Kaum ein Weinbaugebiet wird so sehr mit spanischem Weinbau verbunden wie der Rioja: Das ca. 60.000 Hektar große nordspanische Weinbaugebiet ist weltweit vor allem für seine roten Spitzenweine aus der Tempranillo-Traube bekannt.
Rioja ist nicht gleich Rioja: Das Weinbaugebiet unterteilt sich in drei große Gebiete, die sich alle durch unterschiedliche klimatische Bedingungen und Bodenstrukturen auszeichnen.
Die Region Rioja ist nach dem Rio Oja, ein Nebenfluss des Rio Tirón, benannt. Dabei ist es gar nicht so sehr der Fluss Rio Oja, der den Weinbau in dieser Region beeinflusst: Stattdessen ziehen sich die Weinberge der Region über 100 Kilometer lang am Ufer des Ebro entlang. 

Viele Winzer aus der Rioja sind der Meinung, eine dezente Säure ist der Schlüssel zu einem aromatischen Rioja-Wein.

Rioja Alta

Eine der größten Subzonen des Rioja ist die Rioja Alta, die stark vom Atlantik geprägt ist. Insgeheim gilt die Stadt Haro als Hauptstadt des Rioja – dort haben nicht nur traditionsreiche Weingüter ihr Zuhause, von dem Bahnhof, der dort vor über 100 Jahren eröffnet wurde, exportierte man den ersten Rioja in die Welt.
In dieser Region spielt die Traubensorte Tempranillo eine große Rolle – in den hohen, kühlen Lagen der Rioja Alta bilden die Rebsorten Trauben mit dickeren Schalen aus als in den anderen Subzonen. Außerdem entwickeln die Trauben hier mehr Säure – das ergibt Weine, die sich ideal für eine lange Lagerzeit eignen. Viele Winzer aus der Rioja sind der Meinung, eine dezente Säure ist der Schlüssel zu einem aromatischen Rioja-Wein.
Nicht zuletzt wegen der langen Lagerzeit der Weine, die aus der Rioja Alta stammen, gelten Rioja-Weine aus der Rioja Alta als die kostbarsten. 

Rioja Alavesa und Ausbaustufen

Die kleinere Region Rioja Alavesa liegt im Baskenland: Dort ist das Klima vor allem durch die Mittelmeerwinde bestimmt, im Vergleich zur Rioja Alta haben es die Trauben hier etwas wärmer. Auch hier befinden sich die Weinreben auf hohen Höhenlagen: Nichtsdestotrotz sind die Weine aus der Rioja Alavesa fruchtiger und können auch jung – als Rioja Joven – getrunken werden. Ein Rioja Joven wird im Jahr nach der Ernte verkauft.
Manchmal werden Rioja-Weine aus der Rioja Alavesa auch als Crianza-Weine ausgebaut: Um das Prädikat Crianza zu tragen, lagert der Wein zumeist zwei Jahre, davon mindestens sechs Monate in einem Fass aus französischer oder amerikanischer Eiche. Kostbarer sind die Ausbaustufen Reserva und Gran Reserva: Reserva-Weine lagern mindestens 36 Monate (davon mindestens 12 Monate in Barrique-Fässern) und Gran Reserva Weine bilden die Spitze der spanischen Ausbaustufen: Gran Reserva-Weine lagern mindestens 60 Monate, davon mindestens 18 Monate in Eichenholzfässern. Eine längere Lagerzeit ist oft nicht nur eine Frage des Preises, sondern auch des Geschmacks: Es gibt Rioja-Lagen, die für eine kurze Lagerzeit prädestiniert sind und dann gibt es Lagen, die für den vollen Genuss eine längere Reifezeit voraussetzen. 

Rioja-Weißweine

Am wärmsten und trockensten ist es in der Rioja Oriental (vormals Rioja Baja): Dort wird allerdings weniger die Tempranillo-Sorte, sondern mehr die Grenache-Rebsorte angebaut. Grenache ist ein geschätzter Cuvée-Partner für viele südländische Weine, sortenrein ist die Rebsorte als Wein nur sehr selten anzutreffen.
Obwohl auf den meisten Weinbergen in der Rioja Rotweinreben angebaut werden, gibt es auch einige Weißweine aus der Rioja: Für Weißweine kommen häufig Macabeo, Malvasía, Riojana und Garnacha blanca zum Einsatz. Seit 2007 dürfen auch Chardonnay und Sauvignon Blanc als Cuvéepartner für Weißweine aus der Rioja verwendet werden. Ein Rioja-Rotwein wird fast immer trocken ausgebaut – eine Ausnahme bilden Roséweine, die manchmal auch halbsüß ausgebaut werden. 

Lange Tradition

Die Region Rioja besitzt eine Weinbaugeschichte, die bis in die Antike zurückreicht: Ein Überbleibsel längst vergangener Zeiten sind die Guardaviñas: Dabei handelt es sich um kuppelförmige Steinbauten, die vor über tausend Jahren von Winzern als Zufluchtsort bei schlechtem Wetter und zur Überwachung der Weinernte genutzt wurden.
Bereits 1560 entschlossen sich Winzer aus der Rioja, ihre Weinfässer mit einheitlichen Brandzeichen zu versehen, um die Herkunft zu betonen: Es war der Beginn der heute anerkannten Weinbauregion Rioja.
Die Blütezeit der Rioja-Weingüter begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Zahlreiche Winzer aus der Rioja erwarben Wissen in Bordeaux und kehrten in ihre spanische Heimat zurück, um den Weinanbau dort weiterzuentwickeln. Dass zahlreiche traditionelle Winzer aus der Rioja ihr Wissen in Bordeaux erwarben, macht sich bis heute bemerkbar: Oft heißt es, moderne Rioja ähnelten in ihrer Komposition und Ausbaustufe modernen Bordeaux-Weinen. 

Mit einem Rioja-Wein mit der Ausbaustufe Crianza oder Reserva kann man nichts falsch machen. 

Bodegas

Früher war es üblich, Rioja-Flaschen mit einem goldfarbenem Drahtgeflecht (genannt Alambrado) zu umwickeln: Dieser Brauch ist heute nur noch bei einigen wenigen Weingütern zu finden.
In der Rioja soll es ca. 20.000 Winzer geben: Viele der Winzer liefern ihre Erzeugnisse an große Kellereien (genannt Bodegas). Von diesen Bodegas gibt es über 500 – vierzig Prozent der Menge, die jährlich an Rioja-Weinen hergestellt wird, wandert auf den Weltmarkt.
Die Region Rioja ist auf der einen Seite für äußerst exklusive Erzeugnisse bekannt – darunter zählen vor allem Weine, die als Reserva oder Gran Reserva gekennzeichnet sind. Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche Erzeuger, die auch sehr hochwertige Weine preiswert auf den Markt bringen und den Weingenuss somit einer breiten Masse ermöglichen.
Wie kaum eine andere südeuropäische Weinbauregion steht die Region Rioja für Tradition und Weinkultur: Mit einem Rioja-Wein mit der Ausbaustufe Crianza oder Reserva kann man nichts falsch machen. 

Simon von Ludwig


Beitragsbild: © Simon von Ludwig


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