Es gibt kaum einen Golfer, der den Sport so sehr aus den elitären Country Clubs herausgeholt und in die Wohnzimmer Amerikas gebracht hat, wie Arnold Palmer. „The King“ – so nannten ihn die Massen nicht nur wegen seiner sieben Majors, sondern vor allem wegen seiner Art zu spielen: aggressiv, risikofreudig, emotional, mit einem Schwung, der die Erde erzittern ließ und einem Charisma, das Millionen fesselte. Wo vorher nur wenige zusahen, marschierte plötzlich „Arnie’s Army“ mit – eine Armee von Fans, die ihm überallhin folgte und Golf endgültig zum US-Volkssport machte.

Der Weg zum Profi

Arnold Daniel Palmer wurde am 10. September 1929 in Latrobe, Pennsylvania, geboren, einer kleinen Industriestadt am Fuß der Allegheny Mountains. Sein Vater Milfred „Deacon“ Palmer war Greenkeeper und Clubprofi im Latrobe Country Club und brachte dem Jungen das Golfen bei – schon mit vier Jahren schlug Arnold Bälle. Als Teenager gewann er zweimal die Pennsylvania High School Championship. Nach der Highschool ging er mit einem Golf-Stipendium ans Wake Forest College, doch 1950 verließ er die Uni nach dem Tod seines engen Freundes Bud Worsham und trat der US Coast Guard bei. Drei Jahre diente er, baute währenddessen sogar einen kleinen Neun-Loch-Platz und kehrte 1954 zurück, um die U.S. Amateur Championship zu gewinnen. Im selben Jahr wurde er Profi.

Die Ära Palmer

Der erste PGA-Tour-Sieg kam 1955 bei der Canadian Open. Doch der wahre Durchbruch folgte 1958: Palmer gewann das Masters Tournament – sein erstes Major. Es war der Beginn einer Ära. Bis 1964 holte er vier Masters-Titel (1958, 1960, 1962, 1964), einen dramatischen U.S. Open-Sieg 1960 – er lag vor der Finalrunde sieben Schläge zurück, startete mit Birdie auf den ersten sechs von sieben Löchern und siegte mit einer 65er Runde – sowie zwei British Open (1961 und 1962). 

Insgesamt holte er damit sieben Majors, 62 PGA-Tour-Siege (die fünftmeisten aller Zeiten), viermal war er führend in der Geldrangliste (1958, 1960, 1962, 1963) und viermal erhielt er die Vardon Trophy für das niedrigste Scoring Average (1961, 1962, 1964, 1967).

Sogar für heutige Verhältnisse, in denen selbst junge Golfer immer wieder neue Maßstäbe für den ganzen Sport setzen, bleiben das unfassbare Karriereerfolge. 

Was Palmer auszeichnete, war sein Stil: kraftvoll, mutig, unkonventionell.

Palmers Stil

Was Palmer auszeichnete, war sein Stil: kraftvoll, mutig, unkonventionell. Er attackierte Pin-Positionen, scheute kein Risiko, liebte lange Drives und dramatische Putts. Wenn er scheiterte, tat er es spektakulär – und wenn er gewann, feierte er es mit geballter Faust, hochgezogenen Hosen und einem Lachen, das ansteckend war. Er spielte nicht nur Golf; er lebte es. Das Fernsehen, das in den 50er und 60er Jahren boomte, fand in ihm den perfekten Star: attraktiv, bodenständig, charismatisch, aus einfachen Verhältnissen. Plötzlich schalteten Millionen ein, um „Arnie“ zu sehen  und „Arnie’s Army“ wuchs zu einer Bewegung. Palmer machte Golf spannend, zugänglich, emotional – weg vom steifen Image der „alten Garde“.

Tätigkeiten neben dem Golfplatz

Neben dem Golfplatz baute er ein Imperium auf. Er gründete Arnold Palmer Enterprises, entwarf über 300 Golfplätze weltweit (darunter Bay Hill, wo heute das Arnold Palmer Invitational stattfindet), war Markenbotschafter für Autos und Getränke (der berühmte „Arnold Palmer“ – halb Eistee, halb Limonade – trägt bis heute seinen Namen), kaufte seinen Heimatclub Latrobe zurück und half, die Senior Tour (heute PGA Tour Champions) mitzugründen. Er war der erste Golfer, der eine Million Dollar an Preisgeldern verdiente (1968), und blieb zeitlebens nahbar: Autogramme gab er stundenlang, Gespräche bemühte er sich mit jedem Fan zu führen.

Golf ohne Arnold Palmer? Schwer denkbar

Arnold Palmer starb am 25. September 2016 mit 87 Jahren in Pittsburgh an den Folgen einer Herzoperation. Seine Asche wurde auf dem Gelände des Latrobe Country Club verstreut – dem Ort, wo alles begann.

Er war der “King“, weil er dem Golfsport einen modernen Anstrich verlieh: Ohne Arnold Palmer wäre der Sport nie so groß, nie so populär geworden. Palmer ist heute noch eines der bekanntesten Gesichter des Golfsports und seiner Karriere ist es zu verdanken, dass der Golfsport den Weg in zahlreiche amerikanische Familien gefunden hat und bis heute eine solide Fangemeinde aufweist.

Wenn auch die rote Jacke, die heute Gewinner des Arnold Palmer Invitational anziehen dürfen, nicht ganz den gleichen Status hat, wie die grüne Jacke, in der sich ein Masters-Sieger präsentieren darf: Arnold Palmer bleibt bis heute eine der Größen des Golfsports, ohne die der Sport heute nicht das wäre, was er ist. 

Simon von Ludwig


Beitragsbild: Arnold Palmer mit US-Präsident Ronald Reagan im April 1983 im Weißen Haus. Public Domain, US National Archives. Entnommen aus Wikimedia Commons.

Maßgebliche Quellen: Palmers Biographie bei der Encyclopedia Britannica, palmergolf.com und seine Biographie bei espn.com.


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