Michael Jackson – seine Hits: Billie Jean, Man In The Mirror oder They Don’t Care About Us. Eingefleischte Fans denken abseits von seinen Songs vielleicht noch an seine Dichtungen, die er im Gedichtband Dancing The Dream verewigte. Was aber häufig komplett ausgeblendet wird, ist seine Arbeit in der bildenden Kunst: MJ zeichnete selbst gerne und ließ sich auch gerne von anderen zeichnen.
Schon als Kind drückte sich Michael mithilfe von Zeichnungen aus: Besonders gerne zeichnete MJ in diesen Jahren sein großes Vorbild Charlie Chaplin, dessen Song Smile er 1995 interpretierte.
Doch mit dieser frühen Faszination für eine Legende des Stummfilms alleine war Michaels Begeisterung für die bildende Kunst noch nicht genüge getan: Mit seiner aufstrebenden Solokarriere erweiterten sich auch seine Möglichkeiten, seinem privaten Interesse nachzugehen.

Diana Ross

Kurz bevor Michael, damals noch als Mitglied der Jackson Five, nach Kalifornien umzog, wohnte er einige Zeit bei der Entertainerin Diana Ross. Michael schreibt in seiner Autobiographie, sie sei es gewesen, die sein Interesse an Kunst in jungen Jahren geweckt habe. Als Ausgleich zum Showbusiness gab Ross dem jungen Michael eine Einführung in die Welt der Kunst: Sie zeichneten gemeinsam und Ross führte den aufstrebenden Star in zahlreiche Museen, wo sie ihm die Werke von Michelangelo und Degas vorstellte. In seinen Memoiren Moonwalk beschreibt Michael Diana als seine Mutter, seine Liebhaberin und seine Schwester in einer Person.

Diana Ross 1981
Diana Ross 1981, © Hans van Dijk, entnommen aus Wikimedia Commons

Brett-Livingstone Strong

1979, als MJ 21 Jahre alt war, lernte er den Bildhauer und Künstler Brett-Livingstone Strong kennen. Es war um die Zeit, als Jackson sein erstes international erfolgreiches Album Off The Wall veröffentlichte. Aus diesem Treffen entwickelte sich eine künstlerische Partnerschaft zwischen den beiden, von der beide Künstler gleichermaßen profitieren sollten.
Brett-Livingstone entwarf für MJ in den 1980ern zahlreiche Kunstwerke, die dann auf seinen Konzertbroschüren und CD-Veröffentlichungen abgedruckt wurden: Diese Zusammenarbeit feierte 1991 in dem Artwork für Michaels Album Dangerous ihren Höhepunkt.

Dangerous-Cover

Im Zentrum des Albumcovers stehen Michaels Augen, für deren künstlerische Darstellung Brett-Livingstone verantwortlich war: Michaels braune Augen, geziert von stark betonten schwarzen Augenbrauen, werden mit seiner charakteristischen Locke abgerundet, die zwischen den beiden Brauen herunterhängt. Obwohl nur ein Teil seines Gesichts sichtbar ist, ist unverkennbar, dass es sich um Michael Jacksons Konterfei handelt.
Rund um das Gesicht Michaels herum entdeckt man eine royal anmutende Verzierung, die aber keineswegs verspielt wirkt: Auf dem Cover finden sich zahlreiche Elemente von royaler Herrschaft – so auch Throne und Königsgewänder. Bewusst komisch wirkt, dass auf den Thronen Tiere in Königsgewändern sitzen. 

Unter dem Gesicht von Michael befindet sich der Eingang zu einer Fabrik, die sich durch ihre dunkle Skizzierung von dem bunten Rest des Covers abhebt. Hinter den Pforten der Fabrik findet sich ein auf den Kopf gestellter Erdball, der zwischen zwei Enden eines Kamins eingepresst ist.
Der auf den Kopf gestellte Erdball kann bedeuten, dass aus Michaels Sicht die Welt Kopf steht: Auf dem Album selbst singt er unter anderem von gesellschaftlichen Problemen. Im Titel Black Or White geht Michael das Thema Rassismus kritisch an, der Song Heal The World spricht durch seinen Titel für sich – die Welt soll geheilt werden und von dunkler Energie befreit.
Für die Gesamtrealisierung des Dangerous-Covers war der amerikanische Maler Mark Ryden verantwortlich.

