Teil sechs

Teile eins bis fünf

„Ich lehne es aber ab, vor einem Kampf davonzulaufen. Das ist meine Natur. Ich kämpfe bis zum Schluss, egal was passiert, egal was es kostet, damit wir wenigstens einmal Gerechtigkeit in die Formel 1 bringen.“ Das sagte Ayrton Senna im Zuge des Presseskandals, der sich nach dem Zwischenfall beim Grand Prix von Suzuka 1989 entfachte.

Kampf um die Superlizenz

Anfang 1990 ging der Kampf um Ayrton Sennas Superlizenz weiter: Senna hatte verlautbaren lassen, die Geldstrafe nicht zu zahlen. FISA-Chef Balestre drohte damit, Senna keine Superlizenz auszustellen und forderte außerdem eine öffentliche Entschuldigung für Sennas Anschuldigungen gegenüber der FISA.
Im letzten Moment intervenierte der Team-Chef von McLaren, Ron Dennis: Mit einem Statement von Senna, das zwar seine Vorwürfe revidierte, aber keine Entschuldigung war, trat er an die Öffentlichkeit. Das Statement reichte Balestre aus: Er gab Sennas Superlizenz für 1990 frei. 

Neue Konstellationen

Die Saison von 1990 wurde Ayrton Sennas erste Formel Eins-Saison, auf die er sich nicht freute.
Alain Prost, sein Rivale aus dem Vorjahr, saß nun in einem Ferrari und das Williams-Team hatte sein Fahrzeug kräftig weiterentwickelt: Die Rennautos von Williams verfügten über Elektronik, mit der McLaren nicht mithalten konnte.
Dass Prost nun in einem Ferrari fuhr, hieß aber nicht, dass Senna keine Konkurrenz mehr im eigenen Team hatte: Gerhard Berger, der vorher für Ferrari fuhr, war Sennas neuer Teamkollege geworden.
Gleich das erste Rennen in Phoenix (USA) war ein Weckruf für Senna: Sein neuer Teamkollege Berger holte sich die Poleposition. 

Die James Bond-Jahre

Gerhard Berger sollte auch für die kommenden beiden Saisons Sennas Kollege bleiben: Die gemeinsamen Jahre taufte Gerhard Berger später die James Bond-Jahre. Es war für beide eine Phase, während der sich beide um nichts anderes Gedanken machen mussten als um die Rennstrecke. Ihr Platz bei McLaren war sicher und von materieller Not waren sie weit entfernt. Die sorglose Beziehung der beiden hatte den einzigen Haken, dass sie beide gegeneinander um die Weltmeisterschaft kämpften.

Gerhard Berger, von 1990-1992 Ayrton Sennas Teamkollege
Gerhard Berger beim Grand Prix der USA 1991, © StuSeeger, Wikimedia Commons (CC BY 2.0)

Erzrivalen

Der Kampf um den Weltmeisterschaftstitel 1990 zog sich bis zum vorletzten Grand Prix in Japan hin: Titelverteidiger Alain Prost war Ayrton Senna dicht auf den Fersen. Nach 14 Rennen hatte Ayrton Senna sechs Rennen gewonnen, Alain Prost fünf. Die Titelentscheidung würde erneut in Suzuka fallen.
Ayrton Senna sicherte sich die Pole. Doch es gab ein Problem: Der Startplatz für den Fahrer auf der Pole-Position lag auf der Innenseite der Piste – nicht auf der Außenseite, wo die Ideallinie verlief. Senna und sein Teamkollege setzten sich für die Verlegung auf die saubere Außenseite ein. Kurz vor dem Rennen teilten ihm die Offiziellen mit, dass der Startplatz nicht verlegt werden würde. 

Da Alain Prost direkt hinter Senna – auf der sauberen Außenseite der Piste – startete, war die Situation brisant: Alain Prost zog wegen seiner Startposition auf der Ideallinie an Ayrton Senna vorbei.
Als Prost in die erste Kurve einlenkte, wollte sich Senna seinen ersten Platz zurückholen: Prost machte die Tür zu. Senna wollte nicht nachgeben. Es kam zur Kollision. Damit waren beide Autos aus dem Rennen – und Senna hatte die Weltmeisterschaft 1990 für sich entschieden, da niemand mehr seinen Vorsprung einholen konnte.
Die Schuld für die Kollision wurde Senna in die Schuhe geschoben. Ayrton verwies auf die Entscheidung der FISA, den Startplatz für den Fahrer auf der Pole-Position nicht zu verlegen. Erneut sah er den Einfluss von Jean-Marie Balestre hinter der Entscheidung. 

Doch das änderte nichts daran, dass Ayrton Senna zum zweiten Mal Formel-Eins-Weltmeister wurde. 

