Mitte der Vierziger führte Roger Moores Vater, der Polizist war, die Ermittlungen bei einem Raubüberfall im Haus des irischen Regisseurs Brian Desmond Hurst: Roger Moore ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und bat seinen Vater darum, Hurst vorgestellt zu werden.
Moores Vater war selbst begeisterter Amateurschauspieler und sah eine Möglichkeit, seinem Sohn den Traum zu erfüllen, den er sich selbst nie erfüllen konnte: Professioneller Schauspieler zu werden. Mit der Unterstützung von Hurst erhielt Moore seine erste kleine Rolle im Historienfilm Caesar und Cleopatra (1945), in dem Vivien Leigh die Hauptrolle spielte und Brian Desmond Hurst bei einigen Szenen Regie führte. Hurst sah Potenzial im jungen Roger Moore: Der irische Regisseur vermittelte Moore einen Platz an der Royal Academy of Dramatic Art und übernahm die Finanzierung seines Studiums. 

Ausbildung

Roger Moore wurde gemeinsam mit Lois Maxwell ausgebildet, die in den James Bond-Filmen später an seiner Seite in die Rolle der Miss Moneypenny schlüpfte. Neben Lois Maxwell begegnete der junge Moore auch Christopher Lee, der später den Bond-Gegenspieler Francisco Scaramanga in Der Mann mit dem goldenen Colt [The Man with the Golden Gun, 1974] verkörperte.
Moores Filmkarriere begann mit zahlreichen kleineren Rollen, für die er im Abspann der jeweiligen Filme nicht erwähnt wurde. Im Laufe seiner Ausbildung sammelte Roger Moore Erfahrung in verschiedenen Theaterstücken und Filmen: Er legte sich schon in frühen Jahren seine legere Art und seinen typischen transatlantischen Akzent zu. Der transatlantische Akzent bezeichnet eine Mixtur aus britischer und amerikanischer Mundart, der besonders gerne im Showbusiness Anwendung fand, um das britische und amerikanische Publikum zugleich anzusprechen. 

Hierarchie in Hollywood

Im März 1954 schloss Roger Moore mit den MGM Studios einen Vertrag über sieben Jahre ab: Damals war es für junge, aufstrebende Schauspieler üblich, solche Verträge mit den Studios abzuschließen. Seine erste Rolle in einem MGM-Film war eine Nebenrolle in Damals in Paris (1954): An der Seite von Elizabeth Taylor sammelte Roger Moore seine ersten Erfahrungen als Schauspieler bei einem hochkarätigen Hollywood-Studio.
In seinen Memoiren beschrieb Roger Moore die Hierarchie, die damals in Hollywood vorherrschte: Es gab A-, B- und C-Schauspieler. A-Schauspieler waren die Leinwand-Stars, als B-Schauspieler bezeichnete man Vertragsschauspieler und C-Schauspieler waren gelegentliche Schauspieler. Als Vertragsschauspieler fand sich Roger Moore Mitte der Fünfziger in der Kategorie der B-Schauspieler wieder: Obwohl diese Hierarchie nichts über das schauspielerische Talent eines Schauspielers aussagte, bestimmte die Hierarchie, ob das Studio einen Schauspieler in einer Haupt- oder einer Nebenrolle besetzte. 

Später war Moore froh, zunächst schauspielerische Erfahrung zu sammeln, bevor er im großen Rampenlicht stand.

Erster großer Erfolg im Fernsehen

In seinen ersten Jahren bei MGM spielte Moore hauptsächlich Nebenrollen: Der große Durchbruch blieb zunächst aus. Später war Moore froh, zunächst schauspielerische Erfahrung zu sammeln, bevor er im großen Rampenlicht stand. MGM ließ Roger Moore Ende der Fünfziger Jahre zunächst fallen. Das hielt Moore nicht davon ab, seine Schauspielkarriere weiter zu verfolgen.

Moore hatte seinen ersten großen Erfolg nicht auf der Kinoleinwand, sondern auf dem Fernsehbildschirm: In der Fernsehserie Ivanhoe (1958–1959) stellte Moore den Hauptcharakter Sir Wilfried of Ivanhoe dar. Im Laufe der Serie tauchten auch Christopher Lee und Robert Brown auf, die später ebenfalls in James Bond mitspielten. 

Rückkehr auf die Kinoleinwand

1959 bekam Roger Moore ein Angebot von Warner Brothers für einen weiteren langfristigen Vertrag: Nachdem er ein Intermezzo beim Fernsehen eingelegt hatte, kehrte Moore auf die Kinoleinwand zurück. 1959 erhielt Moore seine erste große Hauptrolle in einer Hollywood-Verfilmung: In Das Mirakel, einer Verfilmung des gleichnamigen Stücks von Karl Vollmöller, wurde Moore in der Rolle des Michael besetzt.
In den Sechzigern spielte Roger Moore vor allem in Fernsehserien: Von 1959 bis 1960 spielte Roger Moore in 37 Episoden der Western-Serie Gold in Alaska [The Alaskans] die Hauptrolle. 

