Er war einer der einflussreichsten Singer-Songwriter der modernen Musikgeschichte: Leonard Cohen. Nachdem Cohen von 1956 bis 1957 ein Jahr in New York studierte, entschloss er sich, seine eigene literarische Zeitung zu gründen: Sie trug den Namen The Phoenix. Er schrieb im Editorial der Zeitung, man möchte „ehrliche Gedichte, Geschichten und Artikel von Qualität veröffentlichen. (…) Wir wollen das Experiment.“
Diese Vorstellung von literarischer Kunst sollte Leonhard Cohen für den Rest seines Lebens begleiten. 

Poesie

1961 veröffentlichte Leonard Cohen seine erste Poesiesammlung: Mit seiner Sammlung The Spice – Box of Earth wollte Cohen möglichst viele Leser ansprechen. Ursprünglich plante der Verlag, eine teure Hardcover-Ausgabe des Buchs auf den Markt zu bringen: Leonhard Cohen sträubte sich dagegen und setzte ein Paperback durch, um eine möglichst breite Leserschaft zu erreichen.
Nach der Fertigstellung seiner ersten Poesiesammlung machte sich Cohen auf den Weg nach London: Er war vom Mythos der Hauptstadt der englischen Literatur beeindruckt.

Schriftsteller

1963 veröffentlichte Leonard Cohen seinen ersten Roman: The Favourite Game. Ein Großteil von The Favourite Game entstand in London. Doch nach anfänglicher Begeisterung hatte Cohen schon bald genug von London: „Ich sagte mir, dass ich irgendwohin musste, wo die Leute ganz anders lebten“, kommentierte Leonard Cohen später. Die Wahl fiel auf Griechenland: Spontan entschloss sich Leonard Cohen, nach Athen aufzubrechen. Im April 1960 nahm er von Athen aus ein Schiff zur griechischen Insel Hydra: Eine Insel mit zahlreichen heruntergekommenen Häusern und scheinbar abgeschnitten vom Rest der Welt. Leonard Cohen kaufte sich ein halbes Jahr nach seiner Ankunft dort ein Haus und war kreativ wie selten zuvor in seinem Leben. 

Die Insel Hydra

Das Haus war groß, bot eine phänomenale Aussicht und hatte eine 200-jährige Geschichte. Ursprünglich hatte das Haus weder Elektrizität noch fließendes Wasser: Es war Leonard Cohens Klause. Das Leben auf Hydra war zwar günstig für ihn, doch Leonard Cohen kehrte trotzdem immer wieder in seine kanadische Heimat Montreal zurück, unter anderem um dort sein Geld zu verdienen. 
Allerdings hielt es Cohen im Großstadtklima von Montreal nicht lange aus: Er machte sich auf den Weg zur nächsten Insel – diesmal sollte es Kuba sein. 

Romane & Suzanne

Nachdem Leonard Cohen im April 1961 in letzter Sekunde aus dem umkämpften Kuba entkommen war, veröffentlichte er die Poesiesammlung The Spice – Box of Earth. Die Rezensionen waren berauschend, die erste Auflage war innerhalb von drei Monaten ausverkauft. Der Erfolg seiner ersten Veröffentlichung gab ihm genug Freiraum, um wieder nach Hydra zurückkehren zu können.
Seine beiden Romane The Favourite Game (1963) und Beautiful Losers (1966) veröffentlichte er beide von Hydra aus.  

Durch seine Romanveröffentlichungen wurde Leonard Cohen zu einer Berühmtheit der Literatur. Im Sommer 1965 verfasste Cohen das Gedicht Suzanne: Es handelt von der Tänzerin Suzanne Verdal, die Leonard Cohen in Montreal traf. Das Gedicht wurde später zu einem seiner bekanntesten Lieder. Bevor Leonard Cohen überhaupt den Gesang für sich entdeckte, nahm die Folk-Sängerin Judy Collins eine Version des Liedes auf. 
1966 erschien Leonard Cohens Gedichtsammlung Parasites of Heaven: Verglichen mit seinen bisherigen Veröffentlichungen war die Gedichtsammlung ein Misserfolg. Der Dichter Leonard Cohen kam auf die Idee, eine Karriere jenseits der Literatur anzustreben… 

Leonard Cohen distanzierte sich stets von den großen Musikbewegungen seiner Zeit.

Karriere als Sänger

Die Stadt New York war für Leonard Cohen ein Sprungbrett für seine Karriere als Sänger: In den Sechzigern lebten Künstler wie Bob Dylan oder Janis Joplin in New York.
Über das Chelsea Hotel in New York, damals Treffpunkt vieler aufstrebender Künstler, schrieb Leonard Cohen den Song Chelsea Hotel Nr. 2.

