An welche Frau denke ich, wenn es um starke Frauen geht? An niemand Geringeren als Michelle Obama. Die 1964 geborene Rechtsanwältin und ehemalige First Lady der Vereinigten Staaten von Amerika ist mittlerweile Autorin geworden. Ende des Jahres 2018 veröffentlichte sie ihre Memoiren „Becoming“, die im amerikanischen In- und Ausland in Rekordzeit die Bestsellerlisten erklommen. 
„Becoming“ beginnt mit einem im März 2017 verfassten Vorwort, in welchem die Motive der ehemaligen First Lady, ihre Memoiren zu verfassen, deutlich werden.

”When I was a kid, my aspirations were simple. I wanted a dog. I wanted a house that had stairs in it – two floors for one family.“

Mit diesen Worten beginnen Michelle Obamas Memoiren.
Man kann sagen, dass es im Endeffekt ein etwas größeres Haus wurde, als sie es sich als Kind ausmalte, in dem sie acht Jahre ihres Lebens wohnen sollte.
In den ersten Zeilen ihres Buches beleuchtet die ehemalige First Lady auch die Gegensätzlichkeiten des Lebens im Rampenlicht, die sie als First Lady erlebt hat: 

”Since stepping reluctantly into public life, I’ve been held up as the most powerful woman in the world and taken down as an ‚angry black woman.‘“

Michelle Obama weist mit diesem Satz darauf hin, dass auf der größten Bühne der amerikanischen Nation, dem Weißen Haus, auch die größte Polarisierung herrscht.
Die US-amerikanische Rechtsanwältin schließt das Preface ihres Buches mit der Ankündigung, dass sie eine Menge zu erzählen habe. Ihre Töchter sind mittlerweile Teenager und ihr Mann gewöhnt sich gerade an das Leben nach dem Weißen Haus. Für sie ist nun der perfekte Zeitpunkt gekommen, um mit ihren Memoiren zu berichten, mit welchen Erfahrungen und Entscheidungen sie im Leben dort angekommen ist, wo sie sich heute befindet. 

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Möchtet ihr die Memoiren selbst lesen? Bei unserem Partner jpc.de könnt ihr das Buch erwerben:

jpc.de — Michelle Obama: Becoming (dt. Version)

Möchtet ihr lieber das Original lesen? Dann werdet ihr hier fündig:

jpc.de — Michelle Obama: Becoming (englische Originalversion)

Misserfolg: Ein Gefühl?

Das Buch umfasst in der englischsprachigen Originalversion, die mir vorliegt, 421 Seiten und ist nach dem Vorwort in drei Teile untergliedert – „Becoming Me“, „Becoming Us“ und „Becoming More“.
Anhand dieser Überschriften kann man sich schon in etwa denken, worum sich in den jeweiligen Teilen die Handlung der Autobiographie dreht. 
In „Becoming Me“ dreht sich alles darum, wie Michelle Obama als Individuum zu dem geworden ist, was sie heute zum Teil ausmacht. 
Der erste Teil beginnt mit der frühen Kindheit Michelles, sie erzählt zum Beispiel davon, wie sie mit bereits vier Jahren beschloss, das Klavierspielen zu lernen. Wir begleiten Michelle Obama auf den ersten hundert Seiten durch die unterschiedlichsten Hoch-, Tief-, und Wendepunkte im Leben.
Diese entscheidenen Weichenstellen ihres jungen Lebens nutzt sie in ihrer Biographie geschickt, um auf wichtige Erfahrungen aufmerksam zu machen, die ihr Charakterstärke verliehen haben. 
So muss Michelle irgendwann die Entscheidung treffen, auf welcher Universität sie sich einschreiben lassen möchte. 
Michelle Obama hat von ihren Eltern den Ratschlag erhalten, niemals ihren Blick einzuschränken und Dinge für möglich zu halten, die für andere als unmöglich galten. Michelle übernahm diesen Ratschlag weitgehend für ihren Lebensweg. 
Doch eine aus heutiger Sicht unbedeutende Frau, die Michelle darin beratschlagte, welches College sie am besten besuchen sollte, machte ihr einen großen Strich durch die Rechnung. Dem Plan der heranwachsenden Rechtsanwältin, das Princeton College zu besuchen, begegnete die Frau mit den folgenden Worten: „I’m not sure that you’re Princeton material.“ Nach der Erzählung Michelle Obamas teilte die college counselor ihr diesen Ratschlag mit einem oberflächlichen und bevormundenden Lächeln mit. 
Manch einen Menschen in jungen Jahren hätte dieser Ratschlag zu Recht aus der Bahn geworfen, doch die kommende Jurastudentin ließ sich das keinesfalls gefallen. 
Die ehemalige First Lady kontert diesen niederschmetternden Schlag mit der folgenden Weisheit, die ich mir ausnahmsweise erlaube ins Deutsche zu übersetzen, statt sie wörtlich aus dem Buch zu zitieren: Misserfolg ist lange ein Gefühl, bevor es ein Ergebnis wird. 
Michelle fasste den Entschluss, sich von ihrer Beraterin nicht beirren zu lassen, indem sie den Misserfolg nicht zu einem Gefühl in sich heranwachsen ließ. 
Sieben Monate später fand sie in ihrem Briefkasten die Zulassung zum Princeton College. 

