Es gibt kaum einen zweiten Golfspieler des 20. Jahrhunderts, der den Golfsport in gleicher Weise beeinflusste wie Ben Hogan: Insbesondere sein typischer „Ben Hogan-Schwung“ bleibt bis heute in Erinnerung und inspirierte viele Golfspieler dazu, in die Verbesserung ihres Schwungs viel Energie zu stecken. Ben Hogan schrieb sogar Bücher darüber, wie man den perfekten Golfschwung vollzog.   
Wer war Ben Hogan, der nicht zuletzt mit seinem Golfschwung den Golfsport nachhaltig beeinflusste?   

Nachdem der junge Ben Hogan auf tragische Weise seinen Vater verloren hatte, war er zusammen mit seinen Geschwistern für den Lebensunterhalt seiner Familie verantwortlich. Zunächst trug er Zeitungen aus – damals ein klassischer Job für einen Jugendlichen, der Geld verdienen musste. 

Die Tätigkeit als Caddy legte bei dem jungen Hogan den Keim für eine Golfkarriere.   

Erste Erfahrungen als Caddy

Dieser Zustand hielt jedoch nicht besonders lange an: Bald schon machte ein Freund dem jungen Hogan ein verlockendes Angebot: Wenn er „richtiges Geld“ verdienen wolle, dann solle er sich doch bewerben, beim naheliegenden Golfplatz den Golfspielern die Golfbags hinterherzutragen. Die Qualifikation, um ein „vollwertiger“ Caddy zu sein, hatte Ben Hogan zunächst noch nicht – dafür hatte er zu wenig Erfahrung im Golfspiel. Er trug den Golfspielern einfach nur ihre Ausrüstung hinterher.  

Kurzfristig bescherte ihm diese Tätigkeit dem jungen Ben Hogan einen für sein Alter ordentlichen Verdienst – doch langfristig war es nicht die Höhe des Verdienstes, die Ben Hogans Leben veränderte: Diese Tätigkeit legte bei dem jungen Hogan den Keim für eine Golfkarriere.   
Später muss Hogan froh gewesen sein, auf den Rat seines Freundes gehört zu haben – es dauerte nicht lange, bis der junge Mann als „richtiger“ Caddy beim Glen Garden Country Club in seinem Wohnort Fort Worth (Texas) arbeitete. 

Vom „Golf-Virus“ befallen

Damals war die Tätigkeit als Caddy für aufstrebende Spieler eine einmalige Möglichkeit, mit erfahrenen Golfspielern in Kontakt zu kommen: Schließlich ist es auch die Aufgabe des Caddies, dem Golfspieler bei der Wahl der Schläger beratend zur Seite zu stehen.   

„Es war die Caddy-Erfahrung, wegen der mich das Golf-Virus befiel“ [Original: “It was through the caddy experience that I got the golf bug.“], sollte Ben Hogan später sagen. Damals war die Caddy-Erfahrung unerlässlich, um es später zu einem guten Golfspieler zu bringen – man arbeitete sich sozusagen empor, indem man als Caddy begann und die Golfspieler zunächst beobachtete.   
Später sagte Hogan auch, er bedaure die „reichen Kinder“ von heute – denn sie würden niemals erfahren, was es bedeutet, sich von ganz unten den Weg nach oben hochzuarbeiten.

„Great Depression“

Ben Hogans Golfkarriere begann inmitten einer Phase der tiefsten Armut für die meisten US-Amerikaner: Die sogenannte „Great Depression“ Ende der 1920er Jahre hinterließ in der Gesellschaft unübersehbare Spuren – davon blieb auch der Golfsport nicht verschont. Nicht nur steckten viele Golfclubs in einer existenziellen Krise, viele Golf-Enthusiasten konnten es sich schlichtweg nicht mehr leisten, den Sportlern bei ihrer Tätigkeit zuzusehen. Inmitten dieser Phase der Depression erhielt der 17-jährige Ben Hogan die Möglichkeit, am Texas Open teilzunehmen.   

Auch während der „Great Depression“ verschwand der Golfsport nicht ganz von der Bildfläche: Miniaturgolf erfreute sich großer Beliebtheit, dadurch, dass viele Menschen mehr Zeit denn je zur verfügung hatten, gingen sie dem „Golfsport“ außerhalb von fest angelegten Plätzen nach.   
Der Golfsport überlebte die Wirtschaftskrise und öffnete vielleicht so manchem Golfer aus bescheidenen Verhältnissen Türen, die sich sonst nie geöffnet hätten… 

Ein gebrauchter Buick löste dringende Probleme

Zwar waren Ben Hogans erste Turniere nicht allzu erfolgreich, dennoch fand er einen Weg, sich als professioneller Golfspieler auf Wettbewerbsniveau behaupten zu können. Damals ging es in erster Linie gar nicht sosehr darum, große Erfolge bei Golfturnieren einzufahren: Man möchte fast schon meinen, die Erfolge seien für Ben Hogan in den frühen Jahren seiner Karriere gar nicht das Wichtigste gewesen in den frühen Jahren seiner Karriere als Golfspieler.   

