Beitragsbild: Hauptdarstellerin Christine Baranski (Diane Lockhart) 2012 bei der Verleihung des Fernsehpreises Romy in Wien. Photograph: Manfred Werner, Verwendung unter CC BY-SA 3.0 (keine Änderungen), Entnommen aus Wikimedia Commons

Besprechung: „The Good Fight“ Staffel 4, Folge 1

Was wäre, wenn im November 2016 nicht Donald Trump, sondern Hillary Clinton in das Präsidentenamt der Vereinigten Staaten gewählt worden wäre? 
Genau mit dieser Frage beschäftigt sich die erste Folge der neuen Staffel der Anwaltsserie „The Good Fight“. 

Im Folgenden können womöglich Spoiler zum Seriengeschehen auftauchen.

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Eine neue Realität: Hurra?

Die Spitzen-Anwältin Diane Lockhart (Christine Baranski) findet sich plötzlich in einer alternativen Realität wieder, in der Hillary Clinton zur Präsidentin der Vereinigten Staaten gewählt wurde. 
Diane sitzt vor dem Fernseher, sieht sich die Amtseinführung Hillary Clintons an und bricht in Euphorie aus; bis ihrer Euphorie ein abruptes Ende gesetzt wird, als der Fernseher plötzlich den Geist aufgibt. Diese erste, an den Bildschirm fesselnde Szene gibt mit ihrer widersprüchlichen Inszenierung von Euphorie und Frustration einen Ausblick auf die Handlung der Folge. 

Diane geht zur Arbeit und hat Probleme, sich zurechtzufinden – von der Assistentin Marissa Gold (Sarah Steele) wird sie aufgeklärt, wer im Weißen Haus präsidiert: Hillary Clinton. Obwohl Diane die Amtseinführung am Fernseher sah, ist sie noch immer verwirrt, da sie aus einer Welt stammt, in der Donald Trump inzwischen seit drei Jahren Präsident ist. 
Als dann schließlich auch noch Hillary Clintons Pressesekretärin in Dianes Büro wartet und sie erfährt, dass sie bald einen Klienten am Supreme Court verteidigen soll, weiß Diane von all dem nichts und fühlt sich, als wäre sie aus der Welt gefallen. 

Zunächst wähnt sich die liberale Diane im Paradies, stellt jedoch sehr schnell fest, dass auch die Realität, in der sie nun zugange ist, ihre Schattenseiten besitzt: Während eines Treffens der Kanzleipartner erfährt sie, dass sie in der alternativen Realität bereits seit Wochen die Verteidigung von Harvey Weinstein, der mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert wird, vorbereitet.
Aus einer Realität kommend, in der „#MeToo“ zu gesellschaftlichen Umwälzungen führte und Harvey Weinstein verurteilt wurde, schockiert sie diese Nachricht. 
Weinstein wird in der alternativen Realität vor Gericht von allen Vorwürfen freigesprochen. Nebenbei erfährt Diane, dass es in der Welt, in der Clinton zur Präsidentin gewählt wurde, keine „#MeToo“-Bewegung gibt. 

Die „neue Albtraumwelt“

Zuerst dachte sich Diane Lockhart, sie sei nun, da Clinton Präsidentin ist und nicht Trump, aus einem schlechten Traum aufgewacht; nun befindet sie sich erneut in einer Albtraumwelt. Als sie versucht, Weinsteins Machenschaften ans Licht zu bringen, werden ihre Aussagen als Gerüchte abgestempelt und es kommt sogar soweit, dass die anderen Kanzleipartner einen Ausschluss Dianes aus der Kanzlei in Betracht ziehen. Die Kanzlei stecke aufgrund der eingeführten „Clinton corporate tax“ in finanziellen Schwierigkeiten und sei auf Klienten wie Weinstein angewiesen, so die Argumentation der Kanzleipartner Dianes. 
Zudem möchte die Pressesekretärin Clintons, dass Diane ihre Forderungen nach einer „#MeToo“-Debatte einstellt, da diese Forderungen Hillary Clinton während ihrer Wiederwahlkampagne nicht helfen würden. 

All dies setzt Diane sehr zu; auf einmal beginnt sie sich zu fragen, wo sich eigentlich ihr Mann Kurt McVeigh (Gary Cole), seines Zeichen glühender Republikaner und Waffenbesitzer, befindet. Ihr Mann ist die Verkörperung dessen, was von der Clinton-Administration als unzivilisiert angesehen wird; aus diesem Grund macht sie sich Sorgen um ihn und findet ihn in seiner Jagdhütte im Wald…

Vorsicht geboten beim Herbeiwünschen 

Während der gesamten Folge erhält man als Zuschauer den Eindruck, diese alternative Realität ist nun die neue Welt, in der sich „The Good Fight“ mit Beginn der vierten Staffel abspielt. 
Ob dies tatsächlich so ist, soll in diesem Artikel offengelassen werden; das Anschauen der neuen Folge lohnt sich also auch noch nach dem Lesen dieser Besprechung. 

Zusammenfassend kann es als eine Aussage der neuen Folge angesehen werden, dass man immer vorsichtig sein sollte, wenn man sich eine alternative Realität herbeiwünscht; man wünscht sich somit etwas, das einem selbst womöglich gar nicht gefallen würde. Auch kann die Folge als eine Aufforderung verstanden werden, das Beste aus den Zeiten zu machen, die man gerade vorfindet; wünscht man sich stattdessen eine alternative Welt herbei, verkennt man dabei oft die Schattenseiten, die einer jeden Realität zugrundeliegen. 

Simon von Ludwig

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