Der dritte Titel 

Die Formel Eins-Weltmeisterschaft von 1991 machte den Anschein, als ob es für Senna eine Routinearbeit sei, die Formel Eins-Weltmeisterschaft zu gewinnen: Vom ersten Rennen ab führte Senna die Fahrerwertung an und gab die Führung bis zum Ende der Saison nicht mehr ab.
Nigel Mansell im Williams wurde Sennas größter Konkurrent während der Saison von 1991.
Das lag nicht zuletzt daran, dass sein Rivale Alain Prost deutlich weniger Rennsiege einfuhr.
Erneut fiel die Entscheidung über die Weltmeisterschaft in Japan: Nigel Mansell schied wegen eines Fahrfehlers aus. Damit war Sennas einziger WM-Rivale ausgeschaltet – Ayrton Senna wurde der jüngste dreifache Formel-Eins-Weltmeister der Geschichte. 

McLaren-Teamchef Ron Dennis fragte Senna über den Funk, ob er den Sieg an seinen Teamkollegen Gerhard Berger, der direkt hinter Senna fuhr, geben würde. Senna machte es spannend: Er führte die letzten Runden über und ließ Gerhard Berger erst auf den letzten Metern überholen.

Der Ausstieg von Honda 

Der neue McLaren MP4/7A für die Formel Eins-Saison 1992 war nicht das Auto, das Senna sich vorstellte: Es gab massive Probleme hinsichtlich der Geschwindigkeit und der Verlässlichkeit des Rennautos. Das Williams-Team hingegen hatte weiter an den elektronischen Komponenten gefeilt und konnte eine computerbasierte aktive Federung präsentieren.
Hinzu kam, dass Honda sich entschloss, ab der Saison 1993 aus der Formel Eins auszusteigen. Ayrton Senna, der stets eine gute Verbindung zu Honda hatte, wusste es vor seinem Teamchef.
Dementsprechend war auch nicht zu erwarten, dass Honda die üblichen Ressourcen in die Entwicklung des Motors stecken würde. 

Dominanz von Williams

Nigel Mansell im Williams-Renault gewann die ersten fünf Rennen – und brach damit Sennas Rekord aus dem Vorjahr, als er die ersten vier Rennen gewann.
Sennas einzige Sternstunde in der Saison 1992 spielte sich in Monaco ab: Bereits im Qualifying gab es ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Mansell und Senna.
Der Williams von Mansell war dem McLaren so weit voraus, dass Senna darauf hoffen musste, bei  Mansell würde sich ein Zwischenfall ereignen. So sollte es auch kommen: Sechs Runden bevor das Rennen zu Ende war, musste Mansell in die Box fahren: Es gab ein Problem mit seinen Reifen. Doch in der Annahme, Mansell würde ohne Boxenstopp bis zum Ende durchfahren, hatte sein Team bereits das Equipment zusammengepackt und war völlig unvorbereitet. Mansells Boxenstopp würde also länger dauern. 

Senna nutze die Gelegenheit: Als Mansell wieder auf die Rennstrecke einbog, hatte Senna ihn überholt und hatte einen Vorsprung von 5,1 Sekunden. Was folgte, war eine Aufholjagd: Senna fuhr auf abgefahrenen Reifen – Mansell hatte gerade ein paar frische aufgesetzt bekommen. Außerdem war der Williams dem McLaren technisch weit voraus.
Nach drei Runden hatte Senna lediglich noch einen Vorsprung von 2,1 Sekunden. Doch es war nicht irgendein Fahrer, den Mansell da einzuholen versuchte: Es war Ayrton Senna. Im Überrundungsverkehr tat sich eine Chance für Mansell auf – doch Senna ließ ihn nicht vorbeikommen. Er gewann den Grand Prix von Monaco 1992.
Gerhard Berger sagte über seine Leistung:

„Niemand außer Senna hätte dieses Rennen unter diesen Umständen gewinnen können. Jeder andere hätte einen Fehler gemacht.“ 

Auszeit?

Ayrton Senna beendete die Weltmeisterschaft 1992 auf dem vierten Platz. Obwohl er mehr Rennen gewonnen hatte als der Drittplatzierte Michael Schumacher, konnte er nicht genügend Punkte sammeln für eine höhere Wertung. Senna konnte sieben Rennen nicht beenden, Schumacher hatte nur vier Ausfälle.
Eine Enttäuschung für Senna: Ihm war klar, dass er bei McLaren nichts mehr reißen konnte. Das Herzstück der Teamarbeit, der Honda-Motor, gehörte der Vergangenheit an. Man vermutete, dass Senna sich ein Jahr Auszeit nehmen würde – doch das lag nicht in seinem Interesse… 

Simon von Ludwig

Teil sieben.

Maßgebliche Quellen: Rubython, Tom: „Ayrton Senna: The Life of Senna“, 2004 BusinessF1 Books & Jones, Bruce: „Ayrton Senna – Portrait of a racing legend“, 2019 Carlton Books.

Beitragsbild: © Instituto Ayrton Senna (CC BY 2.0), entnommen aus Wikimedia Commons

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