Am 26. Dezember 1967 veröffentlichte Leonard Cohen sein erstes Album Songs of Leonard Cohen.
Das Album wurde vor allem in Großbritannien positiv aufgenommen – ein Indikator für seine spätere Popularität in Europa. 
„Ich war nie mit dem Geist meiner Generation verheiratet“, sagte Leonard Cohen später über seine Karriere in den Sechzigern: Cohen distanzierte sich stets von den großen Musikbewegungen seiner Zeit. Er selbst war der Überzeugung, dass es anders ausgesehen hätte, wenn man ihm damals viel Geld für seine Arbeit angeboten hätte.
„Meistens habe ich an der Frontlinie meines eigenen winzigen Lebens gekämpft“, formulierte Leonard Cohen im Rückblick: Cohen verzichtete darauf, populäre Musik aufzunehmen und verarbeitete so seine eigenen Charakterzüge in seiner Musik. 

Musik als Notlösung

Eigentlich wollte Leonard Cohen nach einem kurzen Abstecher in die Musik wieder zur Literatur zurückkehren: Das Singen war für ihn zunächst nur eine Notlösung, weil seine letzten literarischen Veröffentlichungen Misserfolge gewesen waren.
Als Cohen mit seinen beiden folgenden Alben Songs from a Room (1969) und Songs of Love and Hate (1971) Erfolg hatte, änderte sich seine Einstellung: Fortan nahm er die Musik ernster und suchte nach einem Weg, seine literarische Veranlagung mit Gesang zu verbinden. 

1970 ging Leonard Cohen zum ersten Mal auf Tournee: Seine Tour umfasste die Vereinigten Staaten, Kanada und Europa. 1976 trat Cohen zum ersten Mal beim Montreux Jazz Festival auf. 

In den Siebzigern hatte Leonard Cohen den Durchbruch als Sänger geschafft: Er war ein international gefragter Künstler. In den Siebzigern veröffentlichte er hauptsächlich Live-Alben, darunter 1979 das Live-Album Field Commander Cohen: Tour of 1979.
Während den Siebzigern veröffentlichte Leonard Cohen zwar immer wieder Literatur, doch die Öffentlichkeit sah Cohen mittlerweile hauptsächlich als Sänger und nicht als Literat. Außerdem bescherten ihm seine Musikveröffentlichungen mehr Erfolg als sein Wirken in der Literatur.

Various Positions

Die 1980er waren ein besonderes kreatives Jahrzehnt für Leonard Cohen: 1984 veröffentlichte Leonard Cohen das Album Various Positions, das einige seiner bekanntesten Lieder enthält. Darunter auch der Song Hallelujah: Es existieren über einhundert Coverversionen von Hallelujah.
Dance Me to the End of Love ist ein weiterer bekannter Song von Cohens Album Various Positions. Die Background-Vocals zum Album sang Jennifer Warnes ein.
Das Album wurde in den USA und in Europa veröffentlicht: In einigen europäischen Staaten schaffte es das Album in die Top Ten. In den USA war Various Positions weniger erfolgreich. 

Nach Veröffentlichung seines neuen Albums ging Leonard Cohen auf seine bis dahin größte Tour: Zwischen Januar und Juli 1985 trat Cohen bei insgesamt 77 Konzerten auf.
Leonard Cohen konnte seine kreative Phase fortsetzen: 1988 veröffentlichte er das Album I’m Your Man. Das Album enthält unter anderem das Lied Take This Waltz

Schließlich wollte er ursprünglich nicht Musiker, sondern Schriftsteller werden.

Cohens Vermächtnis

Bis zu seinem Tod 2016 veröffentlichte Leonard Cohen sechs weitere Alben. Sein letztes Album You Want It Darker erschien 17 Tage vor seinem Tod am am 7. November 2016.
Bis heute ist Leonard Cohen einer der bekanntesten Songwriter und einer der am meisten gecoverten Sänger. Besonders seine Songs Hallelujah und Suzanne sind durch unzählige Coverversionen weltbekannt geworden.
Das Oeuvre von Leonard Cohen bietet nicht nur Musik: Seine Gedichtbände und Romane werden bis heute regelmäßig neu aufgelegt.
Schließlich wollte er ursprünglich nicht Musiker, sondern Schriftsteller werden. 

Simon von Ludwig

Musik bei Der Bussard

Beitragsbild: © Simon von Ludwig

Maßgebliche Quelle: Nadel, Ira B.: Various Positions – Das Leben Leonard Cohens, 1997 Berlin Verlag
Alle im Artikel aufgeführten Zitate stammen hieraus. Für genauere Quellenangaben kann Der Bussard kontaktiert werden.

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