Am 2. Februar 1659 verzeichnete Jan van Riebeeck, der erste Gouverneur von Kapstadt, eine Erfolgsmeldung in seinem Tagebuch: An diesem Tag wurde zum ersten Mal Wein aus südafrikanischen Trauben gemacht. Dieser Wein soll jedoch von eher zweifelhafter Qualität gewesen sein: Die ersten holländischen Siedler, die in Südafrika eintrafen, waren Soldaten und keine Winzer. Nichtsdestotrotz wurde an jenem Februartag 1659 der Grundstein für den Weinbau in Südafrika gelegt. Die Häfen in Südafrika waren damals Versorgungshäfen für die Weiterreise nach Indien: Wein aus Südafrika erfüllte zunächst den Zweck, als Proviant für die Seefahrer zu dienen.
Schon damals waren die Franzosen dafür bekannt, über exzellente Kenntnisse im Weinbau zu verfügen: Im Drakenstein Valley, das auch Franschhoek (zu deutsch etwa: „Eck der Franzosen“) genannt wird, siedelten sich zwischen 1688 und 1690 Franzosen an und machten von ihren Kenntnissen über den Weinbau Gebrauch.

1822 sollen 10 Prozent aller in Großbritannien servierten Weine südafrikanischer Herkunft gewesen sein.

Aufschwung 

Die Franzosen brachten aus ihrer Heimat nicht nur die Weinkenntnisse mit, sondern auch die Barrique-Fässer, in denen bis heute südafrikanische Weine häufig ausgebaut werden.
Doch bis sich südafrikanische Weine in der Weinwelt behaupten konnten, dauerte es noch ein gutes Jahrhundert: Das 1685 gegründete Groot Constantia Estate ist eines der ältesten noch bestehenden Weingüter der Welt und machte ab dem Ende des 18. Jahrhunderts den Kapwein in Mitteleuropa bekannt: Weine aus Südafrika hielten an königlichen Höfen Einzug und der Bekanntheitsgrad des südafrikanischen Weins nahm zu. 1822 sollen 10 Prozent aller in Großbritannien servierten Weine südafrikanischer Herkunft gewesen sein.
Zu dieser Zeit wurden südafrikanische Weine vor allem als süße Dessertweine ausgebaut.
Ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts befand sich Südafrika in britischer Hand: Durch die regelmäßigen Kriege, die sich auf europäischem Boden abspielten, wurde der Weinbau in Europa vielerorts erschwert. Das führte dazu, dass sich südafrikanische Weine sehr gut vermarkten ließen: Die von Mitteleuropa über 10.000 Kilometer entfernten südafrikanischen Weinreben blieben von den kriegerischen Akten auf dem europäischen Kontinent unberührt. 

Flaute

Spätestens mit dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 geriet der südafrikanische Weinbau jedoch in schweres Fahrwasser: Der Weinbau in Europa erholte sich wieder und kaum einer interessierte sich mehr für südafrikanischen Wein. Hinzu kam der Reblaus-Befall, der seit 1886 einen Großteil der Rebbestände unbrauchbar machte: Die Abwehrmittel gegen die Reblaus waren kostspielig und für die meisten südafrikanischen Winzer finanziell unerreichbar. 

Die Rettung bot sich in Form einer Genossenschaft dar, die Mindestpreise für südafrikanischen Wein festlegte und eine Auffanggesellschaft für die vor dem finanziellen Ruin stehenden Weingüter bildete.
Das Jahr 1925 markiert ein besonderes Ereignis in der Geschichte von südafrikanischem Wein: Man kam auf die Idee, Pinot Noir-Trauben mit den für französischen Hermitage klassischen Syrah-Trauben zu kreuzen. Dadurch entstand die Pinotage-Rebsorte, eine Rebsorte, die in dieser Form nur in Südafrika angebaut wird. Die Pinotage-Rebsorte war ohne Zweifel einer der Gründe, weshalb sich der südafrikanische Weinbau wieder erholte.

