Kaffee ist nicht bloß ein Getränk, es ist ein Gefühl: Es wird gemunkelt, dass Kaffee bereits im 9. Jahrhundert n. Chr. in Südäthiopien getrunken wurde. In der südäthiopischen Provinz Kaffa wachsen zahlreiche Sorten der Kaffeepflanze wild. Alle Pflanzen der Gattung coffea arabica stammen von Pflanzen aus Kaffa ab. Im 15. Jahrhundert gelangte der Kaffeestrauch in den Jemen: Die Hafenstadt Mokka nahm eine zentrale Bedeutung in der weltweiten Vermarktung des Kaffees ein. Bis heute gibt es eine eigene Kaffeesorte mit dem Namen Mokka.

Kaffee in Europa

Von Jemen aus verbreitete sich der Kaffee in der gesamten islamischen Welt: 1512 gab es in Mekka Unruhen, als der Statthalter den Kaffeekonsum verbot.
Es dauerte nicht lange, bis die ersten Europäer auf das belebende Getränk aufmerksam wurden: 1582 fand der Kaffee zum ersten Mal Erwähnung im Reisebericht eines Augsburgers.
Dem Venezianer Pietro della Valle ist es zu verdanken, dass der Kaffee 1626 in Rom und Venedig salonfähig wurde. Von dort aus verbreitete sich der Kaffee in ganz Europa: In europäischen Städten mit Zugang zum Seehandel entstanden die ersten Kaffeehäuser. 

Die Wiener Kaffeehauskultur

Eine europäische Stadt ist mit dem Kaffee besonders verbunden: Wien.
Zur Entstehung der Wiener Kaffeehauskultur gibt es eine Legende: 1683 war Wien vom Osmanischen Reich belagert worden. Als Wien zurückerobert wurde, zogen sich die Osmanen in aller Eile zurück und ließen währenddessen einige Säcke mit Kaffee zurück. Der Dolmetscher und Offizier Georg Franz Kolschitzky soll die Gunst der Stunde genutzt haben und mit den Säcken das erste Wiener Kaffeehaus gegründet haben.
Diese Legende gilt als frei erfunden: Das erste „echte“ Wiener Kaffeehaus war zwei Jahre nach der Türkenbelagerung, 1685, gegründet worden. Die Trinkkultur der Osmanen hinterließ Spuren im Gedächtnis der Wiener.
Von da an legte das Wiener Kaffeehaus eine steile Karriere hin: 1819 waren es 150 Kaffeehäuser, 1900 wuchs diese Zahl auf 600. 

Kaffee in der Literatur

Das Wiener Kaffeehaus wurde stilprägend für eine ganze Literaturepoche: Die Kaffeehausliteraten Friedrich Torberg, Alfred Polgar, Hugo von Hofmannsthal und viele andere Schriftsteller der Wiener Moderne verfassten einen Großteil ihrer Werke in Wiener Kaffeehäusern. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann das „Kaffeehaussterben“, viele Wiener Kaffeehäuser mussten schließen: Es war der Abgesang einer Epoche, die um 1900 ihren Höhepunkt feierte. 

Doch nicht nur in Wien war der Kaffee Anlass zum Verfassen von Literatur: Die dänische Schriftstellerin Karen Blixen unterhielt zwischen 1914 und 1931 eine Kaffeefarm in Kenia am Fuße der Ngong-Berge. In ihren Memoiren Jenseits von Afrika schildert sie von ihren Erfahrungen in Kenia. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Kultur der afrikanischen Ureinwohner. Die Memoiren sind ein Klassiker der Weltliteratur und wurden 1985 verfilmt. 