Das Ehepaar

„Becoming Me“ endet mit dem Zusammenkommen von Michelle und Barack Obama. Mit dem Zusammenkommen des künftigen Ehepaares mündet die Autobiographie in den zweiten Abschnitt, „Becoming Us“. 
In „Becoming Us“ kommt immer mehr der politische Werdegang Barack Obamas in einzelnen Schritten zum Vorschein. Jedoch schreibt Michelle auch von anderen Ereignissen, die das „Becoming Us“ zwischen Michelle Obama und ihrer Familie prägten. 
Zu Beginn erzählt die ehemalige First Lady davon, wie ihr Vater starb. Er bekämpfte seine Krankheit bereits seit vielen Jahren, weigerte sich immer wieder, zum Arzt zu gehen oder sich im Krankenhaus helfen zu lassen und starb schlussendlich an einem Herzinfarkt. 
„It hurts to live after someone has died. It just does.“ Mit diesen Worten beschreibt Michelle die Wirkung des Todes ihres Vaters auf sich und ihr Leben. Dieser Trauerfall setzt Michelle besonders zu, sie findet aber wieder Freude am Leben, als etwas eintritt, über das sie mit ihrem Partner Barack schon seit Monaten diskutiert. 

”Eventually, our waiter came around holding a dessert plate, covered by a silver lid. He slid it in front of me and lifted the cover. I was almost too miffed to even look down, but when I did, I saw a dark velvet box where the chocolate cake was supposed to be. Inside it was a diamond ring.“


So beschreibt Michelle Obama das Szenario, als Barack ihr seinen Heiratsantrag machte. 
Ich bin der Überzeugung, dass dies einer der schönsten Wege ist, seine Partnerin nach dem Ja-Wort zu fragen.
Ich denke, ich muss nicht erwähnen, dass es kein Nein als Antwort seitens Michelle Obama gegeben hat. 

„Becoming Us“

Barack dachte keine Sekunde daran, sich im Leben treiben zu lassen und fasste den Entschluss, ein Buch über seinen Vater und seine Träume zu schreiben – Dreams From My Father.
Wer interessiert an der Familiengeschichte Barack Obamas ist, dem lege ich dieses Buch ans Herz, denn es gewährt einen großartigen Einblick in vielerlei Hinsicht: Nicht nur die Familiengeschichte des ehemaligen US-Präsidenten spielt eine Rolle, im Buch wird auch auf kenianische Traditionen und Eigenheiten eingegangen, die im Kontrast zur US-amerikanischen Lebensweise stehen. 
Barack ist nicht in Kenia aufgewachsen, weshalb er sich zum Zeitpunkt der Abfassung seines Buches auf einer Erkundungsreise durch sein Abstammungsland befand, was den Wert der Lektüre immens steigert.
Doch im Part „Becoming Us“ erzählt Michelle uns nicht nur über das familiäre Zusammenleben von Ehefrau und Ehemann, sondern auch über die Geburt ihrer beiden Töchter, Malia und Natasha. Somit bezieht Michelle mit „Becoming Us“ nicht nur ihre Heirat, sondern auch ihre Familiengründung mit ein.

President Barack Obama, First Lady Michelle Obama, and their daughters, Sasha and Malia, sit for a family portrait in the Oval Office, Dec. 11, 2011. (Official White House Photo by Pete Souza). Quelle: Wikimedia Commons, Public Domain

Die aufstrebende politische Karriere ihres Ehemanns Barack nimmt einen entscheidenen Teil in „Becoming Us“ ein. 
Der ehemalige US-Präsident begann seine politische Laufbahn im Parlament des Bundesstaates Illinois, arbeite sich als Vertreter für Illinois in den US-amerikanischen Senat vor und setzte schließlich erfolgreich seine Ambitionen für die Präsidentschaft durch. Seine Frau Michelle stand diesen Plänen anfangs stets kritisch gegenüber, legte ihre Zweifel jedoch spätestens dann ab, als sie während der Kampagne zur Präsidentschaftswahl 2008 erkannte, dass ihr Ehemann der erste afroamerikanische US-Präsident der Geschichte werden könnte. 

Die First Lady & die Queen

„Becoming Us“ geht von dem Zeitpunkt, an dem Barack Obama zum 44. US-Präsidenten gewählt wird, fließend in den dritten und letzten Teil der Autobiographie, „Becoming More“, über.