Die Rettung lautet Pinotage

Zunächst erholte sich der südafrikanische Wein jahrzehntelang jedoch nicht von der Flaute, die nach dem Ersten Weltkrieg einsetzte: Neuzüchtungen brauchen lange, um sich an das örtliche Klima anzupassen und es dauert Jahrzehnte, bis von einer neuen Rebsorte große Volumen hergestellt werden können. Erst 1961 kam der erste Pinotage-Wein auf den Markt.
In der Zwischenzeit waren europäische Weine beliebt wie nie zuvor und viele Menschen wussten nicht einmal, dass es Wein aus Südafrika gibt. Nicht zuletzt die politischen Bedingungen im Südafrika des 20. Jahrhunderts erschwerten die Vermarktung von Wein.
Die Winzergenossenschaft KWV (südafrikanische Abkürzung, zu deutsch etwa: „Winzergenossenschaft von Südafrika“) konzentrierte sich im frühen 20. Jahrhundert auf die Herstellung von Brandy und stellten zahlreiche Weine im Portwein-Stil her. Durch die Isolationspolitik war es jahrzehntelang unmöglich, Rebsetzlinge aus Europa nach Südafrika zu importieren: Erst als Mitte der 1980er diese Vorschriften gelockert wurden, war es möglich, typisch europäische Rebsorten wie Chardonnay und französische Rotweinsorten in Südafrika anzubauen. 

Die südlich gelegene Provinz Westkap ist die einzige Provinz Südafrikas, die sich für Weinbau eignet.

Klima und Weinregionen

Am Kap der Guten Hoffnung, der Südspitze Afrikas, herrscht ein einzigartiges Klima: Dort treffen der Atlantik und der Indische Ozean aufeinander. Der Weinbau findet dort in einer „Cool Climate“-Gegend statt, die Reben wachsen also unter dem Einfluss der kühlen ozeanischen Luft.
Das Hinterland hingegen bietet ein kontinentales Klima: Hier sind heiße Tage und kühle Nächte an der Tagesordnung.
Hinsichtlich der Böden bietet Südafrika ebenfalls viel Abwechslung: Im Talboden gibt es sandige und lehmhaltige Böden, in den Ausläufern der Berge herrschen Granitböden vor.
Der Weinbau in Südafrika ist in vier große Regionen aufgeteilt: Diese Regionen wiederum unterteilen sich in verschiedene Distrikte. Die vier großen Regionen lauten Berede River Valley, Little Karoo, Coastal Region und Olifants River. All diese Regionen befinden sich in der südlichen Provinz Westkap: Die südlich gelegene Provinz Westkap ist die einzige Provinz Südafrikas, die sich für Weinbau eignet.
In Südafrika nimmt der Weinbau aus wirtschaftlicher Sicht eine entscheidende Rolle ein: Jedes Jahr werden mehrere hundert Millionen Liter Wein aus Südafrika exportiert. Deutschland zählt zu den größten Importeuren südafrikanischer Weine weltweit. 

Rebsorten und neue Charakterzüge

Neben dem für Südafrika typischen Pinotage werden in der Provinz Westkap viele typisch europäische Sorten angebaut: Die am meisten angebaute Rebsorte Südafrikas ist nicht etwa Pinotage, sondern die weiße Sorte Chenin Blanc. Ein gut ausgebauter Chenin Blanc-Wein soll einem Pendant aus dem Burgund in nichts nachstehen. Andere Weißweinklassiker wie Sauvignon Blanc und Chardonnay sind ebenfalls auf südafrikanischen Weinbergen zu finden.
Unter den Rotweinsorten nimmt Cabernet Sauvignon eine herausragende Stellung ein: Cabernet Sauvignon aus Südafrika hat einen eigenen Stil, der sich von Artverwandten aus anderen Weinländern stark unterscheidet und deshalb international geschätzt wird.
Wenn auch das Weinland Südafrika eine relativ kurze Geschichte hat, sorgen die Weine aus Südafrika immer wieder für eine willkommene Abwechslung. Die besonderen klimatischen Bedingungen der Weinregion erlauben zahlreichen in Europa beheimateten Rebsorten, einen gänzlich neuen Charakter zu entwickeln: Südafrika bringt neue Charakterzüge in zahlreichen etablierten Rebsorten zum Vorschein.

Simon von Ludwig


Beitragsbild: Ein südafrikanischer Pinotage-Rotwein, © Simon von Ludwig


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