Es gibt kaum einen Golfer, der dem Sport so viel Leidenschaft, Fantasie und pure Magie verliehen hat wie Seve Ballesteros. Der Spanier aus dem kleinen Fischerdorf Pedreña war mehr als ein Champion – er war ein Künstler auf dem Platz, ein Magier des Short Games, der aus unmöglichen Lagen zauberte, wovon andere nicht einmal zu träumen vermochten. Mit fünf Major-Siegen, einer ungezügelten Intensität und einem Temperament, das Feuer fing, machte er Europa zu einem ernstzunehmenden Faktor in der Welt des Golfs und inspirierte eine ganze Generation an spanischen Golfspielern.
Kaum Profi, schon der erste Sieg
Severiano Ballesteros Sota wurde am 9. April 1957 in Pedreña, Cantabria, geboren – als sechstes von neun Kindern einer bescheidenen Fischerfamilie. Golf entdeckte er früh: Der Nachbarclub Real Club de Golf de Pedreña lag direkt vor der Haustür und Seve übte heimlich mit einem selbstgemachten Schläger aus einem alten 3-Eisen-Kopf und einem Stock. Mit 16 Jahren wurde er Caddy, mit 19 Profi (1976). Sein erster Sieg kam sensationell schnell: 1976 gewann er die Dutch Open – als jüngster Gewinner auf der European Tour damals.
Seves Spiel war unverwechselbar.
Ein Short Game aus einer anderen Welt
Der Durchbruch auf der großen Bühne folgte 1979: Bei der Open Championship in Royal Lytham & St Annes gewann er als erster Kontinentaleuropäer seit 1907 den Titel – mit 22 Jahren. Es war der Startschuss für eine goldene Ära. Seve holte fünf Majors: die Open Championship 1979, 1984 (legendärer Auftritt in St Andrews, wo er Tom Watson bezwang) und 1988 (wieder Lytham, mit einer finalen 65er Runde) sowie das Masters 1980 und 1983. 1980 wurde er mit 23 der jüngste Masters-Sieger aller Zeiten (bis Tiger Woods kam), 1983 führte er zeitweise mit zehn Schlägen.
Seves Spiel war unverwechselbar: kraftvolle Drives, – aber vor allem auch ein Short Game aus einer anderen Welt. Er chipte, lobte, bunkerte aus Lagen, die unmöglich schienen: aus tiefem Rough, von Baumwurzeln, aus dem Wasser. Seine Improvisation war genial, sein Touch feinfühlig, sein Instinkt unfehlbar. Zeitgenossen sagten: „Seve konnte den Ball aus einer Telefonzelle chippen.“ Sein Temperament war explosiv – er warf Schläger, fluchte auf Spanisch, doch genau diese Leidenschaft machte ihn so menschlich und fesselnd. Er war nicht nur Spieler; er machte aus einem Golfturnier ein dramatisches Theaterstück.
Er spielte nicht nur; er fühlte, er liebte, er litt – und er zauberte.
Ryder Cup-Held und Vermächtnis
Neben den Majors gewann er 50 mal auf der European Tour (Rekord bis heute), 87 Turniere weltweit insgesamt. Er war Weltranglistenerster (61 Wochen), Ryder-Cup-Held (22½ Punkte in 37 Matches, Kapitän 1997 beim Sieg in Valderrama) und Pionier: Vor Seve war Europa im Golf zweitrangig – nach ihm gewannen Faldo, Olazábal, García, Jiménez, Poulter, McIlroy. Er gab dem Kontinent Stolz und Selbstvertrauen.
Seine Karriere endete schrittweise durch Rückenschmerzen und Verletzungen; 2007 trat er offiziell zurück. Doch 2008 kam die Diagnose: ein maligner Hirntumor (Oligoastrozytom). Er unterzog sich mehreren Operationen, kämpfte öffentlich und tapfer. Am 7. Mai 2011 starb Seve Ballesteros im Alter von nur 54 Jahren in seinem geliebten Pedreña – umgeben von Familie, während draußen die Welt trauerte.
Seve Ballesteros gab dem Golf eine Seele. Er spielte nicht nur; er fühlte, er liebte, er litt – und er zauberte. Sein Vermächtnis ist nicht nur in den Trophäen, sondern in jedem Golfer, der aus dem Nichts einen Schlag erfindet. Der europäische Golfsport hat ihm viel zu verdanken – und die Welt einen unvergesslichen Künstler.
Fragt man heute einen spanischen Golfspieler, wer sein Vorbild ist, wird in fast jedem Fall die Antwort „Seve Ballesteros“ lauten: Der Einfluss des einmaligen Golfers aus Spanien ist bis heute ungebrochen.

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