Das Weinbaugebiet Bordeaux gilt als Synonym für den französischen Wein: Auf der ganzen Welt soll es kein größeres zusammenhängendes Weinbaugebiet geben, in dem mehr Qualitätsweine hergestellt werden – das Weinbaugebiet umfasst über 120.000 Hektar. In aller Welt haben sich insbesondere Rotweine aus dem Bordelais, wie das Weinbaugebiet rund um die Stadt Bordeaux heißt, als Messlatte für andere Weinerzeugnisse etabliert: Sticht ein Rotwein mit einer Bordeaux-Note hervor, hat er meist die Nase ganz vorn. Nicht ohne Grund wird die Farbe weinrot auch häufig als bordeauxrot bezeichnet – es gibt zahlreiche Situationen, in denen das Wort „Bordeaux“ synonym für „Wein“ verwendet wird.
Die meisten Reben im Bordelais stehen im Flachland: Ein Großteil des Weinbaugebietes liegt in einer Region, die „Entre-Deux-Mers“ getauft wurde. Das bedeutet auf deutsch soviel wie „zwischen zwei Meeren“ bzw. „zwischen zwei Fluten“: Der Name rührt daher, dass ein Großteil des Bordelais-Weinbaugebiets in einer Region liegt, die sich zwischen den beiden Flüssen Dordogne und Garonne erstreckt. Doch auch fernab dieser zentralen Rebberge gibt es renommierte Rebflächen: In der nördlich gelegenen Region Médoc, die sich in den als besonders exklusiv geltenden Haut-Médoc und den Bas-Médoc unterteilt, werden ebenfalls sehr renommierte Weine hergestellt. 

Vor einigen Jahrhunderten war der Weinanbau im Bordeaux fast ausschließlich in der Hand von Adligen.

Bordeaux: Nicht nur Immobilienmakler, sondern auch Weinmakler

Bereits vor mehr als vierhundert Jahren wurden geschäftstüchtige Iren, Engländer und Schotten in der Region rund um die Stadt Bordeaux ansässig: Schon bald entdeckten die Geschäftsmänner, dass sich die Region wunderbar zum Weinbau eignete – doch die meisten der Geschäftsleute brachten sich zunächst nicht als Winzer, sondern als Weinhändler ein. Aufgrund der Tätigkeit dieser Geschäftsleute aus dem Vereinigten Königreich firmieren bis heute viele Châteaux im Bordelais unter englischen Namen.
Viele Châteaux im Bordelais gehen auf Gründungen im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert zurück, als sich Geschäftsmänner britischer Herkunft in der Region rund um Bordeaux ansiedelten.
Die meisten Winzer im Bordelais vertreiben ihre Weine nicht selbst: Im Bordeaux gibt es sogenannte Courtiers (zu deutsch etwa „Makler“), welche die Verhandlungen zwischen den Weingütern und den Weinhandelshäusern führen. Die Weine werden dann später nicht von den Weingütern selbst vertrieben, sondern von den Handelshäusern. Diese Art des Vertriebes geht auf historische Traditionen zurück: Vor einigen Jahrhunderten war der Weinanbau im Bordeaux fast ausschließlich in der Hand von Adligen. Daher rührt auch die Bezeichnung Château (zu deutsch etwa „Schloss“) für ein Bordeaux-Weingut, da die Bordeaux-Weingüter sich in früheren Zeiten ausschließlich auf großen Schlössern und Landsitzen befanden. Bis zur Französischen Revolution 1789 blieben die Weingüter im Bordeaux unter Regie von adligen Großgrundbesitzern. 

Die Bordeaux-Pyramide

1855 gab es eine große Wende in der Geschichte der Bordeaux-Weine: Anlässlich der Weltausstellung beauftragte der damalige Kaiser Napoleon III. die Handelskammer von Libourne damit, die gesamten Weinerzeugnisse aus dem Bordeaux in ein Klassifizierungssystem einzuordnen. Das 1855 entstandene Klassifizierungssystem greift bis heute und ist im Prinzip nichts anderes als eine Pyramide, in der sich die einzelnen Châteaux einordnen. Die Basis der Pyramide bilden die relativ preisgünstigen Bordeaux AOP-Weine und reicht nach oben hin bis zu den sehr exklusiven 1er Cru Classé-Weinen.
Diese Pyramide bestimmt bis heute insbesondere die Preise, die für einen Bordeaux-Wein aufgerufen werden. Innerhalb dieser Pyramide gibt es so gut wie keine Mobilität, die heutigen Klassifizierungen sämtlicher Châteaux gehen zum Großteil auf die Regelung von 1855 zurück. Nur wenn ein Weingut verkauft wird – was nicht allzu häufig passiert – können sich Änderungen innerhalb dieser Pyramide ergeben. 

