Die deutsche Übersetzung des gesellschaftskritischen Songs Where Have All The Flowers Gone stammt aus seiner Feder: Marlene Dietrich machte das Lied unter seinem deutschen Titel Sag mir, wo die Blumen sind dem europäischen Publikum bekannt.
Colpet wurde 1905 im damals ostpreußischen Königsberg geboren – seine Eltern waren russischer Herkunft und als Staatenlose in das Deutsche Reich gekommen.
Ursprünglich war für Max Colpet eine Karriere als Ingenieur vorgesehen: Sein Studium brach er allerdings ab und entschied sich, die Schriftstellerei zu seinem Beruf zu machen. Er verfasste für verschiedene Zeitungen Feuilletonbeiträge und sammelte so seine ersten schriftstellerischen Erfahrungen.

Billy Wilder

Ende der 1920er Jahre war Max Colpet an der Gründung von verschiedenen politischen Kabaretts in Berlin beteiligt: So arbeitete er mit dem Schauspieler Erik Ode und dem Kabarettisten Werner Finck zusammen. In den frühen Dreißigern verfasste er mehrere Manuskripte für die Babelsberger Filmindustrie: Hier begegnete er Billy Wilder, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte. Als Billy Wilder 1934 mit dem französischen Kriminalfilm Mauvaise graine sein Regiedebüt feierte, war Max Colpet am Drehbuch beteiligt. Colpet war infolge der nationalsozialistischen Machtergreifung nach Frankreich ausgewandert und suchte dort seinen Erfolg als Schriftsteller. 

Colpet hielt es zunächst für einen Scherz, als er vom Portier des Versailler Hotels Trianon angerufen wurde, Marlene Dietrich würde ihn erwarten.

Schicksalhaftes Treffen

1933 traf sich Max Colpet mit Marlene Dietrich in Paris: Nachdem die Dreharbeiten für den Film Song of Songs (1933) abgeschlossen waren, begab sich Dietrich auf eine Reise nach Paris. Sie erinnerte sich an ein Chanson aus ihrer frühen Karriere: Allein in einer großen Stadt, das Max Colpet und Franz Wachsmann zusammen geschrieben hatten. Als Marlene Dietrich erfuhr, dass sich beide in Paris aufhielten, lud sie beide kurzerhand in ihr Hotel ein – Colpet hielt es zunächst für einen Scherz, als er vom Portier des Versailler Hotels Trianon angerufen wurde, Marlene Dietrich würde ihn erwarten. Erst als sich die Anrufe häuften und Marlene Dietrich ihren Cadillac samt Chauffeur schickte, nahmen Colpet und Wachsmann die Angelegenheit ernst. 

Dietrich hatte die Melodie von Allein in einer großen Stadt vergessen: Colpet und Wachsmann halfen ihr dabei, den Text und die Melodie zu rekonstruieren, um das Chanson auf eine Schallplatte zu bringen. Für die Rückseite der Schallplatte schrieb Colpet für Marlene Dietrich ein weiteres Lied: Wo ist der Mann?, zu dem Peter Kreuder die Musik komponierte.
Bei Veröffentlichung der Platte firmierte Colpet unter dem Pseudonym Kurt Gerhardt.
Colpet beschrieb später diese Begegnung mit Marlene Dietrich als wegweisend für seine weitere Karriere – nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb Colpet für Marlene Dietrich zahlreiche Texte und Übersetzungen, die zu großen Erfolgen wurden. 

Schwierigkeiten

Wenig später siedelte Max Colpet nach Österreich über: Für das Theater an der Wien schrieb er 1937 das Musical Pam-Pam.
Als Österreich vom Deutschen Reich annektiert wurde, geriet Colpet in ernsthafte Schwierigkeiten: Er war gezwungen, wieder nach Frankreich zu flüchten – dieses Mal als Staatenloser.
Im September 1939 verfasste er einen Brief an Marlene Dietrich, in dem er seine Situation schildert: Seine Konten waren gesperrt, er lebte in schlechten Verhältnissen und seine einzige Hoffnung waren Freunde, die nach Amerika übergesiedelt waren. Er bat Marlene Dietrich darum, ein gutes Wort für ihn einzulegen und ihm das Nötigste zum Überleben bereitzustellen.
Max Colpet überstand diese Zeit – bei Marlene Dietrich revanchierte er sich später damit, dass er ihr zahlreiche Liedtexte auf den Leib schrieb. 

Umfangreiches Werk

Doch Colpet verfasste nicht nur Chansons für Marlene Dietrich: Seine Lieder wurden auch von Zarah Leander, Freddy Quinn, Hans Albers, Lale Andersen und Hildegard Knef interpretiert. Für Marlene Dietrich verfasste er hauptsächlich Übersetzungen von berühmten Chansons. Er übersetzte Werke von Pete Seeger, Jacques Brel (Bitte geh nicht fort, Original: Ne me quitte pas), Charles Aznavour und Donovan. In den Fünfzigern übersetzte Max Colpet die Musicals West Side Story und Irma La Douce ins Deutsche.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Colpet von seinem Freund Billy Wilder nach Hollywood eingeladen: 1954 nahm er die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an. Ab 1966 lebte Colpet in der Schweiz. 1991, sieben Jahre vor seinem Tod, veröffentlichte er seine Autobiographie unter dem Titel Sag mir, wo die Jahre sind: Erinnerungen eines unverbesserlichen Optimisten.

Musikalisches Erbe

Durch seine legendären Übersetzungen von amerikanischen Liedern – allen voran Sag mir, wo die Blumen sind, ist der Name Max Colpet Musikkennern bis heute ein Begriff. Ursprünglich hatte sich Colpet zum Ziel gesetzt, ein erfolgreicher Drehbuchautor zu werden: Trotz seiner engen Freundschaft mit dem Regisseur Billy Wilder hatte Colpet nur mäßigen Erfolg als Drehbuchautor. Seine größten Erfolge feierte Colpet mit dem Dichten und Übersetzen von Liedtexten – seine Begegnung mit Marlene Dietrich 1933 in Paris erwies sich als wegweisend für seine weitere Karriere. Die beiden verband Zeit ihres Lebens eine enge Freundschaft: Als Marlene Dietrich Ende der Siebziger ihre Memoiren veröffentlichte, war Max Colpet maßgeblich an der deutschen Textfassung beteiligt.
Dank der zahlreichen Aufnahmen von Übersetzungen und Liedern aus der Feder von Max Colpet bleibt er bis heute als einer der einflussreichsten deutschen Lieddichter des 20. Jahrhunderts in Erinnerung.

Simon von Ludwig

Das Chanson der Marlene Dietrich

Maßgebliche Quellen: Bemmann, Helga: „Marlene Dietrich – Ihr Weg zum Chanson“, 1990 Verlag Lied der Zeit 

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