Die Jackson-Strong Alliance

Ein Höhepunkt von MJs Engagement für die bildende Kunst war die Jackson-Strong Alliance: Anfang 1989 wurde zwischen MJ und Brett-Livingstone Strong der Grundpfeiler für eine jahrelange künstlerische Zusammenarbeit gelegt.
Die beiden Künstler schlossen einen Vertrag und bezogen ein Atelier in Culver City, einer kleinen Stadt in Kalifornien: Dort arbeiteten sie in den kommenden Jahren einzeln oder zusammen an ihren Kunstwerken.
So arbeiteten die beiden unter anderem an einer Kollektion, die sich The Artist’s Formula nannte:
Hier wurden bedeutende Künstler wie Michelangelo oder van Gogh porträtiert. Für ein Porträt von Michelangelo soll sich Michael ein 500 Jahre altes Buch gekauft haben (aus der Zeit, als Michelangelo lebte), eine Seite daraus herausgetrennt haben und darauf Michelangelo porträtiert haben.
Ursprünglich war das Projekt The Artist’s Formula von Brett-Livingstone initiiert worden – Michael trug 170 Werke zu diesem Projekt bei, von denen 120 überlebt haben.
Für diese Serie zeichnete MJ unter anderem Walt Disney, Clark Gable, Elizabeth Taylor, Martin Luther King und Marilyn Monroe.

Elizabeth Taylor 1985 beim American Film Festival in Deauville
Schauspielerin Elizabeth „Liz“ Taylor, eine enge Freundin Michael Jacksons. Hier zu sehen beim American Film Festival in Deauville (Normandie) am 11. September 1985, © Roland Godefroy, entnommen aus Wikimedia Commons

Ein Blick auf die Werke selbst

Wirft man einen Blick auf MJs Gemälde, ergibt sich ein vielfältiges Bild: Es existieren abstrakte Werke, in denen Michael seine Beziehung zum Tanzen verarbeitet. Oft zeigen diese Bilder Michael selbst, wie er in seinen berühmten Mokassins mit weißen Socken tanzt. Dann gibt es Selbstportraits – das markanteste dieser Portraits zeigt Michael in seiner Aufmachung für das Thriller-Musikvideo.
Michelangelo gehörte zu den Künstlern, mit denen MJ sich am liebsten beschäftigte: So fertigte er eine Nachempfindung von Michelangelos Werk Die Schöpfung an.
Stühle und Schlüssel waren für Michael nicht rein funktionelle Gegenstände, sondern auch Objekte künstlerischen Ausdrucks: Unter seinen Zeichnungen finden sich kunstvoll verzierte Stühle und Schlüssel. Auf Basis der gezeichneten Entwürfe wollte Michael Anfertigungen aus Bronze herstellen lassen.

Besonders eindrucksvoll wirkt ein Gemälde, das die Cristo-Redentor-Statue in Rio de Janeiro zeigt: Im Mittelpunkt des Gemäldes steht nicht die Statue selbst, sondern eine Art Spirale, deren Kern die Sonne verkörpert: An zwei Enden der Spirale stehen die ausgebreiteten Arme des Cristo Redentor.
Zu einer großen, der Öffentlichkeit zugänglichen Ausstellung der Werke des King of Pop kam es zu seinen Lebzeiten nicht. Die meisten seiner Werke befinden sich nach wie vor im Atelier der JacksonStrong Alliance – einige Gemälde wurden bereits verkauft, andere sind bis heute nicht auffindbar.

Simon von Ludwig

Beitragsbild: Michael Jackson live in Lissabon 1992, © Constru-centro, entnommen aus Wikimedia Commons

Die maßgeblichen Quellen dieses Artikels sind das Buch „Kunstwerke von Michael Jackson“, 2015 ArtLima Verlag und Michaels Memoiren „Moonwalk“, 2010 Random House Verlag (Erstveröffentlichung 1988 bei Doubleday)

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