The Saint

Mit der Krimiserie Simon Templar [The Saint, 1962–1969] wurde Roger Moore zu einem internationalen Star: Die Serie beruht auf der Kriminalroman-Serie The Saint des britischen Schriftstellers Leslie Charteris. Simon Templar ist bekannt als Der Heilige, da seine Initialen S.T. die Abkürzung für das englische The Saint sind. Templar reist als Gentleman und Abenteurer um die ganze Welt und führt einen luxuriösen Lebensstil.
Spätestens ab 1967 war Roger Moore ein internationaler Star: In der Serie sind bereits viele der Stilmittel seines Schauspielstils zu sehen, die er mit in die James Bond-Reihe nahm. 

Erste Fühlung mit James Bond

In der Fernsehserie Die Zwei [The Persuaders, 1971–1972] spielte er an der Seite von Tony Curtis die Hauptrolle. Die Musik zu Die Zwei komponierte John Barry, der unter anderem auch durch seine Musik für die James Bond-Filme bekannt ist. Besonders in Deutschland wurde Roger Moore mit der Fernsehserie Die Zwei bekannt.
1966 erklärte Sean Connery, dass er fortan in keinem James Bond-Film mehr mitspielen würde. Zu diesem Zeitpunkt wurde Moore klar, dass er ein ernsthafter Wettbewerber um die Rolle des James Bond sein könnte. Mitte der Sechziger war er aber noch an die Serie Simon Templar gebunden: Damit übernahm George Lazenby die Rolle des James Bond für den Film Im Geheimdienst Ihrer Majestät [On Her Majesty’s Secret Service, 1969]

Anders als seine Vorgänger füllte Roger Moore die Rolle des James Bond mit Humor und distanzierte sich leicht vom Image des kaltblütigen Agenten.

James Bond – auf seine Art

Als nach Diamantenfieber [Diamonds Are Forever, 1971] klar wurde, dass Sean Connery schließlich in keinem James Bond-Film mehr mitspielen würde, wurde die Rolle des James Bond erneut ein Thema für Roger Moore.
Nachdem der James Bond-Produzent Albert Broccoli Roger Moore das Angebot gemacht hatte, in die Rolle des James Bond zu schlüpfen, gab Moore sein Debüt als James Bond in Leben und sterben lassen [Live and Let Die, 1973]. Roger Moore spielte innerhalb von 12 Jahren in sieben James Bond-Filmen mit. Anders als seine Vorgänger füllte Roger Moore die Rolle des James Bond mit Humor und distanzierte sich leicht vom Image des kaltblütigen Agenten. In den Siebzigern wurde die Figur des James Bond somit an den Zeitgeist angepasst – das Publikum wollte nicht nur kaltschnäuzige Killer sehen, die humorvolle Komponente durfte auch nicht fehlen.

Verschmelzung mit James Bond

Sean Connerys Darstellung des James Bond entsprach zumindest noch ansatzweise der Vorstellung Ian Flemings: Spätestens mit Roger Moore änderte sich das. Damit das Franchise auch in den Siebzigern und Achtzigern erfolgreich sein würde, musste ein Schauspieler her, der einen dem Zeitgeist entsprechenden James Bond spielen konnte. Dank seiner zahlreichen Rollen in Krimiserien war Roger Moore prädestiniert für die Rolle.
Während seiner Verpflichtung für die James Bond-Reihe spielte Roger Moore in verschiedenen anderen Filmen mit. Doch keiner dieser Filme konnte den Erfolg der James Bond-Filme übertreffen: Roger Moore verschmolz in den Siebzigern und Achtzigern sosehr mit der Rolle des James Bond, das ihn das Publikum kaum mit einer anderen Rolle zu identifizieren vermochte. 

Abschied von der Leinwand

Nach Im Angesicht des Todes [A View to a Kill, 1985] verabschiedete sich Roger Moore von der Rolle des James Bond: Obwohl er noch in einigen weiteren Filmen mitspielte, hatte er den Zenit seiner Karriere überschritten. Moore verewigte sich mit seiner Darstellung des James Bond im Gedächtnis von zahlreichen Zuschauern.
Roger Moore starb im Mai 2013 in der Schweiz: Im Laufe seines Lebens wurde er durch zahlreiche Fernsehrollen einem breiten Publikum bekannt und sein Ruhm als James Bond-Darsteller hält bis heute an. Er brachte das Bond-Franchise in eine neue Richtung und verschmolz mit dem Charakter des James Bond.

Simon von Ludwig

James Bond bei Der Bussard

Maßgebliche Quelle: Moore, Roger: My Word is My Bond, 2008 HarperCollins (Roger Moores Autobiographie)

Beitragsbild: © Simon von Ludwig

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