Kaffeeanbau in der ganzen Welt

Die Niederländer kamen im 17. Jahrhundert auf die Idee, Kaffeesetzlinge in Gewächshäusern in Amsterdam zu ziehen. Das Vorhaben gelang: Zwischen 1659 und 1718 brachten die Niederländer den Kaffee in ihre Kolonien in der ganzen Welt, unter anderem nach Java.
1727 gelang es einem portugiesischen Diplomaten, Kaffeesetzlinge nach Brasilien zu schmuggeln: Es war der Beginn des Kaffeeanbaus in Brasilien, der bis heute intensiv betrieben wird. 2014 produzierte Brasilien 2,7 Mio. Tonnen Rohkaffe, womit Brasilien der größte Rohkaffeeproduzent weltweit ist. Danach folgt Vietnam (rund 1,7 Mio. Tonnen) und danach mit großem Abstand Kolumbien (rund 800 Tsd. Tonnen).

Eine Tasse Espresso, © Simon von Ludwig
Eine Tasse Espresso, © Simon von Ludwig, alle Rechte vorbehalten

Gewinnung des Kaffees

Rohkaffee ist das Produkt der immergrünen Baumart Coffea, die ursprünglich aus Äthiopien stammt. Tropisches Klima und regelmäßiger Niederschlag sind Voraussetzung für das Gedeihen der Kaffeepflanze.
Drei bis vier Jahre nach dem Anpflanzen trägt die Pflanze zum ersten Mal Beeren: In der Regel enthält eine Beere zwei Samen, die gemeinhin als Kaffeebohne bezeichnet werden.

Nach dem Pflücken – die reifen Beeren lassen sich nahezu vom Baum abstreichen – wird beim sogenannten pulping das Fruchtfleisch von der Bohne getrennt. Nun kommt es zum Prozess der Trocknung. Beim anschließenden grading werden die Bohnen ihrer Größe nach sortiert. 

Noch umgibt die Kaffeebohnen eine pergamentartige Haut, die beim hulling entfernt wird: Nach dem hulling präsentiert sich eine grüne Kaffeebohne, die noch nicht geröstet ist – auch Rohkaffee genannt. Geröstet wird der Kaffee entweder direkt vor Ort oder in Kaffeeröstereien: Nach dem Rösten ist der Kaffee bereit, gemahlen zu werden.  

Ganz allgemein wird beim Kaffee zwischen Arabica– und Robusta-Bohnen unterschieden: Beide stammen von der Coffea-Baumart ab und teilen sich in zahlreiche Varietäten auf. Robusta-Kaffee gilt, wie sein Name schon sagt, als relativ robuste Kaffeeart: Im Vergleich zu Arabica-Kaffee ist Robusta-Kaffee weit weniger empfindlich gegenüber Klimaschwankungen oder Krankheiten. Außerdem wirft die Robusta-Pflanze einen höheren Ertrag ab.

Zubereitung des Kaffees

Es gibt verschiedene Methoden, Kaffee zuzubereiten: Lange Zeit war Filterkaffee die beliebteste Methode. Hierfür wird der Kaffee zunächst gemahlen, anschließend in einen Filter gegeben und zum Schluss mit heißem Wasser übergossen.
Besonders in Südeuropa ist der Espresso verbreitet. Dabei handelt es sich um einen konzentrierten Kaffee mit dichter Crema (Schaumschicht) und wenig Wasser. Diese Zubereitungsmethode stammt ursprünglich aus Mailand.
Mittlerweile schätzen viele Kaffeeliebhaber die Vorzüge eines Kaffeevollautomaten: Ein Vollautomat bereitet auf Tastendruck innerhalb von Sekunden einen frischen Kaffee zu.
Ein Kaffee wird oft mit Milch und Zucker gereicht. Manchmal streut man nach orientalischer Tradition etwas Kardamom in den Kaffee. 

Simon von Ludwig

Genuss bei Der Bussard

Maßgebliche Quellen: Brockhaus Lexikon, Artikel über „Kaffeestrauch“ & Buk-Swienty, Tom: „Die Löwin. Tania Blixen in Afrika“, 2021 Random House Verlag

Beitragsbild: Arabica-Kaffee aus Kolumbien, © Simon von Ludwig, alle Rechte vorbehalten

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