 ”There is no handbook for incoming First Ladies of the United States. It’s not technically a job, nor is it an official government title.“

Mit diesen Worten beginnt „Becoming More“ und die heute ehemalige First Lady geht hier darauf ein, dass jede First Lady eigentlich ihr eigenes „handbook“ für den Job an der Seite ihres Ehemanns individuell entwirft und befolgt. 
Michelle Obamas erste Sorge nach dem Wahlsieg ihres Mannes waren ihre beiden Töchter, denn es stand für die gesamte Familie ein großer Umstieg bevor. Zwischen dem Wahlsieg im November und der Amtseinführung im Januar liegen in jedem Fall gerade einmal knapp drei Monate – das war nur knapp genügend Zeit für die Obamas, für vorerst vier Jahre ihr Familienleben dort zu planen. 
Daran, dass sich die vier Jahre in acht Jahre verwandeln könnten, dachte zum damaligen Zeitpunkt noch niemand. 
Um die Selbstsicht Michelle Obamas während ihres Lebens im Weißen Haus zu verdeutlichen, bediene ich mich eines aussagekräftigen Beispiels aus der Autobiographie. Nachdem sich die Obama-Familie an ihre neue Rolle gewöhnt hatte, stand für Michelle Obama ein Treffen mit der englischen Königin Elisabeth II. an. 
Michelle schildert die aussagekräftige Szene wie folgt:

„(…) We looked at each other then with identical expressions, like, When is all this standing around with world leaders going to finally wrap up? And with this, she busted out with a fully charming laugh. (…) I then did what’s instinctive to me anytime I feel connected to a new person, which is to express my feelings outwardly. I laid a hand affectionately across her shoulder.“ 

Damit, dass sie der englischen Königin eine Hand auf die Schulter legte, löste sie einen Skandal aus, denn: Die englische Königin anzufassen, widerspricht streng dem Protokoll. In diesem Fall siegten bei beiden Personen die menschlichen Gefühle, die sich wenigstens für einen Augenblick von den Umständen ihrer Begegnung loslösen konnten. Der Anlass des Treffens war nämlich kein geringerer als ein G20-Gipfeltreffen. 
Zu der Selbstsicht Michelle Obamas kann man folglich sagen, dass sie sich nach wie vor als eine normale Frau fühlt, die eine Seelenverwandte in der englischen Queen gefunden hat. 
Für ein Treffen mit der englischen Queen gibt es natürlich protokollarische Vorschriften, jedoch galt für Michelle Obama in dem gemeinsamen Moment mit der Queen: Ausnahmen bestätigen die Regel – auch wenn es um Regelungen geht, welche die Königin von England betreffen. 

Entfesselung von politischen Sachverhalten

Die ehemalige First Lady summiert all ihre wichtigen Lebenserfahrungen, die sie für erwähnenswert hält, in ihrem Buch auf eine fesselnde Art und Weise. Anders, als viele denken, ist die Biographie Michelle Obamas keine politische Biographie – dass sie das nicht ist, macht sie gerade aus. Michelle Obamas Autobiographie „Becoming“ ist gewissermaßen ein Erfahrungsbericht über ihr Leben mit politischen Elementen, für welche meist ihr Mann Barack verantwortlich ist. Ich vertrete die Meinung, dass man aus dem Buch der ehemaligen First Lady sehr viel lernen kann. Jedoch nur, wenn man von ihr lernen möchte. 

Eine Entfesselung von sämtlichen politischen Sachverhalten und Polarisierungen ist dafür notwendig, denn bei der Biographie geht es um das im Titel avisierte „Becoming“. Was „Becoming“ ist und wie sich „Becoming“ abspielt, ist jedem Menschen dabei selbst überlassen.
Für den einen bedeutet „Becoming“, endlich Gebrauch von seiner Charakterstärke zu machen oder sie gar zu entdecken, und für den anderen bedeutet „Becoming“ vielleicht etwas ganz anderes. 
Schlussendlich gelingt es Michelle auf beeindruckende Art und Weise, genau diese Weisheit den Lesern zu übermitteln.
Jeder sollte seinen Weg am besten selbst gehen, frei von Einschränkungen.
Man sollte zu jeder Zeit das für möglich halten, was andere Menschen für unmöglich halten.
Diese gesammelten Weisheiten, sowie noch einige mehr, stecken aufsummiert in Michelle Obamas Bestseller-Biographie „Becoming“.

Simon Ludwig

Beitragsbild: President Barack Obama, First Lady Michelle Obama, and their daughters, Sasha and Malia, sit for a family portrait in the Oval Office, Dec. 11, 2011. (Official White House Photo by Pete Souza). Source: Wikimedia Commons, Public Domain

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