Beitragsbild: Maria Callas 1957 in Milano, Foto von Federico Patellani, entnommen aus Wikimedia Commons

Teil eins von vier

Memoiren? 

Zum Ende des Jahres 1956 lagen auf dem Schreibtisch der griechisch-amerikanischen Opernsopranistin Maria Meneghini Callas mehrere Angebote von namhaften Verlagshäusern, die sich alle darum schlugen, ihre Memoiren auflegen zu dürfen.
Sie lehnte alle Angebote ab. Nun stand sie vor dem Problem, dass sich viele Ungenauigkeiten oder, viel schlimmer, Unwahrheiten über ihre Person und ihren Lebensweg verbreiteten. Schließlich entschloss sie sich doch dazu, die Öffentlichkeit über ihren Lebensweg zu unterrichten:
Ende 1956 entschloss sie sich, ihrer Freundin Anita Pensotti, einer Journalistin, ihre Memoiren zu diktieren – um sie selbst zu schreiben, fehlte es ihr an Motivation. Sie lehnte als eine Frau, die nie gerne über sich selbst sprach, das Konzept des Memoirenschreibens ab. 

Die diktierten Memoiren fanden allerdings erst 2019 den Weg in die Bücherregale. 

Der Regisseur und Photograph Tom Volf entdeckte, bearbeitete und übersetzte den ursprünglich italienischen Text ins Französische und veröffentlichte ihn 2019 gemeinsam mit einer Sammlung an Briefen von und an Maria Callas. 

Mary Callas 

Ihre Memoiren beginnen mit der Unsicherheit, ob sie am zweiten oder vierten Dezember 1923 geboren wurde. Fest steht, dass sie in New York als Maria Anna Cecilia Sophia Kalogeropoulos geboren wurde. Sie wuchs in New York auf. Ihr Vater änderte den im Englischen schwierig auszusprechenden griechischen Nachnamen in „Callas“ um – in Amerika war ihr Name also Mary Callas.
Ende 1936 kehrte sie gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester nach Griechenland, wo beide Eltern herkamen, zurück – ohne den Vater. Von nun an hieß sie wieder Maria Kalogeropoulos. Zumindest vorerst.
Beim Lesen wird schnell deutlich: Schon die Kindheit der späteren Sopranistin war von dem Wunsch bestimmt, eine erfolgreiche Sängerin zu werden. Obgleich der damaligen Haltung, nach der es in einigen Gesellschaftsschichten als unwürdig galt, eine Bühnenkarriere anzustreben, erhielt die junge Maria Rückenwindaus dem Elternhaus. 

«Tout ou rien (…)»

– Maria Callas, in ihren Memoiren (Bild: Wikimedia Commons)

Ein Mezzosopran? 

Im Alter von 14 Jahren gab Maria Callas bei einer Studentenaufführung in dem Konservatorium, das sie besuchte, ihr Bühnendebüt und gewann dabei den ersten Preis. Obwohl Maria eigentlich noch zu jung war, bestand die spanische Sopranistin Elvira de Hidalgo darauf, die zu dieser Zeit am Konservatorium unterrichtete, dass die junge Maria Callas aufgenommen wird.
Damals, schreibt Jürgen Kesting in seiner Biographie über Maria Callas, habe man sie als ein Mezzosopran eingeschätzt und nur durch intensives Training haben sich die Höhen und Tiefen ihrer Stimme entwickeln können.
Die Gesangsstunden seien für Maria kostenlos gewesen, de Hidalgo habe es als ihre Aufgabe angesehen, die junge Maria stimmlich und auch charakterlich zu formen. 

Was tun mit den Händen beim Singen?

Elvira de Hidalgo erzählt, wie die junge Gesangsstudentin morgens zum Unterricht erschien und erst abends wieder nach Hause ging, nachdem sie bei den Gesangsstunden der anderen Schüler assistierte. Auf diesem Wege erlangte sie schon früh ein großes Opernrepertoire, das ihr später helfen sollte. Auch bestand de Hidalgo darauf, dass Maria Callas italienisch lernt, denn ihrer Ansicht nach würde Maria früher oder später ohnehin in Italien landen. Anschließend schloss Maria, die kein Geld für Italienischunterricht hatte, Freundschaft mit drei Medizinstudenten, die auf italienisch studiert hatten und erlernte die Sprache, in der viele ihrer späteren Glanzrollen abgefasst waren, innerhalb von drei Monaten. 

Als besondere Schwierigkeit zu dieser Zeit bezeichnete Maria die Frage, was sie mit ihren Händen während dem Singen tun sollte. Später, in den Siebzigern, als sie eine Master Class an der Juilliard School unterrichtete, gab sie ihren Schülern den Tipp, die Hände so selten wie möglich zu bewegen. Das steigere die Intensität einer jeden Handbewegung. 

Interpretatorische Einbildungskraft

Während der Besetzung Griechenlands durch das Deutsche Reich zu Beginn der 1940er engagierte man sie an der Athener Oper. Von Kritikern wurde ihr „dramatischer Instinkt, ihre Intensität und interpretatorische Einbildungskraft“ gelobt.
Sie erhielt Rollen in „Tiefland“ von Eugen d’Albert und in „Fidelio“ von Ludwig van Beethoven.
Doch als zuerst die Besatzung Griechenlands und anschließend der Zweite Weltkrieg zu einem Ende kamen, drohten die Umstände noch trostloser zu werden, als sie es ohnehin schon waren.

Im Alter von 21 Jahren entschied sich Maria dazu, mit der Fähre in die Vereinigten Staaten von Amerika zurückzukehren, wo sie ihren Vater wieder treffen würde. Von einer Reise nach Amerika erhoffte sie sich aber auch einen Karrieresprung… 

Simon von Ludwig | Mehr über Maria Callas

Teil zwei

«Là où cesse la parole, commence la musique, a dit le fantastique Hoffmann. Et véritablement la Musique est une chose trop grande pour pouvoir en parler. Mais on peut toujours la servir, cependant, et toujours la respecter avec humilité. Chanter, pour moi, n’est pas un acte d’orgueil, mais seulement une tentative d’élévation vers ces Cieux où tout est harmonie.»

Maria Meneghini Callas, 1957

Maßgebliche Quellen: Volf, Tom: Maria Callas – Lettres & Mémoires, Editions Albin Michel, 2019 & Kesting, Jürgen: Maria Callas, List Taschenbuch, 9. Aufl. 2018


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