Vielmehr stand er immer wieder vor dem – heute primitiv scheinenden – Problem, wie er denn überhaupt zu einem Golfturnier anreisen konnte. Damals war das Golfspielen, wenn man sonst nichts anderem nachging, eine nicht unbedingt finanziell lukrative Tätigkeit – als Hogan sich Mitte der Dreißiger einen gebrauchten Wagen des damals sehr renommierten Fahrzeugherstellers Buick kaufen konnte, waren damit einige seiner größten Probleme bereits gelöst. Jetzt fehlten bloß noch die Erfolge… 

Kein Erfolg über Nacht

Die Karriere von Ben Hogan war keinesfalls eine Erfolgsgeschichte, die sich über Nacht entwickelte. Um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, gab Ben Hogan nebenher Golfstunden: Wenn er allerdings nicht gerade einem Schüler seinen Ansatz zum Golfspielen näherbrachte, war er permanent zum Üben auf dem Golfplatz anzutreffen.   

Ende der Dreißiger begann sich Hogans Mühe allmählich auszuzahlen: Langsam stellten sich für ihn die ersten Erfolge ein. Um etwa diese Zeit entwickelte sich Ben Hogans Abneigung gegenüber manchen Journalisten: Jedes Mal, wenn eine Zeitung unautorisiert ein Bild oder eine „Signatur“ von ihm verwendete und „Golftipps“ von ihm bewarb, wollte er dagegen vorgehen – für den ganzen Rest seiner Karriere blieb er stets auf Distanz zu vielen Journalisten. 

Die Ärzte zweifelten an, ob er jemals wieder normal werde laufen können, geschweige denn wieder Golf spielen könne.

Schicksalsschlag: Für immer fern vom Golfplatz?

Gerade als Ben Hogans Golfkarriere so richtig an Fahrt aufnahm, machte ihm die Weltgeschichte einen Strich durch die Rechnung: Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden die meisten entscheidenden Golfturniere nicht mehr oder nur noch eingeschränkt ausgetragen.   
1943 wurde Ben Hogan zum Militärdienst eingezogen, doch die meisten professionellen Athleten nahmen nicht aktiv am Kriegsgeschehen teil.  
Somit ging der Zweite Weltkrieg für Ben Hogan ohne weitere Einschränkungen vorüber – außer, dass er dem professionellen Golfsport nicht nachgehen konnte.  

1949 wurde Ben Hogan von einem schweren Schicksalsschlag getroffen: Im Februar 1949 war er in einen schweren Autounfall verwickelt, der ihn schwerverletzt zurückließ. Die Ärzte zweifelten an, ob er jemals wieder normal werde laufen können, geschweige denn wieder Golf spielen könne. Ben Hogan muss einen außergewöhnlichen Willen zum Golfspielen gehabt haben: Ein Jahr später war er wieder auf dem Golfplatz in Los Angeles zu sehen und sein Comeback wurde von Tausenden gefeiert.   

In den Jahren von 1946 bis 1953 erlang Ben Hogan insgesamt neun Major-Siege. Das Jahr 1953 war zweifelsohne der Höhepunkt seiner Karriere: In jenem Jahr gewann er die Masters, die US Open und The Open Championship – ein solcher Erfolg war vorher keinem professionellen Golfspieler gelungen und wurde erst von Tiger Woods 2000 wieder erreicht. 

Vermächtnis

Der legendäre Golfspieler aus Dublin, Texas verewigte sich für immer in der Welt des Golf: Heute noch gibt es den typischen „Ben Hogan-Golfschwung“.    
Es heißt sogar, seit Ben Hogans Golferfolgen verbrächten die Golfspieler viel Zeit auf der Drivingrange, um ihre Schwungtechnik zu verbessern: Die Einflüsse des Golfers Ben Hogan auf den Golfsport sind vielfältig und bis heute spürbar.   

Nach seiner aktiven Golfkarriere gründete Hogan ein Unternehmen, das hochwertige Golfschläger herstellte: Doch was bringt einem ein hochwertiger Golfschläger, wenn man nicht weiß, wie man damit umgehen muss?   
In späteren Jahren veröffentlichte Hogan deshalb verschiedene Bücher über die Spieltechnik im Golf. Viele Golflehrer greifen heute auf seine Annahmen vom Golfspiel zurück. 

Simon von Ludwig


Maßgebliche Quelle: Sampson, Curt: Hogan, 1996 Rutledge Hill Press

Beitragsbild: Ben Hogan im Juli 1953 bei einer Parade anlässlich seiner Heimkehr am Broadway, Photographer Dick DeMarsico, Libaray of Congress, Public Domain, entnommen aus Wikimedia Commons


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