Fernsehen: Gastrollen in Alfred Hitchcock Presents (1961), The Twilight Zone (1962) und Route 66 (1961) folgten. Für eine Episode in Playhouse 90 erhielt er sogar eine Emmy-Nominierung.

Sein Leinwanddebüt war unspektakulär: In War Hunt (1962) spielte er einen Soldaten neben John Saxon. Doch 1965 in Inside Daisy Clover an der Seite von Natalie Wood und Christopher Plummer wurde er als vielversprechender Newcomer gefeiert. Redford heiratete 1958 Lola van Wagenen, eine Studentin, die er an der University of Colorado kennengelernt hatte; die beiden zogen nach New York, wo ihre Kinder geboren wurden. Der junge Vater balancierte Familie und Karriere – ein Kontrast zu den wilden Partys, die er in seiner Jugend gekannt hatte.

Wusste Redford damals, dass seine nächste Rolle ihn untrennbar mit dem Wilden Westen verbinden würde – und mit einem Namen, den später ein von ihm initiiertes Festival tragen sollte?

Sundance Kid

1967 filmte Redford Barefoot in the Park mit Jane Fonda – ein Hit, der seine Filmkarriere festigte. Doch der echte Wendepunkt kam 1969: In Butch Cassidy and the Sundance Kid teilte er sich die Leinwand mit Paul Newman als der charismatische Outlaw Sundance Kid. Der Western von George Roy Hill wurde zum Kassenschlager des Jahres, gewann vier Oscars und machte Redford über Nacht zum Idol. „Es war wie ein Blitzschlag“, sagte er später über die Chemie mit Newman. Im selben Jahr spielte er in Downhill Racer den Skirennfahrer David Chaffee – ein Film, den er selbst mitproduzierte und der seine Affinität zu Sport und Natur offenbarte.

Die 1970er machten Redford zum Symbol der New Hollywood-Ära: In The Candidate (1972) verkörperte er den idealistischen Politiker, in Jeremiah Johnson (1972) den einsamen Mountain Man. 1973 folgte The Way We Were mit Barbra Streisand als Filmpartnerin und Redford als romantischem Historiker Hubbell Gardiner – ein Film, der Millionen einspielte. Noch im selben Jahr spielte er in The Sting mit, wieder mit Newman, der dieses Mal den Betrüger Johnny Hooker spielte: Der Film gewann den Oscar für den besten Film und brachte Redford seine einzige Schauspielernominierung ein. „Ich wollte Rollen, die Tiefe haben, nicht nur Oberfläche“, erklärte er in einem Gespräch mit der New York Times. Beobachter würden diese Phase von Redfords Filmkarriere später als die „heißeste“ Phase seiner Karriere bezeichnen, in der es in Hollywood keinen vergleichbaren Schauspieler gab.

Hatte der Mann, der Outlaws und Helden spielte, bereits gespürt, dass Hollywoods Uhren anders tickten?

In The Great Gatsby (1974) glänzte er als Jay Gatsby, in Three Days of the Condor (1976) als CIA-Analyst. Der Höhepunkt kam 1976 mit All the President’s Men: In der Rolle des Bob Woodward neben Dustin Hoffman als Carl Bernstein enthüllte er den Watergate-Skandal. Der Film erhielt acht Oscar-Nominierungen und unterstrich Redfords Engagement für journalistische Integrität. Doch bei all dem Erfolg lauerte hinter der Fassade des Stars der Regisseur in ihm, der besorgt über die Zukunft des Kinos war: Redford kaufte 1969 ein Skigebiet in Utah, nannte es Sundance – nach der Filmrolle, die ihn im gleichen Jahr so berühmt machte – und träumte von einem Ort für unabhängiges Kino.

Hatte der Mann, der Outlaws und Helden spielte, bereits gespürt, dass Hollywoods Uhren anders tickten – und dass er selbst gewissermaßen die Zeit neu einstellen musste?

Vom Schauspieler zum Visionär

Ende der 1970er stand Redford vor einer Weggabelung: Der Glanz des Stars verblasste, während die Studios auf Blockbuster setzten. 1980 wagte er den Sprung hinter die Kamera: Ordinary People, ein Familiendrama nach Judith Guests Roman, wurde sein Regiedebüt. Der Film gewann den Oscar für den besten Film und Redford erhielt den Academy Award für die beste Regie – sein erster und einziger in dieser Kategorie. „Es war riskant, aber notwendig“, sagte er. Der Erfolg bestätigte: Redford war mehr als ein Gesicht.

Doch die Leinwand rief weiterhin nach ihm: 1984 glänzte er in The Natural als alternder Baseball-Held Roy Hobbs, dafür wurde er für vier Oscars nominiert. Und dann kam Out of Africa – die Verfilmung des Klassikers der Weltliteratur von Karen Blixen, die Redfords Fähigkeiten als Charakterdarsteller auf die Probe stellen sollte. Würde der Kalifornier in Kenia seine Seele finden – oder war es nur ein weiteres Kapitel in einer Karriere, die Freiheit und Einsamkeit verkörperte?

Simon von Ludwig


Teil zwei.

Maßgebliche Quellen: Britannica: Robert Redford (2025); Biography.com: Robert Redford (2025)

Beitragsbild: Robert Redford 1989 im Weißen Haus, © George Bush Presidential Library and Museum, Public domain, via Wikimedia Commons


Mehr bei Der Bussard



Hollywood bei Der Bussard

Debbie Reynolds: Schauspielerin und Kuratorin
Debbie Reynolds: Schauspielerin und Kuratorin
PlayPause
previous arrow
next arrow

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert