„Wird Carole Lombards Ehe ihre Karriere beenden?“, titelte im Juli 1939 eine der bedeutendsten US-amerikanischen Filmzeitschriften. Für die damalige Gesellschaft glich eine Frau, die eine Karriere als gefragte Hollywood-Schauspielerin führte und gleichzeitig verheiratet war, einem Wunder.
Führt man sich die Verhältnisse der damaligen amerikanischen Gesellschaft vor Augen, überrascht es nicht, dass die Schlagzeile des Filmmagazins fragte, ob Lombards Karriere durch ihre Ehe mit Clark Gable nun vorüber sei. Doch es lag keineswegs in Lombards Interesse, ihre Karriere zu beenden: Trotzdem gab sie sich ihrem Ehemann Clark Gable hin – die beiden gingen als eines der Hollywood-Ehepaare schlechthin in die Geschichte Hollywoods ein.
Wann die beiden sich zum ersten Mal begegneten, lässt sich nur schwer rekonstruieren – fest steht nur, dass beide im Paramount-Film No Man of Her Own (1932) Seite an Seite spielten.
Schon Anfang der Dreißiger spekulierte man über eine Beziehung zwischen den beiden – doch damals, als beide Schauspieler noch nicht wirklich bedeutende Leinwandstars waren, interessierte die Öffentlichkeit sich noch kaum für eine solche Liebesbeziehung. Außerdem, so sagt man sich, sollen sich die beiden am Set nicht wirklich gut miteinander verstanden haben… Das sollte sich schon bald ändern… 

Mehr als nur Publicity?

Carole Lombard und Clark Gable – beides waren Persönlichkeiten, die von den Hollywood-Studios in den Dreißigern zu Stars aufgebaut wurden. Dementsprechend behandelte man auch ihre Persönlichkeit in der Öffentlichkeit: Soweit wie möglich wollten die Studios, bei denen die Schauspieler unter Vertrag standen, kontrollieren, was über ihre Schauspieler publiziert wurde. Ein besonders wichtiges Presseinstrument der Studios waren die Hollywood Fan-Magazine, wie das Motion Picture Magazine oder Photoplay.
So legt Olympia Kiriakou in ihrer Biographie über Carole Lombard dar, dass Mitte der 1930er sämtliche Fan-Magazine ihre Berichte an die Filmstudios übermittelten, bevor sie veröffentlicht wurden. Damit gingen die Studios sicher, dass keine Geschichte den Weg in die Öffentlichkeit finden würde, die das Potenzial besaß, dem Image des jeweiligen Stars abträglich zu sein – auf große Leinwandstars wie Carole Lombard oder Clark Gable traf dies in besonderem Maße zu.
Nicht selten kam es deshalb auch vor, dass die Hollywood-Studios aus Liebesbeziehungen zwischen Leinwandstars Kapital schlugen. In welchem Maße trifft dies auf die Beziehung zwischen Carole Lombard und Clark Gable zu? Handelte es sich bei der Beziehung zwischen den beiden Schauspielern womöglich um wesentlich mehr als um eine Publicity-Kampagne der Hollywood-Studios? 

Biographen zufolge soll jener Januarabend idyllisch angefangen haben, aber im Chaos geendet haben.

White Mayfair Ball

Die Filmhistorikerin Olympia Kiriakou zeigt in ihrer historischen Kritik über Carole Lombard anhand von Ausschnitten aus Hollywood Fan-Magazinen auf, welche der damaligen Fan-Magazin-Beiträge der Realität nahe kommen und welche Geschichten völlig übertrieben sind. Bei Fan-Magazinen handelt es sich um unschätzbare Quellen, da sie auf der einen Seite zeigen, wie die Studios ihre Stars in der Öffentlichkeit darstellten. Auf der anderen Seite bedarf es eines kritischen Umgangs mit den Fan-Beiträgen der damaligen Zeit, weil sie streng redigiert und dem jeweiligen Image des Stars angepasst wurden.
Es steht außer Frage, dass die Studios die Beziehung zwischen Carole Lombard und Clark Gable bewusst in den Fokus der Öffentlichkeit stellten und Fan-Magazinen den Anreiz gaben, über die Beziehung der Beiden zu berichten.
An einem Januarabend 1936, als in Beverly Hills der sagenumwobene White Mayfair Ball abgehalten wurde, trafen sich Lombard und Gable erneut: Dieser Januarabend gilt heute als der eigentliche Beginn der Liebesbeziehung Lombard-Gable.
Biographen zufolge soll jener Abend idyllisch angefangen haben, aber im Chaos geendet haben: Gable habe Lombard zum Tanzen aufgefordert und Lombard soll so angetan gewesen sein von ihrem Tanzpartner, dass sie sich kurz hinsetzen musste, um sich wieder zu fangen. 

„Na, wie sieht’s aus?“

Von nun an wurde die Januarnacht chaotisch: Gable soll Lombard zu seinem Hotel gefahren haben und ihr einen Antrag gemacht haben. Carole Lombard soll empört reagiert haben und erwidert haben: „Für wen hältst Du dich, Clark Gable?“. Gable war wütend und fuhr Lombard zurück in ihr Haus.
Der Abend war für die beiden eine Katastrophe – ob die beiden jemals zusammen kommen würden?
Lombard soll anschließend nachgedacht haben und am nächsten Morgen entschieden haben, dass sie mit ihrem Freund Gable zu hart ins Gericht gegangen war. Sie besorgte sich ein paar weiße Tauben und wies einen Hotelangestellten in Gables Hotel dazu an, die weißen Tauben am in seinem Zimmer freizulassen – eine Art Friedensangebot an ihren Freund. Am Bein einer der Tauben fand Clark Gable einen Zettel mit einer Nachricht: „Na, wie sieht’s aus? Carole.“ [Original: How about it? Carole.]
Bis die beiden heirateten, sollte es noch etwas mehr als drei Jahre dauern: Dennoch führten beide ab 1936 eine intensive Liebesbeziehung, über die in sämtlichen Medien regelmäßig berichtet wurde. Einfach soll die Beziehung der beiden aber nicht immer gewesen sein.
Als Clark Gable und Carole Lombard am 29. März 1939 in Arizona heirateten, nahm sich Gable eigens für die Hochzeit eine Auszeit vom Dreh von Vom Winde verweht [Gone with the Wind, 1939]. Manch einer beschrieb die Hochzeit, die in Arizona und nicht in Kalifornien stattfand, gar als eine Art Flucht aus Hollywood: Man wollte keineswegs dort heirateten, wo der gesamte Presserummel vor Ort war. Bei der Beziehung zwischen Gable und Lombard ging es um mehr als Publicity. Nach ihrer Hochzeit lebten die beiden auf einer Ranch in Encino, einem Stadtteil von Los Angeles. Für den Naturburschen Gable glich die Ranch einem Paradies. 

Fest steht, dass Carole Lombard einen Weg fand, gleichzeitig Ehefrau und Leinwandstar zu sein.

Mrs. Clark Gable

Ohne Frage bahnte sich für Carole Lombard infolge der Hochzeit ein Image-Wandel an: Fortan würde sie nicht mehr nur Carole Lombard sein, sondern Mrs. Clark Gable. Das Rollenbild der damaligen Gesellschaft sah vor, dass Lombard nun zwischen zwei Wegen entscheiden musste – würde sie eine hingebungsvolle Ehefrau sein oder weiterhin ihrer Arbeit als Leinwandstar nachgehen? Zweifellos sieht das Eheleben eines Hollywood-Stars anders aus als das Leben einer typischen Ehefrau in der damaligen amerikanischen Gesellschaft – Carole Lombard und Clark Gable lebten schlichtweg in einer anderen Welt als der Großteil der damaligen Gesellschaft. Daher lassen sich typische Rollenbilder der damaligen Zeit nur schwer auf das Paar Lombard-Gable anwenden: Fest steht, dass Carole Lombard einen Weg fand, gleichzeitig Ehefrau und Leinwandstar zu sein.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs sah Lombard sich verpflichtet, ihrem Heimatland einen Dienst zu erweisen: So ging sie unter anderem auf Verkaufstourneen für Kriegsanleihen. Sie versuchte, ihren Ehemann zu ermutigen, der Armee beizutreten – Clark Gable lehnte ab.
Stattdessen wurde Gable seiner Frau zuliebe Vorsitzender des Hollywood Victory Committee, das sich zum Ziel setzte, den Zweiten Weltkrieg auf Seiten der USA mit Mitteln aus dem Showbusiness zu unterstützen. 

Liebe über den Tod hinaus

Carole Lombards tragischer Tod bei einem Flugzeugunglück am 16. Januar 1942 veränderte Clark Gables Leben gravierend. Gable soll verzweifelt versucht haben, den Ort des Unfalls zu erreichen – er wurde jedoch davon abgehalten, den Berg zu erklimmen, gegen den das Flugzeug beim Absturz geprallt war.
Zu Ehren seiner Ehefrau soll Clark Gable nach Lombards Tod der Armee beigetreten sein: Ab 1942 pausierte Gable seine Karriere als Schauspieler und verpflichtete sich gänzlich den US-amerikanischen Streitkräften. Erst 1947 setzte er seine Schauspielkarriere fort.
Das Paar Lombard-Gable gilt heute als eines der klassischen Hollywood-Paare: Obwohl das Paar außer in No Man of Her Own nicht zusammen auf der Leinwand zu sehen war, reichte die Berichterstattung über das Paar aus, um es zu den legendärsten Hollywood-Paaren überhaupt zu machen. Den Hollywood Fan-Magazinen und den Publicity-Abteilungen der Hollywood-Studios fiel dabei eine besondere Rolle zu.
Nach seinem Tod 1960 wurde Clark Gable neben Carole Lombard beerdigt: Diesen Wunsch hatte der Hollywood-Star zu Lebzeiten geäußert. Obwohl Gable nach Lombards Tod noch zweimal verheiratet gewesen war, hielt Gables Liebe für seine Frau Carole Lombard offensichtlich über den Tod hinaus an. 

Simon von Ludwig


Der Bussard dankt Bloomsbury Publishing für die Zusammenarbeit.
Die Zusammenarbeit umfasste die Bereitstellung der historischen Analyse „Becoming Carole Lombard – Stardom, Comedy and Legacy“, verfasst von Olympia Kiriakou. Das Werk diente als maßgebliche Quelle für den Artikel.

Informationen zur Publikation: Kiriakou, Olympia: „Becoming Carole Lombard – Stardom, Comedy and Legacy“, 2020 Bloomsbury Academic

Weitere Quelle: Ein Artikel in Vanity Fair.

Beitragsbild: © Simon von Ludwig


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