Trinkt man einen Wein aus der untersten Stufe der Pyramide – meist als Bordeaux AC und Bordeaux AC Supérieur gekennzeichnet – können für den Wein Trauben aus dem gesamten Bordelais verarbeitet werden.
Auf der zweiten Stufe der Pyramide finden sich die Gebietsappellationen wie Médoc und Haut-Médoc nördlich von Bordeaux sowie Péssac-Léognan und Graves südlich von Bordeaux. In dieser Qualitätsstufe werden die Weine meist im Barrique-Fass ausgebaut.
Auf der dritten Stufe stehen die Ortsappellationen, bei denen nur Weine aus den Weinlagen rund um die jeweiligen Dörfer verwendet werden dürfen. Die Krönung der Pyramide bildet die sogenannte Cru-Stufe, in der nur die exklusivsten Weine eingestuft werden. Diese Cru-Stufe unterteilt sich in 5 Stufen, vom 5ième Cru bis zum sehr begehrten und exklusiven Premier Grand Cru.
In beinahe allen der über 500 Gemeinden des Département Gironde – in dem sich Bordeaux befindet – wird Wein angebaut: Der Weinbau ist für diese Region Frankreichs der entscheidende Wirtschaftsfaktor schlechthin. 

Rive gauche und Rive droite

Das Klima im Bordelais wird maßgeblich vom Golfstrom und vom Atlantik beeinflusst – der Golfstrom sorgt im Sommer für ein warmes Klima, doch die kühle Atlantikluft sorgt ab und zu für eine frische Brise.
Bei Bordeaux-Weinen unterscheidet man zwischen rive gauche-Weinen und rive droite-Weinen: Mit Rive gauche werden jene Weine bezeichnet, die links des Flusses Garonne angebaut werden und mit Rive droite bezeichnet man jene Weine, die rechts des Flusses Dordogne angebaut werden. Das Klima im Gebiet des Rive droite ist stärker vom Kontinentalklima beeinflusst und folglich kann es dort wärmer werden als im Rive gauche-Gebiet. Aber die beiden Regionen unterscheiden sich nicht nur in klimatischer Hinsicht: Die Böden in den beiden Weinbaugebieten gleichen sich in keiner Weise. Während man im Rive droite und in der Region zwischen den beiden Flüssen Entre-deux-Mers einen sehr lehm- und kalkhaltigen Boden findet, dominieren im Rive gauche karge und kieselhaltige Schwemmlandböden. Auf den Böden des Rive gauche fühlt sich vor allem die Cabernet-Rebsorte wohl, im Rive droite dominiert vor allem Merlot. 

Inzwischen hat sich rund um das Sammeln und Lagern antiquierter Bordeaux-Weine eine ganze Kultur entwickelt.

Steht der Name Bordeaux auf einer Flasche Rotwein, weckt das meist sehr hohe Erwartungen an den Inhalt der Flasche: Wie in beinahe jedem Weinbaugebiet der Welt gibt es jedoch große Unterschiede bei den verschiedenen Appellationen und Regionen, in denen Bordeauxweine angebaut werden. Grundsätzlich gilt, dass man auf der Suche nach einem tiefgründigen und komplexen Rotwein in jeder Qualitätsstufe der Bordeaux-Pyramide fündig werden kann.
Außerdem hat sich ein großer Mythos rund um das lange Lagern von Bordeaux-Weinen entwickelt: Bordeaux-Weine aus erstklassigen Lagen werden mehrere Jahrzehnte lang gelagert und erzielen auf dem Markt Höchstpreise. Das lange Lagern eines Bordeaux-Weins resultiert in aller Regel in einer positiven Überraschung, doch auch hier gibt es Ausnahmen: Nicht jeder Bordeaux-Wein ist lagerfähig über mehre Jahrzehnte hinweg. Inzwischen hat sich rund um das Sammeln und Lagern antiquierter Bordeaux-Weine eine ganze Kultur entwickelt – es gibt einzelne Weine, die als Investitionsobjekte gelten.  

Rebsorten und Crémant de Bordeaux

Grundsätzlich dominieren im Bordelais die Rebsorten Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc, die hier und da von anderen Rebsorten ergänzt werden.
Die Aromen der verschiedenen Bordeaux-Weine sind schier unendlich vielfältig: Nicht nur Rotweine werden im Bordelais hergestellt, sondern auch Weißweine und Roséweine. Auch Schaumwein wird im Bordelais hergestellt: Der Crémant de Bordeaux ist ein Verschnitt aus den Rebsorten Sémillon, Sauvignon Blanc und Muscadelle. Wie jeder Crémant muss der Crémant de Bordeaux, wie auch der Champagner nach dem Verfahren der Flaschengärung hergestellt werden, ein Crémant weist aber keineswegs eine so lange Lagerfähigkeit wie ein Champagner auf.
Nicht ohne Grund gelten insbesondere Bordeaux-Rotweine in aller Welt als Messlatte für Rotweine: Die Rebfläche im Bordeaux ist genauso groß wie die Rebfläche in allen deutschen Weinbaugebieten. Das erklärt auch das Volumen, das die Bordelais-Produzenten jährlich herstellen können: Die meisten Weine entfallen auf die handelsüblichen Qualitäten der unteren Pyramidenstufen, wer auf der Suche nach einem exklusiven Erzeugnis ist, bedient sich bei den Ortsappellationen und den Crus. 

Simon von Ludwig


Beitragsbild: © Simon von Ludwig


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