Dieser Artikel erscheint zum 132. Geburtstag von Charlie Chaplin am 16. April 2021.

Michael Jackson sagte einmal, es sei sein Lieblingslied gewesen: Smile, zu dem Charlie Chaplin die Melodie geschrieben haben soll.
Weshalb war das Lied Smile das Lieblingslied Michaels? Sein Bruder Jermaine Jackson sang es sogar als Hommage auf den „King of Pop“ bei seiner Trauerfeier.

Die Geschichte des Liedes nahm ihren Lauf Anfang der 1930er, als die Stummfilmlegende Charlie Chaplin in den Vorbereitungen zu seinem neuen Film Modern Times [Moderne Zeiten, 1936] steckte: Bei Stummfilmen war es üblich, für die musikalische Untermalung des filmischen Geschehens zu sorgen. Chaplin hatte eine Melodie und einen Text im Kopf – allerdings waren das bloß Umrisse. Schließlich lag Chaplins Hauptaugenmerk auf der filmischen Realisierung seines letzten Stummfilms, bei dem die Schauspielerin Paulette Goddard die weibliche Hauptrolle übernahm.
Die Verfeinerung seiner Vorstellungen übertrug Charlie auf einen „musikalischen Sekretär“: David Raskin, der den Part des Komponisten übernahm. Dass Raskin Komponist von „Smile“ war, wurde erst im 21. Jahrhundert bekannt, denn er war lediglich als Arrangeur und Orchestrierer ausgewiesen – ein zur damaligen Zeit übliches Vorgehen.
Der Text zu Smile wurde erst 1954 von John Turner und Geoffrey Parsons verfasst, als Nat King Cole den Song interpretierte und in die Charts brachte.

Zwei Legenden

Doch wie wurde Michael Jackson auf Charlie Chaplin und „seinen“ Song Smile aufmerksam?
Bereits im Alter von neun Jahren (1967) zeichnete Michael ein Bild von Charlie Chaplin, das Jacksons Bewunderung für ihn zum Ausdruck brachte. Es war aber nicht nur der Legendenstatus, der Michael an Chaplin faszinierte: Es heißt, Charlie und Michael seien beides Menschen gewesen, die wegen des frühen Drucks seitens der Unterhaltungsindustrie keine ausgiebige Kindheit verbringen konnten. Das habe die beiden Entertainer verbunden.
 „Von Michael war stets erwartet worden, dass er sich auch schon als Kind erwachsen verhielt (…)“, schreibt Bruder Jermaine Jackson in seiner Michael-Jackson-Biographie. Vater Joseph Jackson, der sich als Manager seiner Kinder ansah, gründete die Band Jackson 5, die aus den Jackson-Brüdern bestand. Vater Joseph übertrug Michael die Rolle des Leadsängers. Michael war nicht das einzige Mitglied dieser Band, das eine erfolgreiche Solokarriere vor sich haben sollte.

Chaplin erging es ähnlich, wenn auch mit einem anderen biographischen Hintergrund: Bevor er zehn Jahre alt wurde, starb sein Vater und seine Mutter, die Schauspielerin war, konnte wegen einer Krankheit nicht mehr arbeiten. Es lag also an Chaplin und seinem Bruder, für ihr eigenes Wohl zu sorgen: Charlie trat in die Fußstapfen seiner Eltern und wurde selbst Schauspieler, womit er sich seinen Lebensunterhalt verdiente.

Auf den Kopf gestellt

Bereits im Teaser zum Album HIStory (1995), auf dem Smile veröffentlicht wurde, kann man den Einfluss Charlie Chaplins erkennen: Die Inszenierung Michaels inmitten der Armee auf dem Budapester „Heldenplatz“ vermag an Der große Diktator (1940) zu erinnern. Michael wagte einen Stilbruch: Normalerweise zeigen sich nur hochrangige Politiker und Militärs in solch einer Inszenierung. Plötzlich wagte 1995 ein Künstler, die vorherrschenden Vorstellungen auf den Kopf zu stellen. Viele Menschen hatten sich bereits daran gewöhnt, dass Krieg und Unterdrückung zum Alltag gehörten. Doch dass ein Künstler eine Militärparade zum Bewerben seines neuen Albums inszenierte, daran konnten sich nur die wenigsten gewöhnen.
Michael sang Smile zum ersten Mal vor einem ausgewählten Publikum im Beverly Hills Hotel.

„Smile“ beginnt mit einer für Michael Jackson ungewöhnlichen Orchestrierung: Mit berührender Stimme singt Michael, begleitet von einem Orchester, die ersten Worte „Smile, though your heart is aching…“. Wenig später folgen dann klassische Elemente der Popmusik, die Michaels Stimme ergänzen: Als Kontrast lauscht man gleichzeitig einer Passage, in der Violinen die Regie übernehmen. Zum Schluss des Liedes wird Michaels Stimme, die sich inzwischen in ein Nachsummen der Melodie und Pfeiftöne verliert, einfach begleitet vom Klavier. Die Einfachheit dieses Finales demonstriert, wie es wohl geklungen hätte, wenn Michael Jackson einmal bei einem Liederabend mit Klavierbegleitung aufgetreten wäre. Michaels Kunst lebt auch ohne „ultra-moderne Poptöne“ – das beweist seine Interpretation von Smile.

Simon von Ludwig

Beitragsbild: Michael Jackson 1988, Photo © Alan Light, entnommen aus Wikimedia Commons

Die maßgeblichen Quellen sind ein Artikel aus „American Songwriter“, ein weiterer Artikel zum Lied „Smile“, das Buch „You Are Not Alone – Mein Bruder Michael Jackson“ von Jermaine Jackson, ein offizieller Artikel über Charlie Chaplin und das Buch „Make That Change / Michael Jackson: Botschaft und Schicksal eines spirituellen Revolutionärs“ von Sophia Pade und Armin Risi.

Der Artikel wurde am 19. April 2021 aktualisiert. Die Angaben zum Zeitpunkt, zu dem die Lyrics geschrieben wurden, wurde eingefügt. Außerdem wurde hinzugefügt, dass Jackson Smile zum ersten Mal im Beverly Hills Hotel darbot.

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