Kaum ein Grill ist so beliebt wie der Keramikgrill: Ein Keramikgrill ist ein dickwandiger, ellipsenförmiger Grill. Er unterscheidet sich vom gewöhnlichen Kugelgrill gewaltig: Ein Kugelgrill ist meist mit einer dünnen Blechschicht ausgekleidet, welche die Hitze weit weniger gut speichert als Keramik. Die Keramik hingegen kann eines besonders gut: Hitze speichern. Deshalb wird beim Grillen auf einem Keramikgrill weit weniger Kohle benötigt.
Doch man weiß nicht erst seit gestern um die Vorteile des Kochens mit Keramik… 

Die Idee, über offener Flamme mithilfe von Natursteinen zu kochen, ist so alt wie das Kochen selbst. 

Kamado

Die Geschichte des Keramikgrills, der oft auch Kamado (japanisch für Ofen) genannt wird, beginnt im zweiten Jahrhundert vor Christus. Damals wurden während der Qin-Dynastie in China Kochstellen gebaut, die mit Ton ausgekleidet waren und so die Hitze besser speicherten.
Einige Jahrhunderte später schwappte die Erfindung nach Japan über, wo sie den Namen Kamado erhielt. Dabei handelte es sich allerdings um fest installierte Kochflächen, die nicht bewegt werden konnten. Nichtsdestotrotz ist es der Ursprung dessen, was man heute Keramikgrill nennt: Die Idee, über offener Flamme mithilfe von Natursteinen zu kochen, ist so alt wie das Kochen selbst. 

Über die Jahrhunderte hinweg entwickelten sich zahlreiche Variationen des ursprünglichen Kamado: Man arbeitete daran, Kochflächen auch in Innenräumen einzusetzen und setzte sich zum Ziel, die Kochflächen mobil zu gestalten. Später ersetzte man den zerbrechlichen Ton durch hitzebeständige Keramik.
Lange Zeit war der Keramikgrill etwas, das man nur in Japan finden konnte: Überall sonst auf der Welt hatten die Menschen seit Generationen vergessen, wie man mithilfe von Natursteinen und Kohle kocht. Der erste Kamado-Grill in seiner heutigen Form wurde um 1900 zum ersten Mal gebrannt.

Keramikgrill in den USA

Das änderte sich mit dem Zweiten Weltkrieg: Die Legende besagt, US-amerikanische Streitkräfte seien dem Kamado in Japan zum ersten Mal begegnet. Sie seien so sehr begeistert gewesen von den Vorteilen eines Keramikgrills, das sie ihn mit in ihre US-amerikanische Heimat nahmen und ihn dort bekannt machten. Zahlreiche bekannte Keramikgrills kommen bis heute aus den Vereinigten Staaten. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in den USA zahlreiche Patente im Zusammenhang mit Keramikgrills eingetragen.

Der Mushi-Kamado war der erste Kamado, bei dem man einen Deckel vorsah, der das Feuer und die Grillfläche überdeckte.

Mushi-Kamado

In der japanischen Kultur war der Kamado lange Zeit Mittelpunkt einer jeden Küche: Er war fest im Haus eingebaut und besaß einen Rauchauslass, der durch die Mauer nach draußen geführt wurde. Besonders häufig wurde auf dem Kamado Reis gekocht.
In Japan entwickelte man eine eigene Form des Kamadogrills nur zum Reiskochen: Der Mushi-Kamado (japanisch für Reiskocher) gilt als direkter Vorläufer der heutigen Keramikgrills. Der Mushi-Kamado war der erste Kamado, bei dem man einen Deckel vorsah, der das Feuer und die Grillfläche überdeckte. So speicherte man einerseits die Hitze, andererseits konnte man die Feuerstelle schnell löschen und die Kohle so für das nächste Essen aufsparen. 

Hitzebeständige Keramik

Lange Zeit war es ein großes Problem von Keramikgrills, dass die Keramik schnell von Rissen übersät war und zu zerbrechen drohte. In den Siebzigern entwickelte man verschiedene Verfahren, um die Keramikhülle stabiler und rissfester zu machen.
Manche Hersteller gingen sogar soweit und arbeiteten mit Raumfahrtunternehmen zusammen: Um ein Raumschiff ins Weltall zu schicken, wird besonders stabile und hitzebeständige Keramik benötigt. Einige Keramikgrills greifen auf diese hitzebeständige Keramik aus der Raumfahrt zurück und profitieren so von einer besonders langen Lebensdauer. 

Ein Hähnchen wird auf einem Keramikgrill indirekt gegrillt, © Simon von Ludwig

Direktes und indirektes Grillen

Einer der größten Vorteile des Keramikgrills ist, dass indirektes und direktes Grillen möglich ist: Beim direkten Grillen kommt das Grillgut in direkten Kontakt mit der Glut (auch Kontaktwärme genannt). Diese Kontaktwärme führt bei einem Steak und anderem Grillfleisch zu einem starken Branding.
Nachdem man ein Steak angegrillt hat, legt man es meistens zum Ruhen in den indirekten Bereich: Beim Keramikgrill wird hierfür ein Reflektorstein eingesetzt, der dazu führt, dass das Steak nicht mehr direkt über der glühenden Kohle liegt. So kann das Steak durchziehen und der gewünschte Gargrad wird erreicht. Beim indirekten Grillen findet die Wärmeübertragung über heiße Luft statt – auch Konvektion genannt. 

Gerichte vom Kreamikgrill

Auf einem Keramikgrill lassen sich die unterschiedlichsten Gerichte zubereiten: Sei es ein Steak, ein Auflauf, gegrilltes Gemüse, Pulled Pork oder eine klassische Bratwurst. Alles, was auf einem Keramikgrill zubereitet wird, schmeckt anders, als wenn es auf einem anderen Grill zubereitet wird.

Keramikgrills eignen sich nicht nur zum Grillen: Ein Grill mit Keramikhülle eignet sich ebenfalls zum Smoken. Dank seiner Effizienz und lang anhaltenden Hitze eignet sich ein Keramikgrill besonders gut für Long Jobs, bei denen beispielsweise ein Schweinekamm besonders lange gegart wird, um Pulled Pork zu erhalten. 

Simon von Ludwig

Genuss bei Der Bussard

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